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                   Testspiel, Saison 04/05, 17.07.04               

 

   1:5  

 

VfB Germania Halberstadt Hannover 96

 

Halberstadt, Friedensstadion (1.507 Zuschauer)

 

 

 

.....Fortsetzung der Tourgeschichte (Teil 1 VfL Eintracht Bitterfeld - FC Carl-Zeiss Jena)

Drei Minuten vor Anstoß betraten wir das Friedensstadion in Halberstadt. Mittlerweile verzog sich die Sonne hinter dunkle Wolken und so nahmen wir einen strategischen klugen Platz ein: Hoch auf dem Wall zwischen Bierbude und einem Baum, der uns bei Regen Trockenheit spenden sollte. Eine noch schönere Eintrittskarte und ein Programmheft trösteten einigermaßen über den etwas happigen Eintrittspreis von acht Euro hinweg.

 

Spiel:

Tore: 0:1 Christiansen (16.), 1:1 Penev (21.), 1:2Schröter (30.), 1:3 But (41.), 1:4 Barnetta (52.), 1:5 But (55.)

Ein Testspiel der besseren Sorte.

 

 

Stimmung:

...gab es beiderseits auch ein bißchen.

 

 

Vereine:

Der FC Germania Halberstadt ist laut unbestätigten Quellen zu Folge bereits im Jahre 1900 gegründet worden und spielte in der den 30er Jahre kurzzeitig in der Gauliga mit. Eine Neugründung nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte erst 1952 unter dem Namen BSG Lokomotive Halberstadt, was auf die Deutsche Reichsbahn als Trägerbetrieb schließen lässt. In den 70er Jahren Unbenennungen erst in BSG Lokomotive-Vorwärts Halberstadt (1970) und 1976 zurück in BSG Lokomotive Halberstadt. Ab 1989 hieß der Verein für zwei Jahre SG Lokomotive Germania Halberstadt und danach VfB Germania Halberstadt.

Wie aus dem Vereinsnamen unschwer zu erkennen ist, wurde der Verein 1896 unter dem Namen Hannoverscher FC 1896 gegründet. Im Jahre 1913 fusionierte dieser mit BV Hannover 1898 zum Hannoverschen SV 1896. Bis 1945 drei Endrundenteilnahmen in den Jahren 1935, 1938 und 1941. Die zweite Endrundenteilnahme bedeutete auch gleich die erste Meisterschaft als in zwei Endspielen (das erste endete 3:3 n. V.) der FC Schalke 04 4:3 n. V am 3.7.1938 in Berlin bezwungen wurde. Nach dem Krieg war Hannover 96 fast ausnahmslos in der Oberliga Nord (die Oberliga als höchste deutsche Spielklasse) vertreten und qualifizierte sich zweimal für die Endrundenspiele zur Deutschen Meisterschaft. Der zweite Meistertitel wurde am 23.5.1954, wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in der Schweiz, errungen. Gegner war der mit Nationalspieler gespickte 1. FC Kaiserslautern. Das Spiel endete 5:1 vor 76.000 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion. Überraschenderweise war Hannover 96 (Eintracht Braunschweig erhielt den Vorzug) nicht Gründungsmitglied der Bundesliga und stieg erst 1964 in die höchste deutsche Spielklasse auf. 1973 erfolgte allerdings der Abstieg. Danach noch einige Jahre immer mal wieder in der Bundesliga vertreten. Neben den beiden Meistertiteln ziert die Vitrine von Hannover 96 noch der DFB-Pokal, der 1992 in die Leinestadt (gegen Borussia Mönchengladbach im Elfmeterschießen) geholt wurde.

   
Stadion:

Das Friedensstadion in Halberstadt ist ein netter und gemütlicher Oberligaplatz. Der ganze Platz ist nicht nur von einer Laufbahn umgeben sondern auch von einem recht hohen Grasswall. Auf der Hauptseite laden ca. 15 Stufen mit Plastiksitzen zum Verweilen ein. Auf diesen Luxus müssen die Zuschauer auf der Gegengerade verzichten, doch gibt es hier ein einige Betonstufen. Viele Zuschauer lagen im Grass auf den Hügel und genossen das Treiben auf dem Rasen. Erwähnenswert ist noch ein altes Backsteintürmchen hinter dem Tor. Dieses galt in der Vergangenheit wohl als Sprecherturm.

 

 

 

 

In der zweiten Halbzeit setzte dann der Regen ein und unter bereits erwähnten Baum wurde es richtig kuschelig, denn nicht nur wir vier, sondern noch ca. 20 Fans aus der Leinestadt versammelten sich unter dem Geäst. Zumindest wurde man gut mit Informationen über die Auslosung der ersten Runde im DFB-Pokal versorgt.

Nach dem Spiel war es dann noch mal ein bisschen stressig, was aber eher an unserer Orientierungslosigkeit lag: Zug Nr.1 bestiegen – falsche Richtung! Alle wieder raus und rein in Zug Nr. 2 – auch wieder falsch! Zug Nr. 3 konnte nur mit einem Sprint über die Gleisanlagen erreicht werden. Aber der war dann wenigstens der Richtige Richtung Magdeburg.

Kommen wir zur Geschichte mit dem Assi-Ticket: Unser Zug nach Magdeburg kam aus Goslar und führte vier Gestalten mit. Diese haben sich wohl am Vorabend im Suff dazu entschieden, für eine Nacht mit dem Wochenendticket (jetzt nur noch Assi-Ticket genannt) nach Polen zu fahren und dort die hiesigen Diskotheken mit Ihrem Antlitz zu beglücken. Um hier nicht in die Fäkaliensprache zu verfallen, erspare ich dem Leser die Personenbeschreibungen. Danach wollten die Vier noch mal ordentlich auf dem Polenmarkt einkaufen gehen. Einziger Haken an der Sache: Keiner dieser furchtlosen Vier hatte auch nur einen Taler in der Tasche (mal abgesehen von den zwei Euro, die sie einnahmen als sie uns zwei Flaschen Bier verkauften). Aber dafür hatten die Jungs zwei Aldi-Tüten Gerstensaft dabei. Die Kandidaten hatten so ca. 3,8 auf dem Kessel und jeder kann sich nun vorstellen, wie die Kommunikation untereinander lief. Ziemlich froh waren wir, als wir uns von der Reisegruppe in Magdeburg verabschieden konnten. Dumm nur, dass der von uns gewählte Zug nach Berlin weiter nach Frankfurt/Oder fuhr, was ja bekanntlich direkt an der polnischen Grenze lag. Ob es da aktuell noch liegt, wird die nächsten Tagen zeigen. Nun gut, also ab in den Regionalexpress nach Berlin und im einzigen Raucherabteil saßen schon drei dieser Gestalten. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass bei den Herren die Moderne Zahnmedizin spurlos (welch Wort in diesem Zusammenhang) vorüber gegangen ist. Der Vierte im Bunde ist irgendwie verloren gegangen, tauchte aber später noch auf. Aber dazu später mehr.

Wer jetzt richtig mitgezählt hat kommt auf sechs Personen: Wir Drei und die Drei! Um den Kuchen rund zu machen, gesellten sich dann noch ein Pärchen und zwei Kiffer hinzu. Für den weiteren Verlauf der Geschichte spielen die hier aufgeführten Protagonisten eine entscheidende Rolle.

Jetzt ist das ja nun mal so, dass Besoffene sich nicht leise unterhalten können und auch mit dem Stillsitzen ihre agen Probleme haben. Und so krakelten sie laut durch den Zug und stiefelten von einem Mitreisenden zum nächsten. Wohlgemerkt alles friedlich! Das Pärchen sichtlich genervt, mahnte immer wieder zur Ordnung. Bis es der Trulla zu bunt wurde und diese die Zugchefin einschaltete. Was folgte waren wilde Pöbeleien über Drogenmissbrauch, Alkoholikern, der Situation am Arbeitsmarkt und viele lustige Dinge. Die beiden Kiffer zogen derweil völlig unberührt von den Ereignissen weiter an Ihren Tüten und wirkten auch irgendwie glücklich (ne?). Erst als wir einschritten und der guten Dame erklärten, dass es hier eigentlich gar kein Problem gibt, sondern das Pärchen der einzige Stressfaktor war, schien sich die Lage einigermaßen zu beruhigen. Was folgte waren natürlich fortwährende Provokationen. Irgendwann tauchte dann die vierte Gestalt wieder auf und hielt mitten im Abteil einen Monolog über seine Liebe zu den Amateuren des VfL Wolfsburg. Fußball – genau der richtige Mann für uns. Sofort diesen zu uns zitiert, denn wann lernt man schon mal einen richtigen Ama-Supporter der Wölfe kennen. Nebenbei erwähnte er dann noch, dass sein 14-jähriger Sohn Fan des MSV Duisburg war. Mein Hinweis, dass sich dort eigentlich nur Schwerverbrecher im Fanblock versammeln, ließen ihn doch ernsthaft an seinen Erziehungsmethoden zweifeln. Aber damit nicht genug, griff er nun ganz tief in die Familienkiste. Sein Bruder sei eine ganz arme Sau, denn er hatte bis jetzt nur ausländische Freundinnen. Aber auch er verriet uns sein größtes Geheimnis: Er stehe auf Frauen (die zwar nicht auf Ihn) obwohl sein bester Freund eine Pupe ist. Mein Gott, wir schlugen die Hände vors Gesicht uns outeten  uns erstmal als „IG Rosa Boys auf Tour!“. Auf die Frage ob er nun ein Hetero sei, verneinte er diese vehement. Und das mehrfach – eigentlich immer wenn ein neuer Zuhörer hinzukam. Mittlerweile sammelten sich aber auch andere Zugreisende um sich an dieser großen Show zu erlaben.

Leider leuchteten am Horizont schon die Lichter der Hauptstadt auf und unsere Fahrt und überaus gelungene Tour ging zu Ende. Was aus den Jungs aus Goslar geworden ist - wir werden es wohl nie erfahren.

 

Tageskilometer:    295 km (120 km PKW, 175 km Zug) Bitterfeld - Halberstadt - Berlin

Saisonkilometer: 1.153 km(468 km PKW, 685 km Zug)

 
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