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                   2. Bundesliga, Saison 04/05, 10.09.04                                  

 

   1:2  

 

SV Wacker Burghausen - 1. FC Saarbrücken

 

Burghausen, Wacker-Sportpark (4.800 Zuschauer)

 

 

Mann, ist das weit….

 

„Ziele setzen, Ziele erreichen!“ Dieses Motto, entlehnt aus jedem zweitklassigen Baumarktverkäufermotivationsprogramm, ist auch meine Devise für die Saison 04/05. Ziel setzen: Endlich die Stadien der ersten und zweiten Bundesliga sowie der Regionalliga Nord besucht zu haben. Ziel erreichen: ???

Eigentlich war ein Stadionbesuch in Burghausen erst in der Rückrunde geplant, aber da einer der Portugal-Mitfahrer („Hömma, Samma, Mama“) das große Los in Form einer wunderbaren jungen Dame gezogen hat und diese gleich vor den Traualtar in der Nähe von Salzburg zerrte, kam der Termin gar nicht mal ungelegen. Im Vorfeld musste er sich schon die Frage gefallen lassen, warum man ausgerechnet mitten in der Saison den Zeitpunkt für eine Vermählung wählt, ist doch in der Sommer- und Winterpause genügend Zeit verfügbar. Naja, der Normalsterbliche heiratet schätzungsweise eh nur acht- bis fünfmal in seinem Leben und da kann man schon mal ein Gastspiel der Königsblauen in der Stimmungshochburg Wolfsburg opfern.

So machte ich mich am Freitagmittag auf den Weg via A115, A10, A9, A72, A93, A3, A92, A94 und B20 (schon beeindruckend) nach Burghausen. Burghausen rühmt sich als „größte Stadt im Bezirk Altöttingen“ (ca. 19.000 Einwohner) und protzt mit dem Slogan „bayerisches Meran“. Nach 670 gefahrenen und ca. 9.812 gefühlten Kilometern sah ich alsbald die Schornsteine Chemische Wacker-Werke am Horizont. Das KFZ konnte problem- und gebührenlos auf dem Firmenparkplatz abgestellt werden. Nach kleinen Missverständnissen an der Kasse 5 (ich musste schließlich zu der mit dem klangvollen Namen 8) konnte so die Wettstätte extrem pünktlich betreten werden.

 

 

Spiel:

Ein ganz komisches, aber sehr unterhaltsames Spiel sahen die Zuschauer an diesem Abend im Wacker-Sportpark. Die erste Halbzeit war von großer Langeweile und einer recht harmlosen, aber spielbestimmenden Wacker-Elf dominiert. Die letzten zwei Minuten vor der Halbzeitpause hatten es dann aber in sich. Erst gab es einen berechtigten Elfmeter, den Schmidt sicher verwandelte und kurz danach flog ein Gästespieler vom Platz. Da dieser dies wohl anders sah, zeigte sich in seiner Reaktion. Wie ein wilder Stier versuchte er in Kung-Fu-Marnier ein paar Wacker-Offiziellen zu zeigen, wofür man eigentlich eine Rote Karte bekommt. Schön dann aber die beruhigenden Worte des (schlechten) Stadionsprechers: „Ey Leute, der Mann rastet aus!“ und dann via Mikro zum Schiedsrichter: „Herr Schiedsrichter, der Spieler xy hat mich tätlich angegriffen“! So eine Petze…..

Zurück zum Spiel und rein in Halbzeit zwei: Sichtlich angetan von der schlechten Leistung des Stadionsprechers zeigten sich die Gastgeber solidarisch und ließen sich von den dezimierten Saarländern noch zwei Dinger einschenken.

Tore: 1:0 R. Schmidt (43.), 1:1 Bencik (53.), 1:2 Caruso (67.)

 

 

Stimmung:

Hier wurden die (zugegeben geringen) Erwartungen übertroffen. Der ganze Heimblock zeigte sich durchaus sangesfreudig, wenngleich das Liedgut recht eintönig war. Schätzungsweise 100 Gästefans waren auch supportwillig, hier allerdings nicht sonderlich laut, dafür aber ein wenig kreativer.

   
Vereine:

Der SV Wacker Burghausen ist fast 73 Jahre alt und jetzt im dritten Jahr Mitglied der zweiten Bundesliga. Ermöglicht wurde dies durch das starke Engagement des Chemiewerkes Wacker, das seit Jahren den Verein finanziell unterstützt. Vor zehn Jahren noch spielte Wacker in der Landesliga Bayern Süd.

Der 1. FC Saarbrücken im Jahre 1903 aus dem Turnverein 1876 Malstatt heraus gegründet (TV Malstadt, später FV Malstadt-Burbach). Am 1. April 1909 folgte die Umbenennung in FV Saarbrücken. Die einzige deutsche Endrundenteilnahme brachte den FV Saarbrücken bis ins Finale 1943, wo sie allerdings dem Dresdner SC mit 0:3 unterlagen. 1945 aufgelöst und direkte Neugründung als 1. FC Saarbrücken. Nach dem Krieg spielte der 1. FC Saarbrücken in der Oberliga und qualifizierte sich 1963 für die erste Bundesliga, stieg aber gleich ab. Es folgten Auf- (1976, 1985, 1992) und Abstiege (1978, 1986, 1993).

   
Stadion:

Der Wacker-Sportpark hieß vor zwei Jahren noch „Stadion an der Liebigstraße“ und fasst aktuell rund 8.400 Zuschauer. Manche mögen das für zu klein halten. Wenn man allerdings dies auf die Einwohnerzahl von Burghausen (ca. 19.000 Einwohner) bezieht dann hat in Wirklichkeit München eine viel zu kleine Arena, die analog bei der oben angestellten Rechnung immerhin über mindestens eine halben Millionen Plätze verfügen müsste.

Mit Ausnahme vom Gästeblock ist die Heimstätte des SV Wacker eine sehr ansehnliche Anlage. Die Haupttribüne wirkt sehr wuchtig und erstreckt sich über die gesamte Längsseite. Die untersten Sitzreihen sind nicht ebenerdig, sondern fangen erst in gut drei Meter Höhe an, so dass der Zuschauer von allen Plätzen aus eine sehr gute Sicht hat. Auf der Gegengerade befindet sich eine einfache Stehplatztribüne „(Schwimmbadseite“) mit ca. fünf Stufen. Diese ist allerdings überdacht. Ganz interessant ist die Hintertorseite für die Heimfans (Block W). Hier wurde eine einfache Stahlrohrtribüne auf die Laufbahn direkt hinter das Tor gesetzt und überdacht. Optisch eine ganz gediegene Konstruktion. Einziger Makel des Stadions ist sicherlich der Gästebereich. Hier wurden zwei Stahlrohrtribünen einfach an die, und nicht darauf, Laufbahn gestellt. Beide stehen relativ weit auseinander, was der Stimmung sicherlich abträglich ist. Zudem ist die Sicht für den Anhang der Gäste nicht optimal.

 

 

 

Tageskilometer:     670 km Berlin - Burghausen (PKW)

Saisonkilometer: 7.978 km (5.713 km PKW, 1.681 km Bahn, 620 km Flugzeug)

 

 

 
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