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                  Paul-Rusch-Pokal, Saison 04/05, 13.10.04                

 

    1:2

 

Spandauer SV - Hertha BSC (A)

 

Berlin, Sportplatz Neuendorfer Straße (151 Zuschauer)

 

 

Der Spandauer SV schmückt sich mit dem bedeutungsschwangeren Zusatz Traditionsverein. Wohl zu Recht, wie ein Blick in die Vereinschronik verrät. Begonnen hat alles im Jahre 1894 als sich der 1. Spandauer Thor- und Fußballclub Triton gründete. Ende 1920 fusionierte dieser mit dem Spandauer SC Germania, der wiederum auch ein Fusionsobjekt war (Spandauer SC Germania 04 und SC Germania 1895), zum Spandauer SV. Im gleichen Jahr wurde Spandau nach Berlin eingemeindet. Verwunden haben es die Einwohner im Gegensatz zu den miteingemeindeten Charlottenburgern, Wilmersdorfern, Lichtenbergern und Köpenickern, bis heute nicht.  

Große Erfolge konnte der SSV bis zu seiner Auflösung 1945 nicht feiern. Anschließend, nach kurzem Intermezzo als SG Spandau-Altstadt, entstand der „neue“ Verein unter altem Namen. Mit dem Aufstieg (1950) in die höchste deutsche Spielklasse, der Oberliga, folgten 13 Jahre Zugehörigkeit zu dieser Liga mit ausnahmslos einstelligen Tabellenplätzen. Hertha BSC schaffte dies übrigens nicht. Weitere Mitstreiter in der Oberliga Berlin waren u. a. Vereine mit klangvollen Namen wie Union 06, Tennis Borussia, Minerva 93, Viktoria 89 oder der Berliner SV 92. Aber so richtig dicht dran am Staffelsieg waren die Spandauer nur in der Saison 58/59, als man knapp hinter Tasmania den zweiten Platz belegte, der leider nicht die Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft bedeutete.

Mit Einführung der Bundesliga (Hertha BSC wurde Gründungsmitglied) verblasste auch der Stern des SSV. Zwar zogen die Spandauer als frischgebackener Berliner Meister in der Saison 75/76 noch mal in die 2. Bundesliga Nord ein, die u. a. mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen prominent besetzt war, aber mit Pauken und Trompeten (in Zahlen: Zwei Siege (einer sogar gegen Bayer Leverkusen) und nur acht Punkte) folgte sofort der Abstieg.

Mitte der 90er Jahre spielte sich der Spandauer SV noch mal bis in die Drittklassigkeit (Regionalliga Nordost) vor und konnte die Klasse auch vier Jahre halten. Der Abstieg folgte 1999 und dieser war kurios. Sportlich erreichten sie einen Nichtabstiegsplatz (16.), mussten aber aufgrund von „Verstößen gegen die Rahmenbedingungen“ zwangsabsteigen. Den Eisenhüttenstädter FC Stahl wird es gefreut haben; durfte dieser, obwohl Vorletzter, noch ein Jahr in der Regionalliga spielen. Die Spandauer verzichteten auf ihren Oberligaplatz und traten zur Saison 99/00 gleich in der Verbandsliga an. Nach zwei Jahren in der Fünftklassigkeit folgte der absolute Tiefpunkt: Landesliga. Dazu bekamen diejenigen wieder Gehör, die in Spandau endlich einen Großverein ansiedeln wollten. Aber die Fusion mit dem BFC Spandau 06 wurde von der Mehrheit der Vereinsmitglieder abgeschmettert und die Mannschaft gewann souverän die Staffel und stieg auf. Nach zehn Spieltagen befindet sich der SSV nun im gesicherten Mittelfeld.

Klarer Favorit für das Erreichen der dritten Runde sind aber zweifelsfrei die Amateure von Hertha BSC. Nach etlichen vergeblichen Versuchen sind sie endlich im gelobten Land angekommen: Regionalliga. Neben dem Klassenerhalt ist die Ausbildung junger Spieler das Saisonziel. Am Rande ist man als Titelverteidiger auch Favorit für den Gewinn des Paul-Rusch-Pokals (neudeutsch: Oddset-Pokal), deren Gewinn die Teilnahme am DFB-Pokal sichert.

 

 
Spiel:

Die Spieler waren noch nicht ganz warmgelaufen, da stand es auch schon 1:0 für den krassen Außenseiter. Danach igelten sich die Spandauer hinten ein und brauchten gar nicht mal viel Glück um sich in die Pause zu retten. Im zweiten Durchgang sahen die Zuschauer nur noch die Hertha im Angriff. Unzählige Torchancen wurden dabei herausgespielt. Aber entweder versagte die Zweitvertretung von Hertha kläglich oder sie scheiterte am überragenden Mann des Abends: Torhüter Manuel Greil. Dieser stand auch schon bei Holstein Kiel (Saison 02/03) zwischen den Pfosten und hielt im Erstrundenspiel des DFB-Pokal gegen Hertha BSC drei Elfmeter. Und wenn einmal der Torhüter geschlagen schien, rettete das Aluminium für die Spandauer. Als sich kurz vor Schluss die Sensation abzuzeichnen schien, fällte Spieler X den schussbereiten Spieler Y. Der Schiedsrichter pfiff Elfmeter, den Greil gut parierte, aber gegen den Nachschuss des Elfmeterschützen machtlos war. Kurz nach dem längst überfälligen Ausgleich durfte der spärliche Hertha-Anhang noch das 1:2 bewundern, das aus dem Gefühl heraus fiel. Der Schiedsrichter hatte die Pfeife schon im Mund, als sich der SSV zum zweiten Mal in diesem Spiel über die Mittellinie wagte und sogar bis auf fünf Meter vor das fast leere Tor kam. Aber ein unkonzentrierter Schuss in den Berliner Nachthimmel war das klägliche Resultat.

Tore: 1:0 (5.) Berjawi, 1:1 (86.) Kretschmer (FE), 1:2 (90.) Ede.

   

 

 

Stimmung:

Italienische Verhältnisse an der Neuendorfer Straße: Mit Beginn des Spiels hüllte sich der Fanblock in roten Rauch. Ein kleiner Teil der gut 200 (151 zahlende) Zuschauer war auch supportwillig und mittels einer Pauke hallte auch einige Male „Spandau“ durch das weite Rund. Die anwesenden Hertha-Fans nutzten die Zeit lieber zum Biertrinken oder mit Schalkern zu quatschen J

   
Stadion:

Bis 1998 gab es noch ein Stadion an der Neuendorfer Straße, was mit dem neuen Sportplatz an der Neuendorfer Straße nichts gemein hat. Das „alte“ ist im Zuge des Bau der Wasserstadt abgerissen worden und das „neue“ an anderer Stelle, aber auch noch an der Neuendorfer Straße, neu errichtet worden. Diese Anlage wirkt auf den ersten Blick auch ein wenig verbaut. Wenn man das Kassenhäuschen passiert, läuft man auf eine unausgebaute Hintertorseite zu, wird um das Sozialgebäude (welches sich über die halbe Länge des Platzes erstreckt) rumgeführt und gelangt schließlich zum Stehplatzbereich. Dieser besteht nur aus ein paar Betonstufen. Hinter dem Tor findet der Besucher einen weiteren Stehplatzbereich der von einem ca. fünf Meter hohen Zaun geschützt wird. Die Gegengerade ist gar nicht ausgebaut und für den Normalsterblichen auch nicht begehbar.

Man erreicht die Heimstätte des Spandauer SV mit den Buslinien 131 oder 136 bis zur Haltestelle Hohenzollernring. Einfach kurz zurücklaufen und an der Ecke auf der anderen Straßenseite ist der etwas unscheinbare Eingang.

 

 

Tageskilometer:       -

Saisonkilometer: 10.986 km (8.721 km PKW, 1.681 km Bahn, 620 km Flugzeug)

 
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