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            Veikkausliiga, Saison 2005, 21.07.2005                      

 

   1:4  

 

FC Inter Turku Myllykosken Pallo-47

 

 Turku, Veritas Stadion (3.734 Zuschauer)

 

 

 

„Masse statt Klasse - Tour 2005“

 

„Der Este an sich ist ja ein Lette!“ mit diesem weisen Ausspruch starteten Renato und ich am Mittwoch von Berlin-Schönefeld gen Tallinn. Der low-price-carrier brachte uns sicher in nur 80 Minuten in die estnische Landeshauptstadt, wo wir allerdings noch mal fast die gleiche Zeitspanne auf unsere Gepäckstücke warten mussten.  Danach fix die ersten Kronen am Geldautomat erspielt und zur Belohnung gab es ein echtes ROCK-Bier. Mit dem Bus Nr. 2 fuhren wir dann erst mal in Richtung Innenstadt, in der wir ziemlich planlos umherirrten. Aber eine Karaoke-Bar durfte sich über unser Erscheinen freuen und bei schrägem Gesang und einem kleinen Smalltalk mit Mikka aus Helsinki glitten wir in die Nacht hinein. Gegen ein Uhr beendeten wir dann das kleine Trinkgelage und gönnten uns ein Taxi zum Hotel. Doch Chelsea TV und das Spiel Bröndby gegen Midtiylland brachten uns um den wohlverdienten Schlaf. Am nächsten Morgen riss uns die Weckfunktion zweier Mobiltelefone aus den süßesten Träumen, denn kaum in Tallinn angekommen, mussten wir die schöne Ostseestadt wieder verlassen.  Wir kommen wieder, keine Frage. Also rein in die Frühstücksbar und zehn Minuten später wieder raus. Per Pedes trabten wir nach dem spärlichen Mahl zum Hafen und dort angekommen sofort rein in den Terminal der Viking-Line. Beim Bezahlen der Überfahrtsbillets nach Helsinki dann der erste Schreck: EC-Karte futsch. In Windeseile alles noch mal durchgesucht mit dem gleichen Ergebnis wie vor der Razzia. Scheiß Geldautomaten in Estland, denn wenn die Kohle noch vor der Karte rauskommt, werden eingefahrene Motoriken schnell außer Kraft gesetzt. Also schnell zu Hause angerufen, Karte sperren lassen und während die Fähre noch in ihrem Becken lag, mussten wir einen kassensturz vornehmen. Clevererweise hatte Renato seine EC-Karte gleich ganz zu Hause gelassen und nun mussten wir die nächsten sieben Tage auf Sparfunktion laufen. Aber vielleicht, so unsere Hoffnung, kann man bei estnischen Drittligisten auch mit diversen Kreditkarten (denn davon hatten wir eigentlich reichlich) bezahlen.

 

Bei strahlendem Sonnenschein bestiegen wir um Punkt acht Uhr das Prunkstück der baltischen Flotte mit dem melodischen Namen „Rosella“. Auf dem Sonnendeck bei scharfen R&B-Rhythmen überquerten wir die Ostsee und erreichten nach drei Stunden Helsinki. Nach Verlassen des Fährgebäudes steuerten wir zielgenau zwei Fuzzis von der Tourist-Info an. Ein guter Service, denn nun wussten wir, wie man am schnellsten zum zentralen Busbahnhof gelang. Allerdings zog sich der Weg wie Kaugummi und unsere vollbeladenen Rücksäcke verhinderten einen zügigen Marsch. Am Ziel angelangt, war erstmal die Verwirrung groß, denn der Neubau war ein wenig unübersichtlich. Aber sämtliche von uns angefragten Finnen war stets nett und sehr hilfsbereit. Jeder sprach vorzüglich Englisch! Daran sollten sich mal unsere Bundesmitbürger ein Beispiel nehmen.

Nach zwei Stunden Fahrt in dem spärlich besetzten Express-Luxusbus landeten wir dann im Herzen Turkus, welches ja bekanntlich die Wiege der finnischen Weihnachtskultur ist. Aber aufgrund der Jahreszeit haben wir davon leider nicht viel mitbekommen. Ansonsten, aber dieses Wissen setzte ich bei meiner Leserschaft mal voraus, ist Turku die älteste Stadt Finnlands und verfügt über die schönste Schärenregion der Welt (offizielle Angabe der Touristeninformation Turku). Genüsslich, später schweißgebadet, schlenderten wir dann erst mal zum Youth Hostel. Nach kurzem Check der Lage und Trikotwechsel (aus Ersparnisgründen zog ich Renato’s Shirt an und er meins – nein, kleiner Scherz – wir haben die einfach auf links gedreht) stand Sightseeing auf dem Programm. Erster Besichtungspunkt war das Paavo-Nurmen-Stadion, welches sich als sehr schöne Anlage präsentierte, in der aber anscheinend nur der Leichtathletiksport betrieben wird. Die restliche Zeit bis zum Anstoß überbrückten wir dann mit Flanieren und Käffchen trinken. Eine Stunde vor Spielbeginn betraten wir dann etwas verfrüht das Veritas-Stadion. Das erste und letzte Bier des Tages kostete nur 4 Euro (0,3 l), schmeckte dafür aber schauderlich.

 

 
Spiel:

Von der Tabellenkonstellation her war die heutige Ansetzung ein echtes Spitzenspiel. Der 4. (11 Spiele, 20 Punkte) empfing den Tabellenführer (14 Spiele, 31 Punkte). Von Beginn an versteckten sich beide Mannschaften nicht und suchten ihr Glück in der Offensive. Inter ging bereits nach drei Minuten in Führung um nach nur 14 Minuten in Rückstand zu geraten. Das Spiel war technisch ganz nett anzusehen und erstaunlich fair.

Tore: 1:0 (3. Min) Tomi Petrescu, 1:1 (10. Min.) Niki Helenius, 1:2 (14. Min.) Niki Helenius, 1:3 (51. Min.) Adriano, 1:4 (58. Min.) Eetu Muinonen.

Stimmung:

Trotz der „Ultraboyz“, die eindeutig der Fanszene des FC Inter zuzurechnen sind, war die Stimmung richtig scheiße. Ein paar Mal auf die Pauke gehauen, garniert mit Pöbeleinlagen und fertig war ein finnischer Erstligasupport.  Die wenigen Fans aus Myllykosken saßen auf der Haupttribüne und waren nur beim Torjubel zu vernehmen.

Vereine:

Der FC Inter Turku wurde erst im Jahre 1990 gegründet und stieg 1996 erstmalig in die erste Liga auf. Nach zweijährigem Intermezzo stieg Inter 1997 ab. Aber 1999 gelang dem Verein die Rückkehr in die höchste Spielklasse Finnlands.

MyPa-47, so die gebräuchliche Abkürzung für Myllykosken Pallo-47, wurde 1947 gegründet. 1975 war der Verein für eine Spielzeit in der ersten Liga und kehrte dahin erst wieder 1992 zurück. Aus diesem Jahr datiert der bis dahin größte Vereinserfolg: Pokalsieg. Eine Wiederholung schaffte MyPa 1995. Dadurch war man zweimal im Europapokal der Pokalsieger vertreten und dazu spielte der Verein noch dreimal im UEFA-Cup mit.

 

Stadion:

Die heutige Gegengerade des Veritas-Stadions ist noch aus dem Jahre 1952, als einige Fußballspiele während der Olympischen Spiele in Turku ausgetragen wurden. Die heutige Haupttribüne dürfte erst ein paar Jahre alt sein und trotzt vor Luxus. Logen, Restaurant, Fanshop und Geschäftsstelle befinden sich in diesem Gebäude. Auf den Ausbau der Hintertorseiten wurde ganz verzichtet. Dies wohl auch zu Recht, denn in der letzten Saison hatte Inter, welches sich das Stadion mit Turku PS teilt, einen Zuschauerschnitt von 3.400 Zuschauern und der Zuschauerrekord lag bei 7.000 im Derby. Somit ist die Kapazität von 9.000 Sitzplätzen vollkommen ausreichend.

 

 

 

Tageskilometer:             ca. 1.000 km Flug von Berlin nach Tallinn, 85 km Fähre und 165 km Bus

Saisonkilometer:            7.428 km (4.900 km Flugzeug, 1.764 Km Bahn, 514 km KFZ, 85 km Fähre, 165 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

FORTSETZUNG...

 

Diesmal Grüße einfach mal so an Borussentom, Robert, Henne aus FFM, Nobbi aus N. und den Augsburger!

 

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