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                  Barclays Premiership, Saison 05/06, 14.01.06              

 

   7:0  

 

Arsenal F. C. - Middlesbrough F. C.

 

London, Highbury (38.186 Zuschauer, ausverkauft)

 

 

Nur noch bis zum Saisonende wird man die Möglichkeit haben, sich Highbury in Natura anzuschauen. Dann wird es nur noch unter der Kategorie „Lost Grounds“ geführt. Ein Besuch dieses Stadions ist schwer, aber nicht unmöglich. Meist sind die Spiele in der Phase ausverkauft, wo nur die Mitglieder ein Zugriffsrecht auf die begehrten Tickets haben, aber manchmal gelangen dann noch welche in den freien Verkauf. Man kann aber auch Glück haben und ein Arsenal-Mitglied an einem stinknormalen Montagnachmittag in einer Bar in Tallinn treffen. Diese Ehre wurde mir und Renato zuteil und Terry, so der Name des Arsenal-Members, orderte etwa zwei Monate vor dem Spiel die Eintrittskarten. Genau diese zwei Monate später trafen wir uns dann vor der Tube-Station Arsenal. Da Renato zähneknirschend auf dieses Spiel verzichten musste, ging die zweite Karte an Meister Zumsel aus der wohl hässlichsten Stadt dieser Welt, die dem hässlichsten Club auf Erden Asyl gewährt. Aber genug von diesen unappetitlichen Themen.

Trotz Verspätung aufgrund von Bauarbeiten an diversen U-Bahn-Linien waren bis zum Kickoff noch über zwei Stunden Zeit, die wir in einem schönen und stadionnahen Pub verbrachten. Das Bier war zwar australisch, dafür flackerte aber echter englischer Fußball (ManCity – ManU) über die Monitore. Die Tore von ManCity sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre in der gerammelt vollen Kneipe, denn ManU ist der so ziemlich unbeliebteste Verein für die Mehrheit der Arsenal-Anhänger. Einst war das zwar mal Tottenham, aber mit dem Erfolg wechseln wohl auch die Rivalitäten.

Etwa 20 Minuten vor dem Anpfiff zog Terry dann in einen anderen Pub und uns mit u. a. norwegischen, österreichischen, schweizerischen und vor allen Dingen japanischen Fußballtouristen zu den Drehkreuzen. Gerade die Japaner griffen besonders tief in die Taschen und zahlten für ihre normalen Tickets zwischen 90 und 120 Pfund. Und dies nicht etwa auf dem Schwarzmarkt, sondern in einem Verkaufsbüro von Arsenal in Tokio (wenn ich das jetzt mal alles richtig verstanden habe). 

Kurz im Fanshop vorbeigeschaut, auf die Preise geguckt und dann ging es ab auf den North Lower Stand. Stand ist eigentlich zuviel gesagt, denn Stehen in diesem Stadion tun nur die Ordner. Unsere Plätze waren fast hinter dem Tor in der dritten Reihe von unten. Rauchen, Alkohohl (Budweiser wurde gereicht) und Aufstehen strengstens verboten. Dafür sitzt  man aber in einem Stadion, das so schön ist wie der Ball rund. Ob dies den Preis von 30 Pfund (ca. 45) Euro rechtfertigt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

 
Spiel:

Aufgrund der Nähe zum Spielfeld erlebten wir Fußball in Reinkultur. 7:0, bei Arsenal lief alles, bei Middlesbrough gar nix.

Tore: 1:0 (20. Min.) Henry, 2:0 (22. Min.) Senderos, 3:0 (30. Min.) Henry, 4:0 (45. Min.) Pires, 5:0 (59. Min.) Silva, 6:0 (68. Min.) Henry, 7:0 (84. Min.) Hleb.

Stimmung:

Es fällt richtig schwer zu diesem Thema etwas zu schreiben. Die Stimmung war eigentlich gar nicht mal schlecht, zumindest besser als erwartet. Allerdings war es auch phasenweise so ruhig wie bei tristen Kreisliga-C-Spielen. In den ersten fünf Minuten wurde gesungen, einige Male richtig laut, dafür aber auch extrem kurz. Dann legte sich eine Art Dämmerschlaf über das Stadion, in dem nur die einigermaßen gelungenen Szenen von Arsenal beklatscht wurden. Bei den Toren sprangen beim Jubeln trotz des strengen Verbotes dann doch alle auf. Vergleiche mit anderen Ländern fallen zwar leicht, bringen einen aber nur bedingt weiter. Ob besser oder schlechter, ich vermag es nicht zu sagen. Die englischen Zuschauer sind irgendwie mehr beim Spiel als in anderen Ländern beobachtet. Achja, angeblich sollen auch Auswärtsfans im Stadion gewesen sein.

Fazit: Nicht so schlecht wie allgemein immer erzählt. Aber ich behaupte mal ganz kühl, dass die Stimmung bei einem stinknormalen Bundesligaspiel besser ist.

Vereine:

Im Jahre 1886 gründeten Arbeiter der Woolwich Arsenal Armanent Factory unter dem Namen Dial Square FC Woolwich einen Fußballverein, der aber noch im gleichen Jahr in Royal Arsenal FC Woolwich umbenannt wurde. Royal Arsenal war eine Waffenfabrik (daher auch der Spitzname Gunners) in Woolwich bei dem die meisten Vereinsgründer angestellt waren. Später (ab 1891) nannte sich der Verein dann nur noch Woolwich Arsenal. Ab 1893 bestritten sie ihre Spiele der Football League (2. Liga) im Manor Ground. 1913 stieg Arsenal F. C. (der Zusatz Woolwich entschwand) in die erste englische Liga auf und auch gleich wieder ab. 1919 erfolgte der zweite Aufstieg in die höchste englische Spielklasse und bis heute stieg der Verein nicht mehr  ab. Ab 1925 wurde aus Arsenal erst ein Spitzenteam, später in den 30er Jahren die dominierende Mannschaft im englischen Fußball: 1930 zweimal Pokalsieger (Charity Shield & FA-Cup), 1931 Meister und Pokalsieger, 1933 Meister und Pokalsieger, 1934 Meister und Pokalsieger, 1935 Meister, 1936 Pokalsieger und 1938 noch mal Meister und Pokalsieger. Kriegsbedingt wurde der Spielbetrieb 1939 eingestellt und es wurden nur noch regionale Meisterschaften ausgetragen. Doch schon der zweite Nachkriegsmeister und -Pokalsieger (1948) hieß wieder Arsenal. 1950 gewann der Verein dann wieder den Pokal und 1953 dann sogar noch mal die Meisterschaft und den Pokal. Danach blieb Arsenal 18 Jahre lang ohne Titel und musste Vereinen wie Wolverhampton, Liverpool, Manchester United den Vortritt lassen. Erst am Ende der Spielzeit 70/71 stand Arsenal wieder an der Spitze der Liga. Als Zugabe wurde noch der Pokal gegen Liverpool F. C. (2:1 n. V.) geholt. Doch danach folgten wieder Jahre der Entbehrungen. Abgesehen vom Pokalsieg 1979 (3:2 gegen Manchester United) waren die 80er zunächst erfolglos. Als sich die Dekade langsam zum Ende neigte, folgte ein Showdown, wie ihn der englische Fußballfan bislang noch nicht gesehen hatte. Arsenal lag zum Ende der Saison mit fünf Punkten Vorsprung vor Liverpool, die zudem noch traumatisiert von dem Hillsborough-Unglück, bei dem 96 Fans der Reds starben, schienen. Arsenal hatte zwei Heimspiele, genauso wie Liverpool, bevor es am letzten Spieltag zum Showdown an der Anfield Road kommen sollte. Arsenal schaffte aber in beiden Spielen nur einen Punkt. Liverpool hatte noch das Spiel, das vorletzte in der Saison, zu absolvieren, bevor sie Arsenal empfangen sollten. Vor diesem Spiel war klar, dass, wenn Liverpool mit zwei Toren Unterschied gegen West Ham gewinnen, Arsenal im letzen Spiel 1:0 bei den Reds gewinnen müsste. Bei vier Toren Unterschied, müssten sie schon mit zwei Toren Unterschied gewinnen. Liverpool siegte mit 5:1 und erklomm die Spitze der Liga. Das Spiel wurde, für England ungewöhnlich, auf Freitagabend gelegt. Vor dem Anpfiff legten die Arsenal-Spieler Blumen vor dem Liverpooler Fanblock nieder. Arsenal ging kurz nach der Pause in Führung. In der 92. Minute startete Arsenal seinen letzten Angriff. Dixon schlug den Ball zu Alan Smith, der den Ball mit der Brust annahm, einen Abwehrspieler ins Leere laufen ließ und so Raum für Michael Thomas schaffte. Smith passte quer zu Thomas, der nahm den Ball aus dem Lauf und versenkte den Ball chancenlos für Grobbelaar im Tor. Damit war Arsenal Meister! Zwei Jahre später (1991) wurden sie bereits zum 10. Mal Meister. In den folgenden Jahren musste man dann wieder anderen Teams den Vortritt lassen. 1996 wurde der Franzose Arsène Wenger verpflichtete, der auch gleich ein paar kickende Landsleute mitbrachte. Dieser Neuaufbau brachte Arsenal die englischen Meisterschaften in den Jahren 1998, 2003 und 2004. Neben den Meisterschaften wurde Arsenal zehnmal Pokalsieger (1930, 1936, 1950, 1971, 1979, 1993, 1998, 2002, 2003, 2005), zweimal UEFA-Cup-Gewinner und einmal Europapokalsieger der Pokalsieger.

Der Middlesbrough Football Club wurde im Februar 1876 von Mitgliedern eines Criketclubs gegründet. 1889 wurde unter dem Namen Middlesbrough Ironopolis ein Profifussballteam gegründet, das aber nach nur fünf Jahren Pleite ging. Von 1902 bis zur kriegsbedingten Unterbrechung der Meisterschaft im Jahre 1940 war der Verein bis auf wenige Jahre immer in der höchsten englischen Spielklasse vertreten. Nach dem zweiten Weltkrieg startete der Verein zunächst in der ersten Liga, stieg aber 1954 ab und erst 20 Jahre später wieder auf. Es folgten Auf- und Abstiege. Den ersten richtig großen Erfolg verbuchte man erst im Jahre 2004 mit dem Gewinn des englischen Liga-Pokals (2:1 gegen die Bolton Wanderes) in Cardiff.

Stadion:

Ohne Übertreibung darf man wohl sagen, dass Highbury eines der schönsten Fußballstadien auf diesem Planeten ist. Wenn im Sommer die Abrissbirne die Spielstätte dem Erdboden gleichmacht, dann hat Highbury 93 Jahre lang Arsenal ein Zuhause geboten. Das erste Spiel fand hier am 6. September 1913 (gegen Leicester Fosse 2:1) statt. 20.000 Pfund zahlte man damals für eine 21jährige Pacht und der schottische Architekt Archibald Leitch wurde für den Bau beauftragt.

Richtig beeindruckend sind die zweirangigen Tribünen auf den Längsseiten sowie die Nordseite, die ebenfalls aus einem Ober- und Unterrang besteht. Auf der Südseite befindet sich ein recht großer Bau, der u. a. die etwas deplatziert wirkenden VIP-Logen beherbergt.

 

 

 

 

 

 

 

Tageskilometer:                 942 km mit dem Flugzeug von Berlin nach London

Saisonkilometer:           22.584 km (6.842 km Flugzeug, 9.382 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Besten Dank an Terry, Grüße an Zumsel

 
 
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