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                  Verbandsliga Sachsen-Anhalt, Saison 03/04, 05.06.04               

 

   1:1  

 

TSG Calbe - FSV Hettstedt

 

Calbe, Hegerstadion (ca. 300 Zuschauer)

 

 

Nachdem sich stadionbesuch.de in letzter Woche dem Aufsteiger SV Dessau 05 gewidmet hat, stand heute der Abstiegskampf auf dem Programm. Hettstedt zurzeit auf einem Abstiegsplatz, Calbe einen Punkt davor. Dafür aber mit dem Nachteil nächste Woche spielfrei zu sein. Ein Sieg und Calbe darf im nächsten auch in der Verbandsliga weiter mitspielen. Als Reisemittel wurde heute das günstige Wochenendticket der Deutschen Bahn gewählt – und zwar als kostenloser Mitfahrer. In Calbe angekommen, dachte ich zunächst einmal ich bin im falschen Film. Neben mir stieg keiner in Calbe aus und außer dem Bahnhof gab es keinerlei Bauten zu besichtigten. Einzig ein Bus stand abfahrbereit auf dem Vorplatz. Der Fahrer nett und ortskundig wusste auch gleich wo das Stadion war und für unschlagbare 1,30 Euro durfte man sogar mitfahren. Beim Verlassen des Busses fragte ich dann eher beiläufig wann man denn nach Spielschluss zurückfahren kann. Seine Antwort: „Das war der letzte Bus für heute!“ Mit Grausen dachte ich an die rund 5-6 Kilometer lange Fahrt und an den noch vor mir liegenden Fußmarsch nach Spielende. Egal, jetzt erstmal großen Sport gucken gehen.

 

 

Spiel:

Viel Krampf, wenig Klasse – halt typischer Abstiegskampf. In Halbzeit eins fiel das 0:1, wovon ich an dieser Stelle leider nicht berichten kann, weil die Bestellung der obligatorischen Bratwurst Vorrang hatte. Die zweite Halbzeit war geprägt von vielen Fouls und einigen Unsportlichkeiten. Das 1:1 kurz vor Ende durch einen schönen Kopfball war letztlich verdient. Im weiteren Verlauf gab es dann noch einen Platzverweis und eine herrliche Rudelbildung.

Fazit: Spiel war schlecht, aber unterhaltsam.

 

 

Stimmung:

Gab es auch! Die ca. 20-30 Gästefans auf der Gegengerade fielen vor allem durch lautstarke Beleidigungen auf. Ein ganz neuer Ausdruck ziert seit diesem Spiel auch meinen Wortschatz: „Pissschweine“. Die Heimfans auf der Gegengerade – vornehmlich einheimische Bevölkerung jenseits der 50 konnten der jungen Garde aus Hettstedt trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit nicht Paroli bieten.

   
Stadion:

Das Hegerstadion ist eigentlich ein Sportplatz inklusive eines überdimensionierten Vereinsheims. Auf der Gegengerade gibt es ein paar Stufen. Vor dem Vereinsheim stehen in ca. zehn Reihen Holzbänke. Der Neubau des Vereinsheims lässt sich dadurch erklären, dass das alte Holzgebäude (Augenzeugen berichteten mir, dass dies noch größer gewesen sein soll) Mitte der 90er Jahre den Flammen zum Opfer fiel.

 

Während des Spiels erklärte mir erstmal ein netter Einheimischer den Rückweg. Allein die Erklärung dauerte ca. fünf Minuten. Dazu gab er noch den Ratschlag lieber eher zu gehen, weil man rund eine Dreiviertelstunde unterwegs sei. Meine brillante Alternative mit dem Taxi zurück zum Bahnhof zu fahren, scheiterte an dem Fehlen einer Telefonnummer. Ein anderer Rentner erbarmte sich dann und nahm mich auf den Weg durch die grüne Lunge von Calbe. Irgendwann erreichten wir dann auch die Straße die zum Bahnhof führte. Weiter vorbei an einer Trinkhalle, die die letzten in dieser Stadt verbliebenen Jugendlichen zu einer Art „Jugendtreff“ umfunktionierten. Die fehlende Kopfbeharrung wurde modisch mit schicken „Londsdale“ Klamotten, zu kurzen Hosen und Blankpolierten Springerstiefel kompensiert. Endlich tauchte am Horizont ein gelbes Gefährt auf und kurz darauf war ich wieder am Bahnhof „Calbe (Saale) Ost“ (Ein „Calbe (Saale) West“ gibt es auch noch!). Das letzte Klischee ostdeutscher Provinz wurde dann auch wieder bestätigt: Kein Mensch weit und breit und der Fahrkartenautomat war dann auch noch kaputt. Das in einer Stadt mit 12.000 Einwohnern und keine 30 Kilometer von Magdeburg entfernt. In Magdeburg angekommen wurde das gesparte Fahrgeld gleich wieder investiert und auch bei dieser Aktion konnte man wieder fürs Leben lernen: Der Hamburger Royal heißt jetzt Kick Mäck oder so ähnlich. Für den Rückweg verzichtet ich wie beim Hinweg auf einen Fahrkartenkauf in der Hoffnung einen netten Menschen mit Wochenendticket anzutreffen. Auf dem Bahnsteig angekommen traf ich aber nur einen einsamen Mensch an. Aber dafür ein bekanntes Gesicht: BFC-Marko. Letzte Woche noch wie in Plauen kam er heute von dem Oberliga-Hessen-Kracher Kassel gegen Borussia Fulda zurück. So war die Rückfahrt schön kurzweilig und man überbrückte die Zeit mit Erlebnisberichten aus Schweden (meinerseits) und Polen.

 

 
 

 

 
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