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                  Ligue 1, Saison 04/05, 21.05.05                  

 

   1:0  

 

FC Sochaux - FC Nantes

 

Montbeliard, Stade Auguste Bonal (18.578 Zuschauer)

 

 

Viel Zeit zum Feiern ob des souveränen Auswärtssiegs blieb uns leider nicht, denn unser Stadionbesuch-Novize Freddy wollte weiter an der Komplettierung der ersten französischen Liga arbeiten (vor dem Spiel fehlten ihm nur noch 20, nachher sage und schreibe 19 Stadien). Trotz des guten Parkplatzes führte der Weg dann doch wieder auf die Hauptverkehrsstraße, wo seltsamerweise recht viel los war. Aber Daniel, diesmal am Lenkrad, steuerte das KFZ zielsicher auf die Autobahn erst nach Süden und dann nach Westen. Gegen 19:30 Uhr erreichten wir dann Mömpelgrad (franz.: Montbeliard) im Departement Doubs. Den deutschen Namen verdanken die Einwohner übrigens Graf Eberhard VI. Durch irgendeine undurchsichtige Erbgeschichte kam seine Schwiegertochter auf den Thron und schwubdiwub gehörte das Städtchen auf einmal zu Württemberg. Aber wem erzähl ich das? Zurück zu Mömpelgrad bzw. Montbeliard, welches aus 18 Gemeinden besteht und eine davon heißt Sochaux, die nicht nur den einen zweimaligen französischen Meister beheimatet, sondern auch ein Automobilwerk mit dem Namen Peugeot. Da dieser Kleinwagenhersteller auch den Verein finanziell und materiell kräftig unterstützt, kann man hier getrost vom französischen Abklatsch zum VfL Wolfsburg sprechen.

Eine Viertelstunde vor dem vermeintlichen Anpfiff trennte sich die eh schon dezimierte Reisegruppe und Rolle Rolex und mich zog es auf die Haupttribüne, während es sich der Rest auf der Gegengerade oberhalb des Gästeblocks gemütlich machte. Letztere Entscheidung war zwar vordergründig (vor allen Dingen fototechnisch) nicht gerade die beste, erwies sich aber im weiteren Verlauf des Abends als strategisch äußerst erfolgreich. Dumm nur, dass das Spiel nicht um 20:00 Uhr, sondern um 20:45 Uhr angepfiffen wurde. Aber ein weiteres Spiel saß uns ja an diesem Abend nicht mehr im Nacken.

 
Spiel:

Sicherlich nicht die sportlich interessanteste Partie an diesem Wochenende in der französischen Liga, denn Sochaux ist als 10. jenseits von Gut und Böse und der achtfache Meister FC Nantes (immerhin seit 1963 Erstligist) ist als 16. zwei Plätze von einem Abstiegsrang entfernt. Allerdings beträgt der Abstand nur einen Punkt und so wird man sicherlich während des Spiels schon mal ein Auge zu den Zwischenergebnissen der Konkurrenz (Bastia, Caen und Ajaccio) werfen.

Das Spiel begann recht verhalten und erst in der 11. Minute gab es die erste Tormöglichkeit zu verzeichnen. Diese war dann auch gleich von Erfolg gekrönt, denn Thebaux erzielte die Führung für Sochaux. Dieser Treffer war kurios, denn der direkt getretene Freistoß landet am Pfosten, sprang raus, an den Rücken des Torwarts und von da aus dann über die Linie ins Tor. Wenn es mal nicht läuft, dann läuft es halt nicht bzw. frei nach Kobra Jürgen Wegmann: „Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech hinzu!“ Danach plätscherte die Partie so vor sich hin und der Halbzeitpfiff erlöste dann die Zuschauer. Der zweite Durchgang begann auch nicht viel besser. Aber als ein Spieler der Heimelf seinem Kontrahenten mit gestrecktem Bein in die Parade fuhr, musste der Gefoulte verletzt vom Platz und der Übeltäter folgte ihm nach Schiedsrichterentscheidung. Auf einmal wachten die Männer von der Atlantikküste auf und berannten nun das gegnerische Tor. Doch zwingende Tormöglichkeiten ergaben sich daraus nicht; zumal sich der FC Nantes rund 10 Minuten vor dem Schlusspfiff auch noch selbst dezimierte und so für Gleichstand auf dem Spielfeld sorgte. Trotzdem griffen die Gäste (mittlerweile eher verzweifelt) an, aber ein Tor sprang nicht mehr heraus.

Wesentlich mehr Einsatz als die Spieler zeigten die Gästefans. Diese supporteten durchgängig und kurz vor Schluss entrümpelten sie noch den Gästeblock. Fein säuberlich wurde ein blauer Schalensitz nach dem anderen aus der Verankerung gerissen und der Handvoll vor dem Block stehenden Ordnern vor die Füße geworfen. Nach dem Schlusspfiff lagen so ca. 100 Sitze auf dem Rasen. Durch das äußerst passive Verhalten der Ordner angestachelt, kletterte nun einer nach dem anderen aus dem Gästebereich auf den Rasen und warf die blauen Schalensitze munter weiter auf die Ordnungskräfte. Diese wichen geschickt zurück und bereiteten nun  mehr Raum für jene, die noch im Block waren, aber auch auf den grünen Rasen wollten. Als deren Zahl sich auf ca. 50 erhöht hatte, rannten diese dann an den 20 Ordnern vorbei (teilweise wurden hier schon einige Backpfeifen ausgeteilt) zum Spielertunnel. Nach kurzem pubertärem Gehabe stellten sie dann wohl fest, dass kein Spieler mehr zum Abklatschen rauskommen wollte und es zog der Mob im Laufschritt zur anderen Hintertorseite. Nach und nach trauten sich dann auch die einheimischen Anhänger auf den Rasen und gemeinsam mit den Ordnern gab es kleinere 1:1 Duelle, die von der Haupttribüne nett anzuschauen waren. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass das Spektakel jetzt schon über zehn Minuten andauerte und nicht ein Polizist im Stadion auftauchte. So konnte der nonverbale Schlagabtausch weiter von statten gehen, wobei sich beide Seiten äußerst fair präsentierten und am Boden liegende Ordner in Ruhe vor sich hin dösen ließen. Letztlich sah alles schlimmer aus als es war, denn irgendwann tauchte dann doch ein halbes Dutzend Ordnungshüter auf und danach waren alle wieder schön in ihren Blöcken. Der Auswärtsmob legte allerdings einen gewissen Tatendrang an den Tag und versuchte weiter aus dem Sitzplatzblock einen Stehplatzblock zu machen.

Ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass derartige Aktionen meinerseits auf Schärfste angeprangert werden!!!

Tor: 1:0 (11. Min.) Thebaux

Übrigens siegten alle drei Konkurrenten im Abstiegskampf: Caen 3:2 in Toulouse nach 0:2 Rückstand, Bastia gegen Lens und selbst Ajaccio mit 2:0 beim Tabellenzweiten aus Lille.

Stimmung:

Ein wenig enttäuschend war die Stimmung bei den Heimfans. Der Teil, der wohl normalerweise für den Support verantwortlich ist, hat seinen Bereich im Oberring der Hintertorseite. Zwar wurden einige Doppelhalter präsentiert und gleich zwei Einpeitscher versuchten die recht leblose Meute zum Singen und Klatschen zu animieren, aber über weite Strecken des Spiels funktionierte dies nun gar nicht.

 

 

 
Vereine:

Wie am Vereinsnamen unschwer zu erkennen, ist der FC Sochaux-Montbéliard ein Fusionsverein. Das Bündnis trat 1930 in Kraft und die Teilnehmer hießen FC Sochaux (gegründet 1928) und AS Montbéliard. 1942 kam noch der AS Valentigney hinzu und für drei Jahre spielte der Verein dann unter dem Namen FC Sochaux-Valentigney Fußball, während der andere Verein (AS Sochaux-Montbéliard) die anderen Sportarten beheimatete. 1945 lösten sich dann beide Vereine auf und im gleichen Jahr gründete man den FC Sochaux-Montbéliard neu. Die meiste Zeit spielte der Verein in der höchsten französischen Liga und wurde 1935 und 1938 auch französischer Meister. Dazu kam noch ein Pokalsieg im Jahre 1937. In der letzten Saison schaltete der FC Sochaux in der zweiten Runde des UEFA-Pokals Borussia Dortmund souverän aus, ehe dann eine Runde später der Mannschaft gegen Inter Mailand, allerdings denkbar knapp, das gleiche Schicksal zuteil wurde.

Der FC Nantes Atlantique trägt seinen Namen erst seit 1992. Vorher hieß der seit seiner Gründung im Jahre 1943 schlicht FC Nantes, der die Vereine Saint Pierre Nantes, Meleinet Nantes, ACB Loire Nantes, ASO Nantes und Stade Nantais Université Club zusammenführte. Bekannt sind die „Kanarienvögel“ für ihre herausragende Jugendarbeit. So mancher Weltmeister schnürte beim FC Nantes zum ersten Mal seine Fußballstiefel. Trotz des großen Aderlasses spielt der Verein seit 1963 durchgängig in der ersten Liga und kann insgesamt acht (!!!) Meisterschaftstrophäen sein Eigen nennen (1965, 1966, 1973, 1977, 1980, 1983, 1995 und 2001). Daneben gewann der FC Nantes auch dreimal den nationalen Pokal (1979, 1999 und 2000). Auf deutsche Gegner trafen die Kanarienvögel bislang zweimal. Im UEFA-Cup (94/95) schieden die Franzosen gegen Bayer Leverkusen aus und in der CL gewann der FC Bayern München beide Vorrundenspiele.

 
Stadion:

Das Stade Bonal ist zwar ein Neubau und nicht von sonderlich ausgefallener Architektur geprägt, weiß aber dennoch zu gefallen. Es ist komplett überdacht und auf zwei Rängen finden hier rund 20.000 Zuschauer Platz. Es gibt zwei Anzeigetafeln die ebenso wie die Flutlichter am Tribünendach befestigt sind. Der Gästeblock befindet sich im Unterrang in einer Ecke und ist mit Netzen umspannt. Die dunkelblaue Bestuhlung ist eher dezent.

 

 

 

Tageskilometer:       116 km Freiburg - Montbeliard mit dem PKW

Saisonkilometer: 37.402 km (21.763 km PKW, 4.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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