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                         Verbandsliga Sachsen-Anhalt, Saison 05/06, 10.05.06                                  

 

   3:0  

 

FC Grün-Weiß Wolfen - SG Union Sandersdorf

Wolfen, Jahnstadion (656 Zuschauer)

 

 

Alle guten Dinge sind drei hoch zwei. Im dritten Anlauf und nach zwei Terminverlegungen klappte es endlich mit dem kleinen anhaltinischen Derby, und so steuerten wir zu dritt den Kreis Bitterfeld an. Nachdem Renato und VfB-Christian in Westberlin eingesammelt wurden, musste trotz der nur gut 130 km zwei Mal eine Tankstelle angefahren werden, damit die durstigen Kehlen nicht vertrockneten. Ungeachtet dieser außerplanmäßigen Stopps erreichten wir das Zielgebiet überpünktlich und während wir so durch die alte Chemiestadt fuhren, in der einst der Farbfilm erfunden wurde (den dann aber Micha irgendwo auf Rügen wieder vergessen hat), entdeckten wir plötzlich einen ziemlich geilen Prachtbau, dessen Turm die Buchstabenkombination ORWO zierte. Als ein in den alten Bundesländern aufgewachsener Bürger, die beiden in den neuen Bundesländern aufgewachsenen (Neu)Bürger nach der Bedeutung dieser geheimnisvollen Buchstabenkombination befragte, kam (wie in den meisten Fällen) keine Antwort, sondern eine Gegenfrage. „Wat – Du kennst ORWO nicht? - (Anm. der Redaktion 1: Würde ich sonst fragen?) Das war das Volkseigene Kombination, welches Filme für die Welt (Anm. der Redaktion 2: Im Westen umfasst die Welt ca. 160 Staaten, im Osten umfasste die Welt meist nur die DDR plus zwei bis fünf sozialistische Bruderländer) produzierte“. „Aha – kenne nur Agfa!“ so des Fahrers Reaktion. Aber ganz so falsch lag ich nicht, denn ursprünglich gehörte das Werk in Wolfen der Firma Agfa und wurde nach dem zweiten Weltkrieg in ORWO (Original Wolfen) umbenannt, um dann Filme für den „Weltmarkt“ zu produzieren.

So, nachdem wir alle wieder was gelernt haben zurück zum eigentlich Grund der Reise. Trotz Umleitung erreichten wir das Stadion dank der hervorragenden Ausschilderung ohne Hindernisse und konnten vor den Stadiontoren noch Alex aus Halle (oder Bitterfeld oder Mücheln...) und VfB-Markus in Empfang nehmen.

Zur sportlichen Situation: Wolfen liegt derzeit auf Platz zwei der Verbandsliga Sachsen-Anhalt bei einem Spiel weniger und drei Punkten Rückstand auf Dessau 05. Bei einem heutigen Sieg (ich will nicht gleich alles vorwegnehmen) schließt man logischerweise auf. Am erstaunlichsten ist allerdings das Torverhältnis der Wolfener: 24:17 aus 24 Spielen! (Kein Wunder bei neun Siegem mit 1:0 und im November gingen alle Spiele 0:0 aus).

 

 
Spiel:

Das Spiel war nicht ganz „Derbywürdig“, denn der FC Grün-Weiß Wolfen gewann klar und verdient. Die Sandersdorfer spielten nicht schlecht, kamen allerdings während der gesamten Spielzeit nicht zu einer einzigen Torchance.

Tore: 1:0 (15. Min.) Kövari, 2:0 (35. Min.) Henzel, 3:0 (75. Min.) Michalak. 

Stimmung:

656 zahlende Zuschauer plus ein paar nicht Zahlende sind für die Verbandsliga wahrlich kein schlechter Zuspruch. Die Gästefans, es mögen so 100 gewesen sein, standen unter der Haupttribüne und waren einige Mal gut zu hören. Die Wolfener Supporter standen auf der Gegenseite und wurden unterstützt von einer Trommlerin. Auch hier kann man wohlwollend von Stimmung sprechen, allerdings gab das Spiel auch nicht sonderlich viel her.

Vereine:

Der Wolfener Ball-Spiel-Club wurde im Jahre 1919 gegründet und spielte später unter den Namen VfL und IG Farben. In der DDR trat der Verein dann unter der Marke SG Agfa und BSG Chemie an. Seit dem Zusammenbruch der DDR heißt der Club FC Grün-Weiß Wolfen.

Der erste Sandersdorfer Fußballclub wurde im Jahre 1911 unter dem Namen BC Union Sandersdorf gegründet. In der DDR spielte der Verein, stets unterklassig, unter dem Namen BSG Werk Fahlke.

Stadion:

Das Jahnstadion in Wolfen ist ein Neubau, der vor allem durch Funktionalität besticht. Auf eine Laufbahn wurde bei der Neukonzeption verzichtet und so steht der Zuschauer recht nah am Spielfeld. Einzig die Zäune beeinträchtigen das Sehvergnügen. Ringsherum gibt es sechs breite Betonstufen und seit ein paar Jahren existiert sogar eine überdachte Tribüne mit einem geschwungenen Zeltdach, einem Sprecherturm in der Mitte und Schalensitzen (übrigens exakt der gleiche Satz wie bei der Stadionbeschreibung in Sandersdorf).

 

 

 

 

 

Tageskilometer:                 272 km mit dem KFZ von Berlin nach Wolfen und zurück

Saisonkilometer:          40.310 km (10.984 km Flugzeug, 21.174 Km Bahn, 8.272 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an Alex aus Halle, Renato, VfB-Christian und VfB-Markus

 
Verlängerung (eine kurze Email von Peter ohne t, die ich der Menschheit nicht vorenthalten möchte):

Seit Mitte der 90er Jahre wieder ein Begriff in Sachen Fussball in Sachsen-Anhalt

1911 unter dem Namen BC Union Sandersdorf gegründet, und nach 1946 auch unter den Namen SG Sandersdorf und BSG Werk Hermann Fahlke Sandersdorf spielend, feierte der Verein unter dem Namen BSG Aktivist Sandersdorf erste Erfolge, so war man in der Spielzeit 1948/49 Mitbegründer der Landesklasse Sachsen-Anhalt Süd, der höchsten Spielklasse der damaligen Zeit. Mit Vereinen wie u.a. SG Freiimfelde Halle, Sport-Union Dessau, SG Weissenfels-Süd und Eintracht Bernburg spielte man um den Staffelsieg, der zur Teilnahme an der Endrunde um die Ostzonenmeisterschaft berechtigte. Nach Auflösung der Länder und der Landesligen in der DDR, und der Gründung von 15 Bezirken spielte man seit 1952 in der neugeschaffenen Bezirksliga Halle. Nach 2 Jahren Bauzeit wurde 1954 die Glück-Auf-Kampfbahn Hermann Fahlke in Sandersdorf fertiggestellt.

1957 stieg der Verein aus der Bezirksliga ab. Seit 1959 spielte man unter dem Namen BSG Chemie Sandersdorf, jedoch nie höher als in der Bezirksklasse. Erst im Jahre 1992 gelang unter neuem alten Namen, als SG Union Sandersdorf der Aufstieg in die Bezirksliga, der späteren Landesliga. In der Saison 1994/95 wurde erstmals der Aufstieg in die höchste Spielklasse Sachsen-Anhalts angepeilt. Zum Spitzenspiel am letzten Spieltag reiste die SG Union als Tabellenzweiter zum SV Braunsbedra, dem Spitzenreiter. Nur ein Zähler trennte beide Mannschaften. Vor mehr als 1.000 Zuschauern, darunter 700 aus Sandersdorf, gelang es den Unionern leider nicht, aus ihren zahlreichen Möglichkeiten ein Tor zu erzielen. Das Spiel endete 0:0, und der Aufstieg wurde verpasst. Doch 1997 war es endlich soweit, und der Aufstieg in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt konnte gefeiert werden. Nach Platz 9 in der ersten Saison, gelang es im Folgejahr nicht, den Abgang von 11 Spielern zu kompensieren und der Abstieg nach nur 2 Spielzeiten in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt war die logische Folge. Aber bereits in der Saison 2000/2001 schaffte die SG Union erneut den Aufstieg und erreichte den 14.Platz. Seitdem spielen die Sandersdorfer erfolgreich in der Verbandsliga, und konnte in der Saison 2002/2003 sogar den grössten Rivalen, die Mannschaft des FC Grün Weiss Wolfen in beiden Ligavergleichen besiegen, und die Saison als Tabellensiebter abschliessen. In der abgelaufenen Spielzeit 2003/2004 erreichte die SG Union nach einer tollen Rückrunde noch Platz 6. Seit dem Jahre 2002 verfügt das Sport- und Freizeitzentrum in Sandersdorf  über eine überdachte Tribüne für 280 Sitz- und 500 Stehplätze, sowie eine Anzeigentafel und eine moderne Flutlichtanlage.

Vielen Dank für diesen sachdienlichen Hinweis

 
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