[zurück zur Übersicht]

 

                  Barclays Premiership, Saison 05/06, 22.01.06              

 

   1:1  

 

Chelsea F. C. - Charlton Athletic F. C.

 

London, Stamford Bridge (41.355 Zuschauer)

 

 

Rückblick: Beim Spiel am vergangenen Montag versprach mir ein Vereinsoffizieller von Staines, sich um ein Ticket für das heutige Spiel zu kümmern. Am Mittwoch habe ich dann kurz nachgefragt, aber ohne positive Nachricht. Eigentlich waren mir die (mindestens) 45 Pfund eh schon viel zu viel und alternativ hatte ich mich schon mit der englischen Damenliga auseinandergesetzt. Am Donnerstagabend klingelte dann noch das mobile Telefon und am anderen Ende der Leitung war der Vereinsoffizielle. Ticket ist auf meinen Namen hinterlegt! Na, vielen Dank, kurz nach dem Preis gefragt und als Antwort 60 Pfund bekommen. Während ich die erneuten Worte des Dankes aussprach, habe ich mich innerlich natürlich geärgert. 60 Pfund, sprich 90 Euro, für ein stinknormales Ligaspiel – das sind ungerechnet 10 Karten für ein Heimspiel bei dem kleinen sympathischen Arbeiterverein aus Gelsenkirchen. Andererseits muss man manchmal auch durch ein Tal der Tränen. Meine englischen Freunde haben mir durch die Bank alle davon abgeraten zu Chelsea zu gehen. Keine Atmosphäre, nur der blanke Kommerz! Aber es gibt nix Schlimmeres, als sich seine Meinung aufgrund von Hören & Sagen zu bilden.  Meine zweite Frage lautete auch gleich – immer noch mit höflich gespielter Freundlichkeit – wo ich dann diese Schnäppchen bezahlen kann. Die Antwort lautete daraufhin: „You are my guest!“  Bums – sofort wurden die innerlichen und äußerlichen Gefühlsregungen eins.

Sonntagmorgen, 11 Uhr. Da stand ich nun am Südeingang, gleich neben dem Fanshop und nahm meine Eintrittskarte in Empfang. Kurz mit dem Gedanken gespielt, diese für den doppelten Preis an einen Japaner zu verkaufen, diesen aber dann doch schnell wieder verworfen. Da bis zum Anstoß noch ein bisschen Zeit war, bin ich dann mit den sonntäglich erscheinenden Sportzeitschriften bewaffnet in einen Pub marschiert. Kaffee gab es keinen, also für 3 Pfund dann doch ein Bier bestellt. Aber so richtig wohlig wurde mir da nicht.

Viel zu früh ging es dann durch die Drehkreuze die Treppe rauf in den Oberrang. Natürlich wieder reines Nichtraucherstadion! Hass! Auf ein Budweiser aus einer Plastikflasche umgefüllt in einen Plastikbecher für drei Pfund habe ich ebenso verzichtet, wie auf einen Burger für drei Pfund. Einzig das obligatorische Programmheft – ebenfalls drei Pfund – wurde gekauft. Sonst fiel noch auf, dass auf jeden Zuschauer ein gefühlter Ordner kam. Kein Wunder also, dass ich zum ersten und einzigen Mal während dieser Tour Fotoverbot bekam. Der „60 Pfund-Platz“ befand sich übrigens im Oberrang der Gegentribüne ganz außen.

Vor mir saßen Japaner und hinter mir Schweden. Über den Plätzen sorgten Heizstrahler für wohlige Atmosphäre.  

 

 
Spiel:

Das Spiel passte sich ganz hervorragend den von mir empfunden Gegebenheiten an. Langweile pur. Chelsea zwar optisch überlegen, aber irgendwie lustlos. Charlton spielte gar nicht mal so schlecht und kam Mitte der zweiten Halbzeit zum verdienten Ausgleich.

Tore: 1:0 (19. Min.) Gudjohnsen, 1:1 (59. Min.) Bent

Stimmung:

Lausig wie das Spiel. Wenn so was wie Stimmung aufkam, dann nur aus den Unterrängen der beiden Hintertorseiten. Wenn so der Fußball der Neuzeit aussieht, dann gute Nacht, Marie!

Vereine:

Für englische Verhältnisse wurde Chelsea erst recht spät, nämlich im Jahre 1905 gegründet. Mit zwei Meistertiteln kann sich der Verein rühmen. Pünktlich zum 50jährigen Vereinsjubiläum 1955 und zum 100jährigen im Jahre 2005. Dazu kommen noch drei FA-Cup-Siege in den Jahren 1970, 1997 und 2000.

Genau so alt wie Chelsea ist Charlton Athletic (gegründet 1905). Ein Pokalsieg 1947 ist der einzige Titel mit dem sich der Verein schmücken kann. Seit dem zweiten Weltkrieg spielte der Verein meist unterhalb der Premierleague.

Stadion:

Obwohl es Chelsea erst seit 1905 gibt, ist das Stadion an der Stamford Bridge viel älter. Erbaut wurde es 1877 und anfangs als Leichtathletikstadion genutzt. Zunächst wurde das Stadion Fulham F. C. angeboten, dieser Club verzichtete aber und so kam der neu gegründete Fußballclub Chelsea in den Genuss dieser Anlage. Baumeister war übrigens Archibald Leitch, der wohl berühmteste Stadionarchitekt Großbritanniens. Dieser war in über 20 Stadionprojekten involviert. Früher was das Stadion ovalförmig und erinnerte an die Vergangenheit des Leichtathletikstadions. Später wurden die Kurven abgerissen und neue Tribünen gebaut. Die alte Haupttribüne und die Gegengerade dürften daher viel älter sein. Rein optisch ist das Stadion sehenswert. Schön eng gebaut mit einer übersichtlichen Kapazität von ca. 42.000 Zuschauern. Die Hintertorseiten bestehen aus zwei Rängen, die Seiten entlang der Längsseiten aus drei Rängen. Selbstverständlich alles überdachte Sitzplätze. Dadurch, dass die Hintertorseiten niedriger sind als die anderen Seiten, mutete die Dachkonstruktion etwas gewagt.

 

 

 

 

Tageskilometer:                  

Saisonkilometer:           24.076 km (6.842 km Flugzeug, 10.874 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

 
 
 
[zurück zur Übersicht]