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                  Regionalliga Nord, Saison 04/05, 12.03.05                 

 

    2:0 

 

Fortuna Düsseldorf - Wuppertaler SV Borussia

 

Düsseldorf, LTU-Arena (15.250 Zuschauer)

 

 

Einen ordentlichen Fußballreisebericht erkennt man untrügerisch an zwei Merkmalen: zum einen, dass im ersten Absatz die Plattitüde „also ging es…“ nicht fehlen darf und zum anderen, dass die Mitfahrer (wenn es denn welche gibt) meist klangvolle Namen haben. Nun folgt das Unvermeidliche: Also ging es erstmal zum Bahnhof Zoo, um die Mitfahrer Rolex, DKR 78 und bwp einzusammeln und dann ab in den goldenen Westen.

Nachdem jetzt die üblichen Phrasen nicht schon im ersten Satz gefallen sind, muss schon auf der Hinfahrt was total Sensationelles passieren, damit der potentielle Leser nicht an dieser Stelle schon die Lust am Lesen verliert. Idealerweise bieten sich dafür besoffene Mitfahrer an, die man völlig zugedröhnt an irgendwelchen Raststätten im Weserbergland vergessen hat. Aber auch ein überfahrenes Rudel Kühe (Blut kommt ja eigentlich immer gut an) oder ein von der Staatsmacht hops genommener Kleintransporter voller ukrainischer Prost…ääähh Touristinnen lassen sich ganz hervorragend textlich einbauen. Dumm nur, wenn wie heute, nichts dergleichen passierte. Alternativ zu der besoffenen Kuh aus der Ukraine muss man sich in seiner schriftstellerischen Not seiner Mitfahrer bedienen und diese ordentlich in die Pfanne hauen.

Schon fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Tour meinerseits mal wieder ganz exzellent organisiert wurde. Die Karten für die LTU-Arena wurden persönlich bei Fortuna erstanden, die Tickets für Eindhoven beim PSV-Kartenvorverkauf online geordert und auch die Wegstrecken waren ganz hervorragend abgesteckt. Es fehlten nur noch eine billige Unterkunft und zwei Karten (zwei weitere steuerte ich aus meinem Fundus bei) für den Bundesliga-Kracher am Sonntagabend. Also schnell die Aufgaben auf die sechs Schulterblätter der drei Mitfahrer verteilt. Ergebnis: die Mail mit folgendem Textinhalt „ich find kein Hotel in Eindhoven oder Drumherum – rufe mal schnellstens zurück!“ Habe ich nicht, sondern habe dem Emailschreiber den Tipp mit Formula One oder Etap in die Tastatur gehauen. Nun gut, ich will jetzt auch nicht abschweifen, Ergebnis war zumindest, dass wir nun anstatt einem zwei günstige Zimmer in Waalwijk und dafür nur zwei anstelle von vier Karten für das Bundesligaspiel haben. Jetzt steht der Schreiber dieser Zeilen natürlich völlig beabsichtigt ziemlich gut da, während man hinter den drei Mitfahrern die größten Trottel vermutet. Aber mal ehrlich: Kann ich was dafür, dass nix Sensationelles passiert ist?

Angekommen in Düsseldorf verblieb noch massig Zeit bis zum Anstoß, die wir nutzten, um die schicke LTU-Arena zu begutachten. Die Bauweise ist von solide bis edel einzustufen, wären da nicht die vielen bunten Sitze.

Pünktlich zum Anpfiff gesellten sich noch der Kölner und der Wupperhopper zu uns, womit das Spiel auch wesentlich leichter zu ertragen war.

 

 
Spiel:

Nach noch nicht einmal zwei Minuten köpfte Gustav Policella zur Fortuna-Führung ein. Das Tor tat der Partie gar nicht gut, denn danach war bis zur Pause Langeweile angesagt. Nach dem Wechsel entwickelte sich so was wie ein offener Schlagabtausch und machte die Partie richtig ansehnlich. Doch das 2:0 durch Marcel Podszus in der 65. Min. beendete alle Wuppertaler Hoffnungen auf einen Punktgewinn. Danach brach wieder die große Langeweile aus.

Tore: 1:0 (2. Min.) Policella, 2:0 (65. Min.) Podszus

   

 

 

Stimmung:

Wenn „nur“ 15.000 Fans in einer 52.000 Zuschauer fassenden Arena bei einem Regionalligaspiel zugegen sind, kann man sich ja fast ausrechnen, dass hier kein südamerikanisches Flair herrschte. Außer ein paar Gesangseinlagen und jeweils einer kleinen Rauchentwicklung gab es nicht viel von den Rängen zu hören oder zu sehen. Einzig das Abbrennen der Düsseldorfer „Knittkuhl“-Fahne im Wuppertaler Block zu Beginn der zweiten Halbzeit ist noch erwähnenswert.

   
Verein:

Die eigentliche Gründung der Fortuna datiert vom 15. November 1919. Der Zusatz im Namen 1895 kommt daher, dass sich 1919 der „Turnverein Flingern 1895“ mit dem „Düsseldorfer Fußballklub Fortuna 1911“ zusammenschloss. Im Jahre 1933 stand die Fortuna zum ersten Mal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft (11. Juni 1933) und gewann dieses mit 3:0 gegen den FC Schalke 04. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte der Verein meist in der Oberliga West. Bei der Gründung der Bundesliga wurde Fortuna Düsseldorf nicht berücksichtigt und stieg erst 1966 auf (und direkt danach wieder ab.) In den Jahren 1973 und 1974 schaffte man sogar den Sprung in die UEFA-Cup-Plätze und am 16. Mai 1979 standen sich in Bern im Europapokalfinale der FC Barcelona und Fortuna Düsseldorf gegenüber (4:3 n. V.). Ein Jahr später gewinnt die Fortuna zum ersten Mal den DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin (1:0 n. V in Hannover). Gleiches Kunststück gelang ein Jahr später (2:1 gegen den 1. FC Köln in Gelsenkirchen). Im Jahre 1987 musste die Fortuna wieder den Gang in die zweite Liga antreten und damit begann wohl eine kaum vergleichbare Berg- und Talfahrt: 1989 Aufstieg 1. Bundesliga; 1992 Abstieg in die 2. Bundesliga; 1993 Abstieg in die Oberliga Nordrhein, 1994 Aufstieg in die 2. Bundesliga, 1995 Aufstieg in die 1. Bundesliga, 1997 Abstieg in die 2. Bundesliga, 1999 Abstieg in die Regionalliga, 2002 Abstieg in die Oberliga Nordrhein, 2004 Aufstieg in die Regionalliga.

Der Wuppertaler SV (zunächst als SSV 04 Wuppertal) entstand im Jahre 1954 aus der Fusion der TSG 80 Vohwinkel und dem Bergischer-Winter SV Elberfeld. Nach durchwachsenen Jahren in den 60er Jahren (zwischen Oberliga und 2.Liga) stieg der WSV 1972 in die Bundesliga auf, wurde prompt Vierter und qualifizierte sich für den UEFA-Cup (Erstrundenniederlage gegen Ruch Chorzow). In der Saison 74/75 kämpfte der WSV gegen den Abstieg und konnte diesen erst am letzten Spieltag mit einem 2:2 beim VfB Stuttgart verhindern. Nur eine Spielzeit später war dann der Gang in die Zweitklassigkeit nicht mehr zu verhindern und die Wuppertaler beendeten die Saison abgeschlagen (nur zwei Siege waren zu verzeichnen, einer davon gegen Bayern München) auf dem letzten Tabellenplatz. Es folgten fünf Spielzeiten in der 2. Bundesliga, ehe der Absturz in die Oberliga Nordrhein folgte, der man dann auch zehn Jahre treu blieb. Am Ende der Spielzeit 92/93 verließ der WSV die Oberliga Richtung 2. Bundesliga. Aber nach zwei Spielzeiten war dieses Abenteuer auch wieder beendet und die Wuppertaler stiegen in die neuerschaffene Regionalliga ab. Dort spielte der Verein meist vorne mit, aber als in der Saison 98/99 aus vier Regionalligen zwei gemacht wurden, scheiterte der WSV denkbar knapp und fand sich anschließend wieder in der mittlerweile viertklassigen Oberliga wieder. Zumindest waren die Wuppertaler in dieser Staffel spitze, stiegen aber trotzdem nicht auf. Dies gelang erst im Sommer 2003.

   
Stadion:

Mit dem Abriss des alten Rheinstadions beginnt die Geschichte der Multifunktionsarena Düsseldorf, die später den klangvollen Namen LTU-Arena erhielt. Obwohl Düsseldorf mit dieser Sportstätte, die eher eine moderne Sporthalle denn ein Stadion ist, nicht als Austragungsort für die Spiele der Weltmeisterschaft 2006 berücksichtigt wurde, investierte man die stolze Summe von 218 Mio. Euro. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit fand am 10. September 2004 die halboffizielle Eröffnung in dieser Arena, die aus 7.500 Fertigteilen zusammengehämmert wurde, statt. Für die Premiere traten die Regionalligisten Fortuna Düsseldorf und 1. FC Union Berlin gegeneinander an. Obwohl die neue Halle offiziell 52.000 Zuschauer fasst, war das Spiel schon bei 38.123 Fans ausverkauft (Grund: Noch nicht alle Sitze waren montiert). Das imposante Dach lässt sich komplett schließen und daneben kann die Halle auch komplett beheizt werden. Auf Stehplätze wurde ganz verzichtet und die bunten Schalensitze verteilen sich auf zwei Ränge. Zwischen Ober- und Unterrang gibt es 22 Logen für 280 Gäste und dazu noch mal ca. 1.300 Business-Seats. Die LTU-Arena ist an das U-Bahnnetz der Stadt angeschlossen und für Autofahrer stehen 22.000 Parkplätze zur Verfügung.
Link: www.die-arena-kommt.de

 

 

 

weiter....

 

Tageskilometer:       558 km Berlin - Düsseldorf mit dem KFZ

Saisonkilometer: 25.598 km (14.379 km PKW, 3.657 km Bahn, 7.562 km Flugzeug)

 
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