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                  FA-Cup, Saison 05/06, 17.01.06                 

 

   3:2 n. V.  

 

Reading F. C.   West Bromwich Albion F. C.

 

Reading, Madejski Stadium (16.737 Zuschauer)

 

 

Tag 4 im Vereinigten Königreich – Spiel 4.

Es ist zwar nicht originell, die gleiche Einleitung zu gebrauchen wie im Bericht zuvor, aber die Tatsachen lassen leider keine stilistischen Feinheiten zu. Daher: Eigentlich stand heute die Partie von Woking gegen Aldershot auf dem Programm, da aber dieses hochinteressante Derby in der National-Conference einem Pokalwiederholungsspiel weichen musste, schloss ich mich wieder Lee (und neu dabei, die Gemahlin) an und so fuhren wir eben zum FA-Cup-Wiederholungsspiel des nächstjährigen Premiership-Aufsteigers Reading F. C. Gegner wie schon am Sonntag in Wigan war wieder der West Bromwich Albion F. C. Das Hinspiel vor einer Woche endete übrigens 1:1. Der Modus besagt, dass nach einem Hinspiel (90 Minuten) ein Rückspiel notwendig sei und zwar auf dem Platz des Gegners. Erst dann kommt es zu einer evtl. Verlängerung oder gar Elfmeterschießen. Bis vor einigen Jahren war dies übrigens nicht so und es wurde solange eine Wiederholung ausgespielt bis es einen Sieger gab. Der älteste Fußballwettbewerb der Welt weist aber noch weitere Besonderheiten auf. Bei der Auslosung der Paarung wird so gespielt wie gezogen, dass heißt, dass der klassentiefere Verein nicht automatisch Heimrecht hat. Im Prinzip dürfen alle Mannschaften bis zum zehnten Level teilnehmen, dazu noch die, die im Vorjahr in den „untergeordneten“ Pokalwettbewerben, wie der FA-Vase oder der FA-Trophy, teilgenommen haben. Alle Vereine müssen aber über ein Stadion verfügen, welches einen gewissen Mindeststandard erfüllt. Obwohl der FA-Cup in England einen großen Stellenwert hat, melden nicht alle Vereine. In diesem Jahr waren 674 Teams am Start. Der Sieger wird in nicht weniger als 14 Runden ausgespielt. Die erste Runde heißt „Extra Preliminary Round Winner“ und wird im August ausgespielt. Preisgeld für die Siegerteams: 500 Pfund. Danach kommt die „Preliminary Round winners“-Runde (1.000 Pfund) und dann erst die eigentlich erste Runde. Topteams wird man auch hier noch vergeblich suchen, denn die Premier-League- und Championship-Clubs nehmen erst ab Runde drei teil (League One- und League Two-Clubs eine Runde früher). Das Preisgeld für die Siegerteams ist genau so transparent (z. B. 1 Mio. für den Gewinner des Finales oder 40.000 Pfund für die Gewinner der dritten Runde) wie die Verteilung der Fernsehgelder (z. B. 75.000 Pfund für eine Liveübertragung eines Erstrundenspiels bzw. 13.000 Pfund für Ausschnitte vom Spiel). Der diesjährige Cup wird zum 125. Mal ausgespielt und das erste FA-Cup-Finale gewannen die Wanderers F. C. gegen die Royal Engineers im Jahre 1872 mit 1:0.

In Reading angekommen war ein Bus von Nöten, um zum Stadion gelangen. Natürlich waren wir wieder viel zu früh vor Ort und so enterten wir mangels Alternativen ca. eine Stunde vor dem Anpfiff die Drehkreuze.

 

 
Spiel:

Obwohl der FA-Cup in England einen großen Stellenwert hat, verzichteten beide Teams auf einige Top-Akteure. Für die Gastgeber ist der Aufstieg in die Premier League wichtiger und West Bromwich der Klassenerhalt in Englands höchster Liga. Reading bestimmte zwar die Partie, West Bromwich nutze aber zwei von drei Möglichkeiten eiskalt zur komfortablen Pausenführung. Ähnlich drangvoll ging Reading in Halbzeit zwei zu Werke und konnte sich froh und glücklich schätzen, Leroy Lita zu Saisonbeginn von Bristol City für eine Millionen Pfund gekauft zu haben. Diesem gelang erst der Anschlusstreffer (50. Minute), dann der Ausgleich (65. Minute) und zu Beginn der Verlängerung schließlich der Siegtreffer (93. Minute). In dieser Extraspielzeit konnte West Bromwich das Blatt nicht mehr wenden; eher im Gegenteil, denn Reading hatte noch einige dicke Chancen, das Spiel viel früher zu entscheiden.

Fazit: Klasse Pokalspiel!

Tore: 0:1 (9. Min.) Chaplow, 0:2 (31. Minute) Chaplow, 1:2 (50. Min.) Lita, 2:2 (65. Min.) Lita, 3:2 (93. Min.) Lita

Stimmung:

Die Stimmung passte sich dem Spiel gut an. Zunächst waren natürlich die Gästeanhänger die akustisch wesentlich auffälligeren Kraft im Stadion. Als sich jedoch das Blatt zu Gunsten von Reading zu wenden schien, peitschten die Einheimischen an. Nicht alles sonderlich spektakulär, dafür aber ganz ordentlich. Ungewöhnlich für englische Verhältnisse waren die beiden Trommler in Fanblock. Diese schafften es tatsächlich das „neutrale“ Publikum zu begeistern.

Vereine:

Auch der Reading F. C. kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde der Verein bereits im Jahre 1871 und war zunächst unter dem Namen „Biscuitmen“ bekannt. Der Grund für diesen doch recht ungewöhnlichen Spitznamen war wohl die nahe gelegene Keksfabrik Huntley & Palmers. Später änderte der Verein dann seinen Spitznamen in „Royals“. 1920 wurde der Verein in die Third Division eingestuft. Später etablierte er sich in der zweithöchsten Spielklasse. In der Saison 94/95 wurden die „Royals“ Zweiter, was normalerweise den Direktaufstieg in die Premier League bedeutet hätte. Da aber genau in diesem Jahr die Anzahl der Mannschaften in Englands Topliga verringert wurde, musste der Reading F. C. Playoff-Spiele bestreiten (übrigens erfolglos). Unter normalen Umständen dürfte dem Aufstieg in diesem Jahr nichts mehr im Wege stehen.

Der West Bromwich Albion F. C. wurde im Jahre 1878 von Arbeitern einer Sprungfedernfabrik gegründet. Er war Gründungsmitglied der englischen Football League und die erste englische Mannschaft, die in Russland und auch in der in Volksrepublik China (1978) spielte. Eine Meisterschaft (1920) und fünf FA-Cup-Titel (1888, 1892, 1931, 1954 und 1968) zieren den Briefkopf der Albions. Die Albions haben übrigens gleich zwei Spitznamen. „The Trostles“, weil im Vereinswappen Drosseln abgebildet sind und „The Baggies“, weil die Spieler einst viel zu weite Hosen trugen. In der letzten Saison schaffte West Bromwich übrigens das Kunststück, an Weihnachten noch Tabellenletzter zu sein und trotzdem nicht absteigen zu müssen (als erstem Verein seit Bestehen der Liga). Am hochdramatischen letzten Spieltag schoben sich die Albions vom letzten Platz noch an Norwich, Southampton und Crystal Palace vorbei.

Stadion:

Das Madjeski Stadium ist eines der wenigen Stadien in England, das nach einer lebenden Person benannt ist. John Madejski ist laut der „Times“ der 142st-reichste Mann in Großbritannien mit einem geschätzten Vermögen von über 300 Millionen Pfund. Das Stadion inklusive Hotel gehört ihm und hat ca. 50 Millionen Pfund gekostet.

Für einen Neubau sieht die Spielstätte gar nicht mal so schlecht aus. Es fasst rund 24.000 Zuschauer und ist natürlich ein All-Seater. Bis auf die Haupttribüne besteht es aus nur einem Rang, wobei die Ecken zugebaut sind. Die Farbe der Sitze ist blau, mit Ausnahme derer, die die weißen Buchstaben des Stadionnamens abbilden. Natürlich ist es komplett überdacht.

 

 

 

Tageskilometer:                   132 km mit der Bahn von London nach Reading und zurück

Saisonkilometer:           23.396 km (6.842 km Flugzeug, 10.194 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an Magda und Lee

 

 
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