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                  2. Bundesliga, Saison 04/05, 22.05.05                                 

 

   1:1  

 

1. FC Saarbrücken - SV Eintracht Trier

 

 Saarbrücken, Ludwigsparkstadion (21.500 Zuschauer)

 

 

Die Viertelstunde zwischen Abpfiff im FC-Sportfeld und Anpfiff im Ludwigsparkstadion reichte vollkommen aus, um die Wegstrecke zwischen beiden Spielstätten zurück zu legen.

 

 
Spiel:

Bei ungünstiger Ergebniskonstellation zweier anderer Partien (Karlsruher SC – Energie Cottbus und 1860 München – LR Ahlen) bestünde die – zugegeben recht unwahrscheinliche – Möglichkeit, dass ein Verein die zweite Bundesliga heute verlassen muss. Grundvoraussetzung wäre allerdings ein Sieg von Ahlen bei 1860. 

Zumindest in der ersten Halbzeit war die Partie spielerisch einigermaßen erträglich, wobei der Gast aus Trier den wesentlich besseren Start erwischte und durch Becker in Führung ging. Den nächsten Aufreger übermittelte das Radio, das nach 25 Minuten die Zwischenstände aus Karlsruhe (1:1 und München 1:2) sendete. Zu diesem Zeitpunkt war Cottbus unterm Strich und für die Saarländer die Lage mehr als ernst. Zumal die Trierer weiter drückten und dem zweiten Tor näher waren als der 1. FC seinem ersten. Danach wachten die Mannen von Trainer Ehrmanntraut aber auf und konnten fünf Minuten vor dem Pausenpfiff den Ausgleich erzielen. Die Zwischenergebnisse zur Halbzeit: Karlsruhe 1:2, München 2:2. Damit war der LR Ahlen wieder auf einem Abstiegsplatz.

Nach gut einer Stunde – zu diesem Zeitpunkt führte auf einmal Ahlen in München – war dann Eintracht Trier auf einem Abstiegsplatz, aber komischerweise hatten danach die Gastgeber die besseren Chancen und Trier agierte viel zu nervös. Am Ende siegte LR Ahlen doch bei 1860 und durch die knappe Niederlage der Cottbuser in Karlsruhe müssen nun die Trierer den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Aber wie Renato an diesem Wochenende immer so schön sagte: „Die Tabelle lügt nicht!“

Fazit: Eigentlich ein total schwaches Spiel, dass aber aufgrund der Ereignisse auf den anderen Plätzen bis zur letzten Minute spannend war.

Tore: 0:1 (7. Min.) Becker, 1:1 (39. Min.) Reuter.

Stimmung:

Aufgrund des Derbys war die Atmosphäre im Stadion diesem auch würdig. Positiv überraschte dabei der Gästeanhang der seinen Block gut gefüllt und mit lautem Gesang untermalt präsentierte. Auch die eine oder andere Raucheinlage sorgte für ein schönes Bild. Nur der Stadionsprecher hatte was dagegen, forderte sofortige Unterlassung. Aber der Typ war ein echter Witzeclown und haute so machen Kalauer über die Lautsprecheranlage. So stellte er brüllend kurz vor der Partie den Zuschauern die Frage: „Wer hat denn auch nur vier Stunden heute Nacht geschlafen?“ Die Reaktion des Publikums: keine! Wahrscheinlich rechneten alle flugs noch einmal nach wie lange denn nur jeder die Augen geschlossen hatte. 4 ½ Stunden? 8 Stunden? Oder gar nach ordentlichem Suff 10 Stunden? Wenn jemand dem sympathischen Publikum von der Saar ein Gefallen tun will, dann sollte er diesen Stadionsprecher kaltmachen. Ein wenig enttäuschend präsentierte sich allerdings der heimische Anhang – insbesondere der Block unterhalb der Haupttribüne – der zwar für keinen schlechten Support sorgte, aber irgendwie hatte man doch mehr erwartet. Löblicherweise wurde aber auch hier der Support von schönem Rauch flankiert.

Vereine:

Der 1. FC Saarbrücken wurde im Jahre 1903 aus dem Turnverein 1876 Malstadt heraus gegründet (TV Malstadt, später FV Malstadt-Burbach). Am 1. April 1909 folgte die Umbenennung in FV Saarbrücken. Die einzige deutsche Endrundenteilnahme brachte den FV Saarbrücken bis ins Finale 1943, wo sie allerdings dem Dresdner SC mit 0:3 unterlagen. 1945 wurde der Verein dann aufgelöst und direkt als 1. FC Saarbrücken neu gegründet. 1949 wollten die Saarländer (damals noch nicht zu Deutschland gehörig) in der französischen Nationalliga mitkicken, doch die Franzosen lehnten dies ab. Ein neues Zuhause fanden die Saarländer in der Oberliga Südwest und qualifizierten sich dort 1963 für die erste Bundesliga, aus der sie aber gleich wieder abstiegen. Es folgten Auf- (1976, 1985, 1992) und Abstiege (1978, 1986, 1993). Erwähnenswert ist die äußerst weitsichtige Arbeit des Präsidiums, das im Juli 2002 Horst Ehrmanntraut einstellte, diesen im November 2003 entließ und Eugen Hach als neuen Cheftrainer beschäftigte, aber auch diesen ein knappes halbes Jahr später wieder kündigte und kurz vor Saisonende wieder einen neuen Übungsleiter verpflichtete. Sein Name: Horst Ehrmanntraut.

Hätte vor 99 Jahren nicht ein Jüngling aus Thüringen die Lust verspürt vor einen Ball zu treten, gäbe es heute vermutlich den SV Eintracht Trier 05 gar nicht. Darf man der Homepage des Vereins Glauben schenken, so kam im Jahre 1904 ein gewisser Ernst Vent von Weimar nach Trier und gründete ein Jahr später den Trierer Fußball-Club (kurz TFC). Irgendwann in den Folgejahren wurde aus dem TFC der SV und 1948 fusionierte man mit dem SV Eintracht 06 zum SV Eintracht Trier 05. Der „neue“ Verein kickte nach dem Zusammenschluss in der Oberliga Südwest. Der Oberliga, höchste deutsche Spielklasse, blieb man dann sogar bis 1962 treu und das sogar ohne sonderlich aufzufallen. Meist wurden zweistellige Tabellenplätze belegt, aber der Abstieg konnte bis ein Jahr vor der Gründung der Bundesliga vermieden werden. Nach einem Übergangsjahr in der Drittklassigkeit stiegen die Trierer 1963 in die Regionalliga auf, der damals zweithöchsten Spielklasse. Diese konnte immerhin bis 1973 gehalten werden, wobei die Saison 64/65 mit dem 3. Platz die erfolgreichste war. Die Rückkehr in die Zweitklassigkeit gelang aber schon 1975 wieder. 1980, also ein Jahr vor der eingleisigen 2. Bundesliga, stiegen die Trierer in die Oberliga Südwest ab. Zwar bemühte sich der Verein in den nächsten zwei Jahrzehnten redlich, in den bezahlten Fußball zurückzukehren, aber umgesetzt werden konnte dieses Vorhaben nie. Insgesamt dreimal (1987, 1993 und 1994) qualifizierten sich die Trierern für Aufstiegsrunden, um dann aber jedes Mal zu scheitern. Doch zumindest wurde beim letzten Aufstiegsversuch die Qualifikation zur Regionalliga geschafft und so blieb die Drittklassigkeit den Trierer erhalten. Pünktlich zum neuen Jahrtausend trafen heftige Turbulenzen in Form von finanziellen Schwierigkeiten den Verein. Zwar waren diese bald ausgestanden, doch durch eine Heimniederlage im letzten Spiel der Saison 00/01 wurde der Aufstieg wieder verpasst. Aber eine Spielzeit später und 21 Jahre nach dem Abstieg wurde der Aufstieg endlich perfekt gemacht.

 
Stadion:

Das Ludwigsparkstadion wurde 1953 feierlich eröffnet und noch im gleichen Jahr auch der Zuschauerrekord (53.000) beim Länderspiel (WM-Qualifikationsspiel) zwischen dem Saarland und Deutschland (1:3) aufgestellt. Es bietet über 35.000 Zuschauer Platz, wobei es ca. 7.800 (davon ca. 5.000) überdachte Plätze gibt. Die Gegentribüne stammt aus dem Jahre 1978 und besteht komplett aus Fertigbauteilen. Als Anfang der 90er Jahre der DFB-Präsident Hermann Neuberger das Zeitliche segnete, gab es Pläne, den Ludwigspark ihm zu Ehren umzubenennen. Aber man verwarf diese Pläne ebenso, wie die in Saabrücken, eine bundesligataugliche Saar-Arena zu bauen.

Trotz der Laufbahn hat man eine gute Sicht auf das Spielfeld, es sei denn, man steht in Kurvenblöcken weit unten, denn dann behindern die Zäune den Blick erheblich.

 

 

 

Tageskilometer:       740 km von Saarbrücken über Mannheim nach Berlin

Saisonkilometer: 38.454 km (22.815 km PKW, 4.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Nach dem wir dann VfB-„ich bin mit dem UEFA-Cup-Platz unzufrieden“-Christian in Mannheim wieder einsammelten, war die Devise Gas durchdrücken und ab in die Hauptstadt. Dummerweise spielte aber das Wetter nicht mit und mit teilweise Tempo 70 ging es dann bis zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, wo der Fahrbahnbelag dann wesentlich trockener war.

Grüße an die Mitfahrer und natürlich Dank an Yannik und Jan aus Saarbrücken für die wertvollen Tipps.

 
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