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                  Verbandsliga Berlin, Saison 04/05, 13.04.05                 

 

    4:5 

 

Nordberliner SC - VfB Hermsdorf

 

Berlin, Sportanlage Elchdamm (ca. 200 Zuschauer)

 

 

Wenn man Spielausfällen etwas Positives abgewinnen kann, dann sind das sicherlich die Nachholspiele unter der Woche. Diese finden dann meist unter Flutlicht und bei weitaus angenehmeren Temperaturen statt. So auch in Berlin, wo in dieser Woche zahlreiche unterklassige Partien nachgeholt wurden und davon auch gleich so viele, dass es schwer fiel, die richtige Auswahl zu treffen. Spannung versprach das o. g. Spiel, denn schließlich war es fast so was wie ein Nordberliner Derby. Zusätzlich verhieß die Tabellenkonstellation Dramatik, weil sich beide Mannschaften „unterm Strich“ befinden.

Ein weiteres Argument, sich hoch in den Norden Berlins zu begeben, war, dass man in den Genuss einer Bootsfahrt kam. Die gut 200 Meter per Autofähre über die Havel löste zum Glück keine Seekrankheit aus, aber dafür kamen kurzzeitig mediterrane Anfälle auf.

Die Sportanlage am Elchdamm liegt inmitten einer großen Kleinkartenanlage (Berlinerisch: Laubenpieperkolonien) und war auch gar nicht so einfach zu finden. Nur anhand der zahlreichen Pkws und der desolaten Parkplatzsituation konnte man erahnen, dass hier heute etwas ganz Großes stattfinden würde.

 

 
Spiel &
Stimmung:

Das Ergebnis spricht ja bereits Bände und spiegelt auch die Darbietungen der bis zu 25 Akteure auf dem grünen Kunstrasen wieder. Das erste Tor des Tages erzielten die Hermsdorfer nach gut einer Viertelstunde. Die Nordberliner brauchten danach 20 Minuten, um den Ausgleich zu erzielen. Kurz vor der Halbzeit waren dann wieder die Gäste an der Reihe und konnten so sichtlich froh gelaunt zum Pausentee marschieren. Die ersten 45 Minuten waren schon sehr gut anzuschauen und noch keiner der Zuschauer ahnte wohl, was uns die Protagonisten im zweiten Durchgang bieten würden.

Der zweite Durchgang begann flott mit schnellem und zügigem Spiel auf beiden Seiten. Eine Tätlichkeit von einem Hermsdorfer an seinem gegnerischen Sportskamerad läutete dann die dramatischen Minuten bis zum Abpfiff an. Ein Jeder ahnt nun die Konsequenz: Rote Karte, richtig! Aber damit nicht genug. Der Schiedsrichter, bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr konsequent in der Regelauslegung, entschied auf Elfmeter. Dies auch völlig zu Recht, denn der Ort dieser üblen Aktion (positiv formuliert: taktisches Foul) lag in dem Raum, der umgangssprachlich als 16er bezeichnet wird. Der Nordberliner SC nutze dies zum 2:2 Ausgleich und freute sich auf das Überzahlspiel in der Folgezeit. Aber mit diesem zahlenmäßigen Vorteil konnte oder wollte der Gastgeber nichts anfangen, denn nur fünf Minuten später erzielte der VfB Hermsdorf die erneute Führung. Damit der geschätzte Leser nicht jetzt schon den Überblick verliert, als Service der neue Spielstand: 2:3 nach 59. Minuten. Aber eben diesen Überblick schien der Schiedsrichter zu verlieren, dem nicht nur die ein oder andere zweifelhafte Entscheidung anzulasten ist, sondern auch die farbliche Komposition seiner Kleidung (Blau und Schwarz!), denn der gute Mann wusste nun gar nicht mehr Gut von Böse zu unterscheiden. Wenn der Linienrichter auf Eckball entschied, erklärte er die Entscheidung für Chefsache und bestimmte: Abstoß. An sich nicht ungewöhnlich, aber wenn sich nur wenige Minuten diese Szene wiederholt, allerdings diesmal anders rum (Assistent: Abstoß – Referee: Eckstoß), dann kann man sich an neun Fingern abzählen, dass dies nicht gerade zur Beruhigung der bis dahin eh schon erhitzten Gemüter beitrug. Auf jeden Fall vergingen bis zum erneuten Ausgleich keine zehn Minuten (3:3). Als ein Freistoß zehn Minuten vor dem Ende in den Nordberliner Strafraum geschlagen wurde, gingen ca. 20 Spieler hoch zum Ball und danach zwei zu Boden. Der Schiedsrichter, diesmal Herr über den Strafraum, pfiff und … (- mittlerweile glich sein Pusten in das kleine Blasinstrument einer Rot-Schwarz-Situation beim Roulette, man wusste eben nie was da jetzt kommt -) entschied Elfmeter für den VfB Hermsdorf. Dieser wurde ebenso sicher verwandelt wie der erste und würde es eine Anzeigetafel an der Sportanlage am Elchdamm geben, es würde auf dieser verdammt eng zugehen. Die Gastgeber, immer noch in Überzahl, starteten nun zur Schlussoffensive, dies jedoch mit leidlichem Erfolg, denn der erste Konter der Hermsdorfer saß. An dieser Stelle noch mal als Service: neuer Spielstand: 3:5. Aber noch waren fünf Minuten zu spielen und eben nach diesen fünf Minuten stand es plötzlich 4:5. Der Torwart des Nordberliner SC durfte jetzt noch schnell mal einen Ausflug an den Ort machen, wo er die komplette erste Halbzeit verbrachte. Vergeblich.

Aber nicht nur die Spieler vollbrachten fast Unmenschliches, sondern auch die Zuschauer. Egal ob Rentner, Trainer, Spielerfrau oder Kind – sie alle gingen mit und pöbelten was das Zeug hielt. Hauptadresse war – ist jetzt nicht schwer zu erraten – der unmodische Typ in Blau-Schwarz, der nach Zeugenaussagen sogar schon mal in der Regionalliga pfeifen durfte. Nach dem Schlusspfiff marschierte der Hermsdorfer Trainer mit hochroter Rübe auf diesen Absteiger zu, wollte ihm wohl zu seiner nahezu tadellosen Leistung gratulieren und ganz nebenbei an den Kragen. Schlechter Gewinner, würde ich sagen!

Fazit: Ein herrlicher Fußballabend im Norden von Berlin.

Tore: 0:1 (14. Min.) ?, 1:1 (34. Min.) ?, 1:2 (44. Min.), 2:2 (54. Min.) ? (FE), 2:3 (59. Min.) ?, 3:3 (68. Min.) ?, 3:4 (81. Min.) ? (FE), 3:5 (86.Min.) ?, 4:5 (90. Min.) ?.

   
Stadion:

Der einzige Wehrmutstropfen des Abends war die Sportanlage am Elchdamm, die aus einem Kunstrasenplatz und sonst gar nix besteht. Aber an dieser Stelle mal ein Lob an all die vielen kleinen Amateurvereine, bei denen die Spielerfrauen noch liebevoll Stullen schmieren und diese dann für 50 Cent an das hungrige Fußballvolk veräußern. So manch ein Bundesligist kann sich mal eine Scheibe in Sachen Catering beim Nordberliner SC abschneiden. Geschmack, Auswahl und Preise: AAA+

 

 

 

Im manchen Ergebnisdiensten wird das Ergebnis unerklärlicherweise 3:4 gemeldet. Das ist aber eindeutig falsch!

 

Tageskilometer:

Saisonkilometer: 30.678 km (19.459 km PKW, 3.657 km Bahn, 7.562 km Flugzeug)

 
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