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                         Oberliga Nord, Saison 05/06, 01.05.06                                  

 

   4:0  

 

SV WilhelmshavenTSV Kropp

Wilhelmshaven, Jadestadion (1.000 Zuschauer)

 

 

Trotz des Feiertags galt an diesem Montag das MCD-Ticket der Deutschen Bahn und so konnte man beruhigt den traditionellen Mai-Krawallen in der Hauptstadt den Rücken kehren. Viel Auswahl bot der Match-Kalender allerdings nicht, einzig die Oberliga Nord nutzte den Tag der Arbeit für die noch ausstehenden Nachholspiele. Ein echtes Spitzenspiel gab es nicht und daher musste das vermeintlich attraktivste Stadion als Entscheidungsgrundlage dienen. Unschwer zu erkennen, dass die Wahl auf das Wilhelmshavener Jadestadion am gleichnamigen Busen fiel. Der SV Wilhelmshaven ist zudem noch Tabellenführer der Staffel und hat gute Chancen, in die Regionalliga aufzusteigen. Härtester Konkurrenz sind zurzeit die Vollprofis des VfL Wolfsburg II, denen man den Aufstieg natürlich gar nicht gönnt. Als Gast wurde heute der TSV Kropp empfangen, bei dem immer noch Oliver Held spielt und der sich gerade bei den Anhängern des 1. FC Köln großer Beliebtheit erfreut.

Dank der Umstiege in Hannover, Bremen und Oldenburg war die gut vierstündige Fahrt an die Nordsee kurzweilig. Im beschaulichen Wilhelmshaven angekommen wurde der Busbahnhof auf Anhieb gefunden (einfach durch die Einkaufspassage durch) und keine 10 Minuten später befand ich mich in unmittelbarer Stadionnähe. Der Rest war Routine, mag heißen einfach den Einheimischen hinterher. 

 

 
Spiel:

Ohne Übertreibung möchte ich mal ganz kühn behaupten, dass ein 14:0 (anstatt des 4:0) auch noch gerecht gewesen wäre. Es spielte nur der SV Wilhelmshaven, der dem Gegner in absolut allen Belangen überlegen war. Teilweise wurden den Zuschauern richtig schöne Kombinationen dargeboten. Einzig die mangelnde Chancenauswertung darf man den Herren in den rot-schwarzen Trikots (dazu ganz elegant gelb-rote Stutzen) zum Vorwurf machen, dabei fing es äußerst viel versprechend an, denn schon nach fünf Minuten fiel das 1:0 durch den Russen Zimin aus kurzer Distanz. Angriff auf Angriff rollte fortan auf das Gästetor, doch entweder verhinderte der Torwart (mehrfach), der Pfosten (zweimal) oder der Schiedsrichter (er gab ein Eigentor wegen Abseits nicht!) das 2:0. So mussten die Zuschauer 25 Minuten warten, bis Löning das Tor nach einer fast schon als traumhaft zu bezeichnenden Kombination erzielen durfte.

Den zweiten Durchgang begannen die Hausherren dann ein wenig ruhiger, blieben aber trotzdem haushoch überlegen. Erst nach der ersten Auswechslung kam wieder richtig Schwung in das Wilhelmshavener Angriffsspiel. In den letzten zwanzig Minuten brannte es vor dem Tor des TSV Kropp lichterloh und alleine Manzi hätte locker drei, vier Tore schießen müssen. Aber zumindest trafen die Torschützen der ersten Halbzeit noch einmal (3:0 Zimin, 4:0 Löning).

Fazit: Trotz des Einbahnstraßenfußballs ein Spiel mit extrem hohem Unterhaltungswert.

Tore: 1:0 (5. Min.) Zimin, 2:0 (31. Min.) Löning, 3:0 (80. Min.) Zimin, 4:0 (82. Min.) Löning.

Stimmung:

Da sich alle Zuschauer mehr oder minder im ganzen Stadion großzügig verteilten kam folgerichtig auch kaum Stimmung auf. Bei den Toren wurde aber fleißig gejubelt. Gästefans waren übrigens gar nicht zu entdecken.

Vereine:

Der SV Wilhelmshaven entstand aus der Fusion zwischen dem „bürgerlichen“ Verein SpVgg 05 und dem „Arbeiterverein“ TSV Germania. Im Jahre 1992 strebte der SV eine Fusion mit dem Traditionsverein TSR Olympia (benannt nach der mittlerweile pleite gegangenen Schreibmaschinenfabrik), der einst in der zweiten Bundesliga Nord kickte, an. Die Fusion platzte aber und so entschieden sich beide Seiten auf eine langfristige Kooperation mit dem Ergebnis, das die TSR Olympia irgendwo ganz weit unten herumdümpelt und der SV in einem schicken neuen Stadion spielt. Nach 1992 versuchte der Verein dann krampfhaft nach ganz oben zu kommen und es wurden namhafte Trainer (u. a. Wolf Werner) und Spieler (u. a. Valdas Ivanauskas) verpflichtet. Es folgten Insolvenzverfahren, der Aufstieg in die Regionalliga und die Geschichte der Lizenzunterlagen, die per Fax an den DFB geschickt wurden wobei die letzte Seite fünf Minuten zu spät eintraf. „Absteiger“ Fortuna Düsseldorf bedankte sich wegen des Formfehlers und durfte dadurch noch eine weitere Saison in der 3. Liga bleiben.

Der TSV Kropp ist ein vergleichsweise junger Verein, denn er wurde erst im Jahre 1946 gegründet. Erst zu Beginn der 90er Jahre setzte der Verein zum Höhenflug an und schaffte im Jahre 2000 den Aufstieg in die Verbandsliga Schleswig-Holstein. Aufgrund der guten Jugendarbeit setzte man ausnahmslos auf Spieler aus Schleswig-Holstein, die dann auch den Sprung in die Oberliga schafften. Bekannt wurde der TSV Kropp durch die Ausrichtung zahlreicher Mini-Turniere und Freundschaftsspiele, wo sich die Bundesligisten die Klinke in die Hand gaben.

Stadion:

Das Jadestadion wurde 1998 als Ersatz für die abgerissene Spielstätte an der Friedenstraße neu erbaut. Nach exakt 34 Wochen wurde das Stadion am 1. August 1999 mit einem Freundschaftsspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:1 vor 5.000 Zuschauern) eingeweiht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wenngleich es auch ein paar „Merkwürdigkeiten“ zu bestaunen gibt, aber dazu später mehr. Die Gesamtkapazität der Anlage beträgt 7.500 Plätze, davon 5.300 Stehplätzen hinter den Toren. Drei Seiten sind überdacht und zwar nicht aus witterungsbedingten Gründen, sondern aus Lärmschutzgründen. Einzig die Hintertorseite, hinter der auch die Gäste untergebracht werden, kommt ohne diesen Luxus aus. Stattliche acht Flutlichtmasten können im Bedarfsfall das Spielfeld beleuchten und dies sogar (lt. Vereinshomepage) entsprechend der UEFA-Norm. Die Baukosten betrugen ca. 3,2 Millionen Euro.

255 besonders wichtige Gäste können sich die Spiele des SV Wilhelmshaven in feinen Kinosesseln hinter Glasscheiben anschauen. Für einen Oberligisten ganz schon viel Luxus, aber vielleicht hat der Verein ja noch viel vor.

 

 

 

 

 

 

Tageskilometer:              1.032 km mit der Bahn von Berlin nach Wilhelmshaven und zurück

Saisonkilometer:          38.614 km (10.984 km Flugzeug, 19.750 Km Bahn, 8.000 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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