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                   Regionalliga Nord, Saison 04/05, 01.08.04                                  

 

   1:1  

 

Hertha BSC (A) - 1. FC Union Berlin

 

Berlin, Olympiastadion (ca. 15.000 Zuschauer)

 

 

Als vor mehr als drei Jahren der 1. FC Union Berlin im DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion stand, war die Spielstätte eine Baustelle. Heute wird das "neue" Stadion zumindest offiziell mit einem Fußballspiel eröffnet und der Pokalfinalist aus dem Jahr 1993 empfängt den Pokalfinalisten aus dem Jahr 2000. Wie schnelllebig das Fußballgeschäft heutzutage ist, erkennt man beim Vergleich der Mannschaftsaufstellungen des 1. FC Union Berlin 2000 und dem 1. FC Union Berlin 2004. Lediglich Tom Persich ist noch auf beiden zu finden.

Als Mitgeher waren heute (natürlich) Borussentom und Mazzl aus Lüdenscheid (ja, in dem Fall wirklich Lüdenscheid), seines Zeichen Anhänger eines lokalen Klubs, der nicht weitere Erwähnung auf diesen Seiten finden soll, am Start. Nach einer kleinen Stärkung in einem bezaubernden Café in Charlottenburg war man in Windeseile am Olympiastadion. Am Eingang für die Gästefans herrschte Chaos pur und die Wartezeit beim Einlass für die Karteninhaber betrug 20 Minuten. Gott sei Dank, entdeckten wir an einem Nebeneingang - aber offizieller Eingang - einen einsamen Ordner, der gerne auch mal in Rücksäcke gucken wollte. Da man ja immer für eine gute Tat zu haben ist, machten wir diesen dann auch ganz schnell glücklich und betraten nun den neuen Fußballolymp. Da dieser seinen Preis hatte, bemerkten wir spätestens beim Kauf des Programmhefts. Stolze 4 Euro für das Programmheft plus dem Saisonmagazin "Wir Herthaner". Aber nicht nur die Zwangsabgabe für sinnlose Druckschriften nervten. Erwähnenswert sind noch die 1,20 Euro Becherpfand und die defekten Toiletten. Aber genug gemeckert. Das Stadion ist mehr als beeindruckend: Schöne klare Struktur und eine Symbiose aus Alt und Neu.

 

 

Spiel:

So wie die "kleine" Hertha das Heimspiel verschenkte, so verschenkte der "Gast" aus Köpenick drei Punkte. Union war über weite Strecken die spielbestimmende und gefährlichere Mannschaft und nach einigen guten Möglichkeiten in der Anfangsphase war es Hauswald der kurz vor der Pause die Führung für die Unioner erzielte. Nach dem Seitenwechsel hatte Hertha den besseren Start, aber nach gut einer Stunde nahmen die "Gäste" das Heft wieder in die Hand und hätte durch die eine oder andere gute Konterchance frühzeitig den Sieg perfekt machen müssen. Mit der absolut letzten Aktion des Spiels konnte Chahed in der Nachspielzeit aus gut 25 Meter den sehenswerten Ausgleich erzielen. Vorangegangen waren allerdings desolate Abwehrschwächen bei den Unioner.

0:1 Hauswald (41.), 1:1 Chahed (90.+1.) 

 

 

Stimmung:

Durch das neue Dach entsteht endlich mal so was wie Lautstärke. Die Fans aus dem Oststeil der Hauptstadt feierten und supporteten sehr beeindruckend. Lange laute Schlachtrufe hallten durch das weite Rund. Auch das Absingen von Nina Hagen Hymne kam sehr gut rüber.

Die Fans der Hertha waren deutlich in Unterzahl und konnten oder wollten da nicht gegenhalten.

   
Stadion:

Die Geschichte des Olympiastadions Berlin beginnt schon vor der offiziellen Eröffnung 1936 mit dem 1913 an gleicher Stelle erbauten "Deutschem Stadion". Dieses wurde ursprünglich für die nie stattfindenden Olympischen Spiele im Jahre 1916 erbaut. 1931 erhielt Berlin den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1936. Geplant von Werner Marsch und überarbeitet von Albrecht Speer und Adolf Hitler entstand dieses Monumentalbauwerk. Beim Bau wurden wuchtige Natursteinblöcke verwendet und diese Bauweise war typisch für die Nazis. Das Stadion ist oval und unterteilt in einen Ober- (auf 136 Pfeilern) und einen Unterring. Das Oval ist nicht ganz geschlossen, in Richtung Westen ist das Marathontor, dort wo einst die olympische Flamme leuchtete. Im Jahre 1937 fand im Olympiastadion auch zum ersten Mal ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft statt, dass der FC Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:0 vor 101.000 Zuschauer (Stadionrekord - wahrscheinlich für die Ewigkeit) gewann. Im zweiten Weltkrieg teilweise als Munitionslager missbraucht, ist das Stadion auch bombardiert worden. Danach mehrere Jahre lang renoviert und nur sporadisch für Fußballspiele genutzt, zog im Jahre 1963 die Hertha ein (24.08.63 gegen den 1. FC Nürnberg). Zum Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln (1:0) kamen am 24. September 1969 88.075 Zuschauer, was bis heute als Bundesliga-Rekord gilt. Zwei Jahre zuvor wurden die vier Flutlichtmasten errichtet und zwar außerhalb des Stadions, weil dieses zu dieser Zeit schon unter Denkmalschutz stand. Die nächste größere Renovierung fand dann im Zuge der Weltmeisterschaft 1974 statt, als gut ein Drittel der Plätze überdacht wurden. In den 80er Jahren zog dann die Hertha ins Poststadion um, weil der Verein nur noch drittklassig war. Neben der Hertha spielten auch die Tasmania, Tennis Borussia und Blau-Weiß während ihrer Zeit im bezahlten Fußball in dem großen Rund.

Im August 2000 begannen die aufwendigen Sanierungsarbeiten die pünktlich im Juli 2004 abgeschlossen wurden. Lange hat es so ausgesehen, dass eine pünktliche Fertigstellung nicht möglich war, denn im Jahre 2001 mussten die Arbeiten für mehrere Monate unterbrochen, weil giftige Stoffe entdeckt wurden die erst aufwendig beseitigt werden mussten. Auch die veranschlagten 243 Mio. Euro wurden fast eingehalten und am Ende betrugen die Baukosten 250 Mio. Euro.

Von außen betrachtet fallen die Veränderungen kaum auf. „Lediglich“ das Dach aus Stahlträgern und weißen Membranen sind neu. Betrachtet man sich das Stadion von innen ändert sich der Eindruck sofort: Die Laufbahn ist blau eingefärbt und alle Sitzschalen sind grau. Komplett neu ist der Unterbau. Hier gibt ein Parkhaus, eine extra Einfahrt für die ganz wichtigen Besucher inklusiven exklusiven Lichthof und ein viergeschossiges Treppenhaus.

Völlig neu sind auch die hundert Logen, die alle mit dunklem Holz vertäfelt sind. In jeder Loge finden ca. 20 Leute Platz und jede ist mit Flachbildschirmen ausgestattet, die den Besuchern die Option offen halten, dass Spielgeschehen auch via TV zu verfolgen.

Eine besondere Schwierigkeit bei der Sanierung des Olympiastadion stellten die Auflagen des Denkmalschutzes dar. So mussten beispielsweise ca. 40.000 Platten und Blöcke aus Kalkstein aus der Fassadenverkleidung entfernt und später wieder an Ihren alten Platz montiert werden. In der Zwischenzeit wurden sie gereinigt und grobe Schäden beseitigt. Alle Steine mussten dafür katalogisiert werden. Die 1966 installierte Flutlichtanlage wurde im Übrigen komplett abgerissen und durch eine hochmoderne Lichtanlage, die sich am inneren Rand des neuen Daches befindet, ersetzt.

Jetzt fasst das Olympiastadion 75.000 Zuschauer.

 

 

 

Tageskilometer:     keine

Saisonkilometer: 1.805 km (1.088 km PKW, 717 km Zug)

 
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