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                  Oberliga Westfalen, Saison 05/06, 14.08.05                                 

 

   0:4  

 

VfB Fichte BielefeldFC Schalke 04 II

 

Bielefeld, Stadion Rußheide (ca. 300 Zuschauer)

 

 

Auf der Rückfahrt von Almelo in die verbotene Stadt passierte gar nix und kurz vor dem zu Bettchen gehen, haben wir uns beim großen Mitwerber des goldenen M noch zwei fette Burger auf die Hüften geschmiert. Durch die Buchung des Komplettpakets Übernachtung mit Frühstück inklusive Internetnutzung im Hotel Derbyverlierer wurde erstmal richtig ausgeschlafen und nachdem der Kühlschrank vollständig geplündert war, ging es zurück Richtung Berlin, allerdings mit einem kleinen Zwischenstopp in Bielefeld.

Die Zusammensetzung der Oberliga Westfalen verdeutlicht ziemlich klar das Dilemma im deutschen Amateurfußball. Ein Drittel der Mannschaften sind so genannte Zweitvertretungen, die aufgrund des finanziellen Backgrounds auch fast alle (konsequenterweise) Staffelfavoriten sind.  Dahinter befinden sich noch ein paar Traditionsvereine wie Westfalia Herne oder die SpVgg Erkenschwick, die eh schon ziemlich klamm und dadurch auch sportlich hintendran sind. Da eben die „richtigen“ Vereine auf Sponsorengelder und Zuschauereinnahmen in einem wesentlich höheren Maße angewiesen sind, als die unattraktiven Zweitvertretungen, sinken mit Zunahme dieser vermeintlichen Ausbildungslager in der Liga auch die Attraktivität und damit auch die finanziellen Möglichkeiten. Aber diesen Rattenschwanz kann eigentlich nur der Deutsche Fußballbund abschneiden. Aber den interessiert das natürlich auch nicht, denn dessen Geldgelber haben eine viel bessere Lobby als zum Beispiel der heutige Gastgeber VfB Fichte Bielefeld. Eine einzige Ausnahme bei den Zweitvertretungen gibt es natürlich, denn von Schalke kann man ja bekanntlich nie genug bekommen (Achtung Ironie, wenn es nach mir geht, soll endlich eine eigene Reserverunde für die Kandidaten eingeführt werden).

Die Bielefelder sind einen Weg gegangen, der bei den Traditionalisten unter den Fußballfans höchst umstritten ist, denn er entstand vor ziemlich genau sechs Jahren aus der Fusion des VfB 03 Bielefeld und der SpVgg Fichte Bielefeld. Vor der Fusion kickten beide Vereine an der Rußheide und behinderten sich in Sachen Werbeeinnahmen und sportlichem Aufstieg gegenseitig. Aus Sicht der Klubs sicherlich ein nachvollziehbarer Weg. Beide Vereine konnten bis zur Verschmelzung auf eine interessante Historie zurück blicken. Der VfB 03 hatte seine Blütezeit in den 30er Jahren und gewann 1931 sogar einmal die westdeutsche Meisterschaft. Die Spielvereinigung Fichte 06/07 (wiederum ein Fusionsverein: SpVgg 06 und der Arbeitersportverein FTS Fichte) zwar sportlich nicht so erfolgreich, aber eine Westfalenmeisterschaft steht als größter Vereinserfolg in den Analen. Nach 1933 wurde der Verein aufgrund seiner Nähe zum Arbeitersport von den damaligen Machthabern verboten.

 

 
Spiel:

Klar gewonnen und wahrscheinlich doch keine Punkte? Kurz vor dem Anpfiff eilte auf einmal eine Handvoll Betreuer beider Mannschaften in den Mittelkreis und begann eine wilde Diskussion in deren Mittelpunkt wohl Juniorennationalmannschaftstorwart Manuel Neuer stand. Wie sich im Nachhinein herausstellte, stand auf dem offiziellen Spielberichtsbogen aber ein ganz anderer Name, nämlich der von Manuel Lenz, der aber seit Saisonbeginn für den Wuppertaler SV spielt. Die Schalker bemerkten den Fehler zwar noch vor dem Anpfiff, allerdings wurde der Spielberichtsbogen nicht mehr korrigiert. Naja, bleibt abzuwarten wie der Verband entscheidet. Peinlich allerdings, dass ein Verein der so hoch hinaus will, nicht in der Lage ist, eine vernünftige Aufstellung zu präsentieren.

Zum Sportlichen: Zwei Minuten nach dem verzögerten Anpfiff konnte Schalkes große Nachwuchshoffnung Laumann den Ball ins Tor befördern. In der Folgezeit waren beide Mannschaften gleichwertig. Spielentscheidend war der Elfmeterpfiff für die Bielefelder nach gut einer halben Stunde. Dieser wurde nämlich vom Schalker Schlussmann gehalten und zwei Minuten später gab es wieder einen 11er, den Aziz zum 0:2 verwandelte. Im zweiten Durchgang konnte Fichte nicht mehr an die Leistung der ersten 45 Minuten anknüpfen und kassierte gegen die keinesfalls überlegenen Schalker noch die Treffer drei und vier.

Tore: 0:1 (2. Min.) Laumann, 0:2 (36. Min.) Aziz, 0:3 (72. Min.) Jansen, 0:4 (90. Min.) Aziz

Stimmung:

Traurigerweise waren lediglich eine Handvoll Schalker in Bielefeld vertreten. Der VfB Fichte Bielefeld verfügt über ein Dutzend Supporter, die heute aber auch meist nur optisch in Erscheinung traten. Der Rest der Zuschauer verfolgte das Spiel fast schon emotionslos.

 
Stadion:

Die 12.000 Zuschauer fassende Spielstätte des VfB Fichte Bielefeld ist kein sonderlich schöner Prachtbau. Rundherum gibt es acht Stufen und auf der Hauptseite wurden eben auf diese Stufen ein paar Sitzreihen genagelt. Zusätzlich wurden die Sitzplätze mit einer einfachen Konstruktion überdacht. Für potentielle Besucher der Rußheide sei die Vereinsgaststätte ans Herz gelegt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Stadion Rußheide recht einfach zu erreichen. Entweder per pedes durch die Fußgängerzone bis zum Jahnplatz oder einfach eine Station mit der U-Bahn dorthin fahren. Ab dem Jahnplatz gibt es etliche Buslinien (z. B. 21, 22, 26) die in Richtung Heepen fahren. Nach ca. 5 Minuten Fahrt einfach am Ostbahnhof aussteigen und nach ca. 400 Metern erreicht man das Stadion.

 

 

 

 
 

Tageskilometer:                  164 km mit dem KFZ Almelo-Dortmund, 461 von Dortmund über Bielefeld nach Berlin

Saisonkilometer:           12.022 km (5.900 km Flugzeug, 4.332 Km Bahn, 1.170 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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