[zurück zur Übersicht]

 

                         Regionalliga Süd, Saison 05/06, 06.05.06                                  

 

   0:1  

 

FC Augsburg - TuS Koblenz

Augsburg, Rosenaustadion (10.234 Zuschauer)

 

 

Nach dem Schalker 0:0 in Bremen war klar, dass der Besuch im Weserstadion das letzte Bundesligaspiel für diese Saison bedeutete. Nicht dass man erfolgsverwöhnt ist, aber um was geht es eigentlich noch? Nun gut, so hat man wieder Platz im Terminkalender und kann sich intensiv die Liste vornehmen, auf denen die noch unbedingt zu besuchenden Stadien bzw. Vereine stehen. Ganz weit oben auf diesem imaginären Papier stand das Rosenaustadion zu Augsburg, welches dann heute endlich durchstrichen werden sollte.

Aus sportlicher Sicht war die o. g. Ansetzung ein bisschen diskrepant, denn Augsburg ist schon aufgestiegen und der TuS Koblenz wird wohl auch den großen Vorsprung vor Hoffenheim ins Ziel retten. Aber es war auch die Partie des Ersten gegen den Zweiten.

In den frühen Morgenstunden rollte schließlich der ICE gen Süden, unterwegs stieß dann noch der Kölner dazu und gemeinsam erreichten wir Augsburg pünktlich zum Mittagessen. Nachdem wir einen FCA-Supporter nach dem Weg zum Stadion fragten, waren wir zu dritt und steuerten der bayrischen Tradition entsprechend den nächsten Biergarten an. Nach Weißbier und –wurst wurde aus dem Trio ein Quintett, denn die „leicht“ verspäteten Wupperhopper schafften es dann doch noch ins Schwabenland. Gemächlich schlenderten wir  dann durch einen Park Richtung Stadion und eine gute halbe Stunde vor Anpfiff saßen wir auf der schön schattigen Tribüne und warteten auf die Protagonisten des heutigen Tages. 

 

 

 
Spiel:

Nach einer durchaus als furios zu bezeichnenden Augsburger Anfangsviertelstunde verflachte die Partie zusehends. Einziges Highlight war das Gästetor kurz vor der Halbzeit, das aus dem ersten Angriff der Koblenzer erzielt wurde. Das schwache Spiel setzte sich im zweiten Durchgang fort und erst in den letzten zehn Minuten kam noch mal Leben in die Partie, weil sich der FC Augsburg wohl dachte, dass Verlieren irgendwie Scheiße ist. Passiert ist dann letztlich gar nix mehr, sieht man mal von den Jubelorgien beider Fanblocks nach dem Schlusspfiff ab.  

Tor: 0:1 (45. Min.) Nessos

Stimmung:

Mehr als 10.000 Zuschauer sind objektiv betrachtet natürlich keine schlechte Hausnummer für eine Regionalliga Süd- Partie, aber irgendwie hatten wir doch mit deutlich mehr Besuchern gerechnet. Für die Augsburger kann man zumindest noch die Entschuldigungen gelten lassen, dass es erst das drittletzte Heimspiel war und zudem der Aufstieg seit letztem Mittwoch perfekt war. Aber für Koblenz ging es auch um den Aufstieg und der Sonderzug kostete gerade mal 10 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Aber mehr als 1.000 Fans sind aus Rheinland-Pfalz dann doch nicht mit nach Bayern gefahren. Die, die dann doch mitgefahren sind, veranstalteten 90 Minuten Sing-Sang. Der heimische Fanblock präsentierte zwar so was Ähnliches wie eine kleine Choreo, aber rein supportmäßig lief da heute nicht viel zusammen.

Fazit: Spiel schlecht, Stimmung nicht sonderlich berauschend, aber dafür entschädigte das wunderschöne Stadion.

Vereine:

Im Jahre 1907 wurde der FC unter dem FC Alemannia Augsburg gegründet und 1921 in BC Augsburg umbenannt. 1935 fusionierte der BC mit dem Sportverein Kiregshaber und konnte ein paar Jahre später einen zweiten Platz in der Gauliga als bis dahin größten Erfolg feiern. Nach 1945 spielte der Verein zunächst in der Oberliga Süd, woraus er aber 1947 abstieg, aber nach nur einem Jahr den sofortigen Wiederaufstieg feiern konnte. Gleiches Schicksal widerfuhr den Augsburgern Anfang der 60er Jahre (1961 Abstieg, 1962 Aufstieg), übrigens mit Helmut Haller, der 1963 zum FC Bologna nach Italien wechselte. Bei Einführung der Bundesliga wurde der BC Augsburg nicht berücksichtigt und spielte fortan zweitklassig in der Regionalliga Süd, woraus er aber 1964 abstieg. Nach zwei Jahren in der Bayernliga gelang der Wideraufstieg, aber nach nur einem Jahr spielte der Verein wieder nur drittklassig. Am 15.07.1969 fusionierte der mittlerweile sportlich schwer angeschlagene BC mit dem Traditionsverein TSV 1847 Schwaben Augsburg und hieß ab diesem Zeitpunkt FC. 1973 gelang dem FC Augsburg die Rückkehr in die Regionalliga Süd, die später in der 2. Bundesliga Süd aufging. Für ein Jahr musste der Verein dann wieder zurück in die Bayernliga (1979), konnte die Klasse wieder ein paar Jahre halten, ehe es dann endgültig in die Drittklassigkeit (1983) ging. 1994 wurde der FCA Meister der Bayernliga, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen an Fortuna Düsseldorf. Im Jahre 2000 qualifizierte sich der Club sportlich für die Regionalliga, da aber ein Sponsor absprang, verweigerte der DFB die Lizenz und der FC Augsburg musste in der Bayernliga (nun vierthöchste Spielklasse) verbleiben. Erst 2002 gelang der Aufstieg in die Regionalliga Süd und dort wurde man prompt Dritter. Zwei Jahre später stand der Verein kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, verlor aber das entscheidende Spiel (nach 20 Spielen ohne Niederlagen) am letzten Spieltag gegen Jahn Regensburg in den letzten Spielminuten.

Im Jahre 1900 wurde der erste Koblenzer Fußballverein unter dem Namen FC 1900 gegründet. 1911 gab es mit der Gründung des FC Deutschland (!) und 1919 mit der Gründung des FV Neuendorf zwei weitere Vereine, die 1934 zu einem Verein zusammengeschlossen wurden. Als offizielles Gründungsdatum gibt der TuS Koblenz den 01.08.1911, also identisch mit dem Gründungsdatum des FC Deutschland, an. Aber erst in den letzten Jahren (1994 Aufstieg in die Oberliga Südwest und 2004 Aufstieg in die Regionalliga Süd) sorgte der TuS Koblenz für überregionale Schlagzeilen.

Stadion:

Für eine aus heutiger Sicht unglaublich kleine Summe (ca. 1,8 Mio. DM) wurde 1949 mit dem Bau des Augsburger Rosenaustadions begonnen. Zwei Jahre später, am 19.09.1951, wurde die Mehrzweckanlage offiziell mit dem B-Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich (51.000 Zuschauer) eröffnet und nur ein Jahr später sahen hier 52.000 Zuschauer das A-Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz. Errichtet wurde das Stadion auf den Trümmern des Krieges und war bei der Eröffnung das drittgrößte Stadion Deutschlands. Schon 1955 wurden im Rosenaustadion die ersten Flutlichtmasten installiert und nach und nach wurden die Holzbänke durch Plastiksitze ausgetauscht. Hauptnutzer des Stadions war und ist der FC Augsburg, wobei auch viele andere Sportarten hier ihren Platz fanden. Aber auch einige Länderspiele wurden hier ebenso ausgetragen wie vier Vorrundenspiele des olympischen Fußballturniers 1972.

Das Stadion verfügt über eine Kapazität von 32.354 Plätzen, die sich wie folgt verteilen: 2.823 Sitzplätze auf der überdachten Haupttribüne, 2.048 nicht überdachte Sitzplätze und der Rest sind Stehplätze.

Wenn man sich die Gegengerade mit den sich daran anschließenden abfallenden Kurven anschaut, fühlt man sich irgendwie an das alte Gelsenkirchener Parkstadion erinnert. In der Mitte der Gegengeraden gibt es einfach grüne Sitzbänke, während die Kurven offiziell als Stehplätze ausgewiesen ist. Architektonisch sehr schön und schlicht ist die lang gezogene überdachte Haupttribüne, die sich entlang der Geraden (!) leicht geschwungen darstellt. In der Mitte ist der Abstand zum Platz am größten. Der Sinn dieser Bauweise lässt sich auf den ersten Blick nicht erschließen. Obwohl die Tribüne nur aus einem Rang besteht, darf sie wohl als einer der schönsten in diesem Land gelten. Allein die Bestuhlung, die eher an ein Klassenzimmer als ein Stadion erinnert, bestärkt diesen Eindruck.

Mit dem Aufstieg des FC Augsburg in die 2. Bundesliga plant der Verein einen Neubau an anderer Stelle. Sollten sich diese Pläne verwirklichen lassen, ist das das Ende des Rosenaustadions.   

 

 

 

 

 

 

 

Tageskilometer:              1.424 km mit der Bahn von Berlin nach Augsburg und zurück

Saisonkilometer:          40.038 km (10.984 km Flugzeug, 21.174 Km Bahn, 8.000 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an den Kölner, die beiden Wupperhopper und vor allen Dingen an den Günzburger!

 
[zurück zur Übersicht]