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                  Bezirksliga Dresden, Saison 05/06, 18.09.05                                 

 

   1:5 

 

VfB ZittauSpVgg Hoyerswerda 1919

 

Zittau, Weinaupark-Stadion (155 Zuschauer)

 

 

Wahlsonntag! Jeder Normalsterbliche durfte ja bekanntlich zwei Kreuze an diesem Tag auf ökologisch wieder verwertbarem Papier  machen, aber wer dem Hobby des Stadionbesuchens frönt, der kann dieses Vergnügen noch steigern. Also erst mal ab ins Wahllokal, wo man ohne großen Stau bei freiem Eintritt formvollendet ein paar schiefe Striche in einen kleinen Kreis machen durfte. Vom Wahlbezirk 081 (Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf) ging es danach in den Wahlbezirk 085 (Berlin, Köpenick-Treptow – hier war übrigens Gregor Gysi der Favorit), wo Renato, Daniel, Christian (VfB) und Christian (Union) darauf warteten, in den Wahlkreis 157 Löbau-Zittau-Görlitz-Niesky gebracht zu werden. Ziel der Reise war Zittau, wo der dort beheimatete VfB über ein wirklich schmuckes Stadion verfügt. Hier sollte dann Kreuz drei des Tages gemacht werden. Die Fahrt über die Autobahn ging zügig von statten und nachdem wir die sächsische Tiefebene (hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein) hinter uns gelassen hatten, erreichten wir überpünktlich Zittau.

Die Wahl des Stadions erwies sich als goldrichtig, denn neben der Sonne wurde die Reisegruppe von schönen Programmheften, vernünftigen Eintrittskarten, einem breiten Devotionaliensortiment und allerlei Köstlichkeiten für das leibliche Wohl verwöhnt.

 

 

Zugegeben, wenn der Drittletzte gegen den Letzten in der Bezirksliga Dresden antritt, kann man sich wahrlich nicht auf fußballerische Leckerbissen einstellen. Aber das stimmte nur bedingt, denn zumindest die Gäste aus Hoyerswerda verwöhnten die Zuschauer mit Toren. Die Gastgeber hingegen blieben während der gesamten 90 Minuten erschreckend harmlos und ließen jeglichen Siegeswillen vermissen.

Tore: 0:1 Schiffel (4. Min.), 0:2 Stober (42. Min.), 0:3 Schiffel (57. Min.), 0:4 Tuschmo (64. Min.), 1:4 Hoinko (77. Min.), 1:5 Tuschmo (85. Min.)

 

 
Südostsächsisch, würde ich mal so sagen. Keine Gästefans, nur zwei erkennbare Heimfans und dazu das Pöbelvolk. 
 

Vereine:

 

Der VfB Zittau wurde zwar erst im Jahre 1990 offiziell gegründet, dies bezieht sich aber nur auf den VfB. Fußball gespielt wurde in der Stadt im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen aber schon vor der Wiedervereinigung. 1945 wurde die SG Zittau gegründet. Ob es davor schon einen Vorgängerverein in Zittau gab ist wahrscheinlich, aber Informationen darüber konnten leider nicht gefunden werden. Ab 1950 gab es dann die üblichen Umbenennungen: 1950 ZSG und BSG Textil, 1951 BSG Fortschritt Mitte bzw. BSG Fortschritt, 1954 BSG Lokomotive, 1971 BSG Motor Robur und 1980 BSG Robur. Erstklassig spielten die Zittauer in der DDR nie, auch sonst sind keine größeren sportlichen Erfolge bekannt. Nach 1990 kickte der VfB zunächst bis 1999 in der Landesliga Sachsen. Dann gelang der Aufstieg in die Oberliga NOFV-Süd und dort belegten die Zittauer (als Aufsteiger!) einen beachtlichen dritten Platz. In der Saison danach reichte es nur zu einem 13. Tabellenplatz, der aber zumindest den Klassenerhalt sicherte. Diesen schaffte der VfB in der darauf folgenden Spielzeit aber nicht mehr und stieg in die Landesliga Sachsen ab.  Den absoluten Tiefpunkt erreichte der Verein am Ende der letzten Saison: Abstieg in die Bezirksliga Dresden.

Die SpVgg Hoyerswerda wurde am 1. Juni 1919 gegründet. Nach ein paar Jahren in der Niederlausitzer Ligaklasse errang die Mannschaft 1926 den ersten Meistertitel und stieg in die Gauliga Senftenberg auf. Später gelang sogar der Aufstieg in die Südostdeutsche Liga. 1932 gewann die SpVgg die schlesische Gaumeisterschaft. In diesem Jahr durfte auch ein Spieler aus Hoyerswerda in der deutschen Nationalmannschaft spielen. Karl Joppich wurde am 30.10.1932 in Budapest beim Länderspiel Ungarn gegen Deutschland für Leinberger in der 28. Minute eingewechselt. Allerdings blieb es bei diesem einen Einsatz. Nach dem Krieg ging es für die Fußballer unter den Namen „Kreisrat Hoyerswerda“ (später Einheit) weiter. Ab 1956 hieß der Verein dann BSG Aufbau. Durch die Fusion mit dem ESV Lok Hoyerswerda hieß der Verein ab 1999 SpVgg Hoyerswerda 1919 e. V.

 

Stadion:

 

Die Geschichte des Weinau-Stadions ist lang. Erbaut wurde es im Jahre 1894 als Radrennbahn. Schon damals verfügte es über eine überdachte Tribüne. Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde die Radrennbahn abgerissen und übrig blieb zumindest der Sportplatz. Wohl 1915 kam die heute noch zu bewundernde Sitzplatztribüne hinzu. 1919 wurde die Spielstätte als „Städtischer Sportplatz Weinau“ wiedereröffnet. Diesen Namen trug sie bis 1936 und hieß von da ab „Willi-Gall-Stadion“. Erst 1990 bekam sie ihren ursprünglichen Namen zurück: Weinaupark-Stadion. Die alte Holztribüne wurde im Jahre 2000 modernisiert und fasst nun 465 Zuschauer. Das gesamte Fassungsvermögen dürfte bei 5.000 Zuschauern liegen.  

Für die Autofahrer ist das Stadion ganz hervorragend ausgeschildert. Von Norden über die Schnellstraße wird man noch vor Zittau links ab geschickt und landet in einem Gewerbegebiet. Dann muss man einfach an der Kreuzung geradeaus fahren, darf dabei allerdings nicht vor Waldwegen und Trampelpfaden zurückschrecken, und schon befindet man sich auf dem Parkplatz vor der Spielstätte.

 

 

 

 

 

Tageskilometer:                  290 km von Berlin nach Zittau

Saisonkilometer:           14.111 km (5.900 km Flugzeug, 5.314 Km Bahn, 2.377 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

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