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                 Oberliga Bayern, Saison 06/07, 29.07.06                                 

 

   2:1  

 

SpVgg Bayreuth - SpVgg Bayern Hof

 

Bayreuth, Hans-Walter-Wild-Stadion (2.596 Zuschauer)

 

 

Bayern-Tour Teil 1

 

Die Bayernliga war die erste Oberliga, die die Saison 06/07 eröffnete und da brauchte man gar nicht lange zögern um dem Königreich von Ede einen Besuch abzustatten. Die Planung ging diesmal auch ganz fix und dieses Tourangebot nahmen der BFC-ALLESFAHRER und Union-Jakob dankbar an. Diese Konstellation bescherte dem Schreiber dieser Zeilen unvergessliche Stunden! Unioner und BFCer friedlich vereint, denkste. Zwar blieben die Fäuste in den Taschen (schade eigentlich), dafür wurde aber so manch verbale Keule geschwungen.

Da wir vor dem Kick in Bayreuth kein weiteres Spiel eingeplant hatten, ging es gegen 13 Uhr in Berlin mit zwei Herrschaften von der Mitfahrzentrale los. Die gut 350 km vergingen dank einer polnischen Schauspielerin (Nix was ihr jetzt denkt, schon eher ernsthaft) und einem spätpubertierenden Jüngling wie im Flug, so dass wir um kurz vor vier die Wagnerstadt, wo übrigens an diesem Wochenende auch die Festspiele stattfanden, erreichten. Das Auto haben wir standesgemäß vor dem Stadion des 1. FC Bayreuth abgestellt, welches ca. 500 Meter vom Hans-Walter-Wild-Stadion entfernt ist. Nachdem wir die Mitfahrer endlich los waren, kam auch schon Jens Non-League angetippelt und gemeinsam steuerten wir erstmal die Stadiongaststätte des 1. FC Bayreuth an. Diesen Verein gibt es eigentlich gar nicht mehr, da er vor ein paar Jahren mit einem anderen Bayreuther Verein zum FSV 2003 fusionierte. Dennoch sollten sich Stadionliebhaber die Adresse mal merken, auch wenn zurzeit dort nur A-Klasse-Fußball geboten wird. Da die Küche leider geschlossen hatte, ging es alsbald weiter und unterwegs sammelten wir noch das neue Traumpaar der deutschen Groundhopper aus Fulda auf. Bis zum Stadion gab es leider keine weitere Kneipe, aber ein Einheimischer führte uns dann wohl zu der offiziellen Vereinsgaststätte der SpVgg Bayreuth. Hier war es dann aber auch nicht so pralle und außerdem war da ja noch was… Richtig, das Spiel der Spiele – das Derby der (Ober-?)Franken. Apropos Franken, wenn man die Oberliga Bayern mal genauer unter die Lupe nimmt, wird man sehr schnell feststellen, dass neun von 19 Vereinen aus Franken kommen. Wobei rein sportlich die SpVgg Bayreuth eigentlich in die Regionalliga gehört, doch da der DFB die Lizenz (angeblich wegen 600.000 Euro fehlender Deckung) verweigerte, müssen die Oberfranken nun wieder in Liga Vier statt Drei spielen.

Trotz recht langer Schlangen an den Kassenhäuschen betraten wir das Hans-Walter-Wild-Stadion pünktlich und trafen dort gleich auf eine ganze Kompanie Stadionsammler.

 

 

Spiel:

 

Drei wirklich sehenswerte Tore entschädigten für eine spielerisch sehr dürftige Partie. Nach einer Viertelstunde gingen zunächst die Hofer durch seinen schönen direkt verwandelten Freistoß aus ca. 25 Meter in Führung. Zehn Minuten später hatten die Hofer dann noch die Chance  auf das 0:2, doch der Schuss ging über das Tor. Meine persönliche Schlüsselszene ereignete sich nach ca. 25 Minuten. Ein Bayreuther Spieler drang in den Strafraum ein und wollte den Torwart umspielen. Eine Berührung hatte es nicht gegeben und trotzdem starb der kahlköpfige Schlussmann tausend Tode und zog sich damit den Unmut der Zuschauer auf sich. Wenige Minuten später gab es Freistoß für die Bayreuther, bei dem der sterbende Schwan ziemlich schlecht aussah. In der zweiten Halbzeit spielten eigentlich nur noch die Bayreuther und das auch noch ziemlich schlecht. Dennoch reichte es zum Sieg, weil Ingo Walther aus über 30 Meter den Ball ins Tor hämmerte. 

Tore: 0:1 (13. Min.) Karagöz, 1:1 (31. Min.) Heckenberger, 2:1 (62. Min.) Walther.

 

 

Stimmung:

 

Irgendwie hatte man dann doch mehr erwartet, genau genommen war die Stimmung in Bayreuth eigentlich ziemlich enttäuschend und zwar von allen Seiten. Eine Ausgeburt an Oberpeinlichkeit war der Stadionsprecher, der bei jeder Ansage fast den Herzkasper bekam. „Altstadt, Altstadt, Altstadt….- und jetzt alle!“. Die Reaktion im Stadion: Stille. Passierte zwar nur einmal, aber auch bei den anderen Heb-Stimmung-Aktionen kam von den Bayreuther Supportern nicht sonderlich viel, und das obwohl ein ganz guter Mob geschlossen auf der Gegengeraden stand. Aus Hof mögen ca. 300 Mann (ich bin aber nicht so gut im Schätzen) mitgekommen sein. Positiv war, dass sie das Derby auch als solches ansahen und zumindest gut pöbeln konnten. Total deplatziert war das U-Bahn-Lied, welches nach meiner bescheidenen Ansicht selbst bei sog. Hassderbys nicht in die Kurven gehört. Ganz lustig noch war noch eine Gruppe junger Menschen, so will ich sie mal nennen, die „unauffällig“ versuchten zum Gästeblock zu gelangen und dabei immer laut schrieen „Zusammenbleiben, wir müssen zusammenblieben!“. Laut genug, um damit Eindruck bei den normalen Zuschauern zu schinden und auch laut genug um die staatlichen Ordnungskräfte auf den Plan zu rufen. Ob die Gruppe allerdings die erlebnisorientierte Fraktion der Bayreuther oder vielleicht auch eine Abordnung aus Nürnberg war, lässt sich nur vermuten.

 

 

Vereine:

 

Irgendwann in den 20er Jahren begann die Geschichte der SpVgg Bayreuth. Die Fußballabteilung des TSV Bayreuth verselbständigte sich 1921 unter dem Namen TuSpo Bayreuth-Altstadt, woraus dann später (1925) die Freie SpVgg Bayreuth-Altstadt wurde. Diese schloss sich dem Arbeiter-Turn- und Sportbund an und als diese Organisation 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde, war es auch mit der Freie SpVgg aus. Nach dem Krieg wurde die SpVgg Bayreuth 1921 e. V. neu gegründet und 1959 konnte der Verein der Aufstieg in die 2. Liga Süd feiern. Nach drei Jahren ging es aber wieder runter und erst 1969 (dann Regionalliga Süd, als zweihöchste deutsche Spielklasse) wieder hoch. Allerdings stieg die Spielvereinigung direkt wieder ab und erst 1971 wieder auf. Es folgt die erfolgreichste Zeit des Vereins, denn 1979 wurde die SpVgg Bayreuth Zweiter in der 2. Bundesliga Süd. In der Relegation scheiterte man allerdings an Bayer 05 Uerdingen. 1982 ging es zurück in die Bayernliga und erst 1985 (sofortiger Wiederabstieg) und 1987 zurück in die 2. Bundesliga. Es folgte der Sturz bis in die Landesliga. 2005 stieg die SpVgg Bayreuth zum letzten Mal auf (Regionalliga Süd).

Der FC Bayern Hof wurde im Jahre 1910 unter dem Namen BSC Hof gegründet, legte diesen Namen aber schon wenige Monate später wieder ab und besann sich dann auf den Ursprung des Fußballs und nannte sich von da ab FC Britannia Hof. Als Vereinsfarben wählte der Klub schwarz und gelb, ganz wie die Farben der Stadt Hof. Schon im Jahre 1913 erwarb der Verein ein Grundstück an der Grünen Au, wo auch noch heute die Spielstätte der Hofer steht. Zu Beginn des ersten Weltkriegs war der Name FC Britannia äußerst problematisch, denn schließlich hieß einer der Kriegsgegner England. Daher nannten sie sich in FC Bayern Hof um. Sportlich ging es für den FC Bayern Hof langsam, aber stetig nach oben. 1927 stiegen die Schwarz-Gelben in die Bezirksliga Nordbayern auf, der damals höchsten Spielklasse. Nur vier Jahre später erreichten der FC Bayern Hof sogar die Endrunde zur deutschen Meisterschaft, scheidet dort aber gleich in der ersten Runde aus. Nur ein Jahr später stiegen die Oberfranken ab. Nach dem zweiten Weltkrieg starteten die Hofer in der Bezirksliga Oberfranken, die sie am Ende auch ungeschlagen gewannen. Wieder war der Weg nach oben mühsam und erst 1959 gelang der Aufstieg in die Oberliga Süd. Nach erheblichen Startschwierigkeiten (mit Niederlagen bei Eintracht Frankfurt (0:11) und beim Karlsruher SC (1:10)) schafften die Bayern den Klassenerhalt aber doch noch. Bis zur Einführung der Bundesliga spielten die Hofer eine gute Rolle in der höchsten Spielklasse und häufig waren die Spiele ausverkauft. Bekanntlich war der FC Bayern Hof nicht Gründungsmitglied der ersten Bundesliga und wurde in die zweithöchste deutsche Spielklasse, der Regionalliga, eingeordnet. Nach vier Jahren in der Zweitklassigkeit durften die Oberfranken an den Relegationsspielen zum Aufstieg in die erste Bundesliga mitspielen. Vor ausverkauftem Haus endete das erste Spiel 0:0 gegen Schwarz-Weiß Essen. Das zweite Spiel führte die Hofer ins Berliner Olympiastadion, wo sie allerdings vor 70.000 Zuschauer mit 0:2 Hertha BSC unterlagen. Trotz Siegen gegen den späteren Aufsteiger Borussia Neunkirchen (5:2),  Hertha BSC und bei Schwarz-Weiß Essen, war den Hofer der Aufstieg nicht vergönnt, denn die beiden Spiele bei Arminia Hannover und das Rückspiel bei Borussia Neunkirchen gingen verloren. Nur ein Jahr später hatten die Hofer aber wieder die Chance erstklassig zu werden. Aber gegen Hertha BSC, Rot-Weiß Essen, SC Göttingen und den SV Alsenborn sprangen nur zwei Siege heraus. Zum dritten, und bis dato letzten Mal, klopften die Hofer im Jahre 1972 an die Tür zur ersten Bundesliga. Im ersten Spiel gab es einen Sieg gegen Borussia Neunkirchen und im zweiten Spiel die erste Niederlage beim Wuppertaler SV. Es folgten Unentschieden und Niederlagen. Aber wenigstens wurde noch die letzte Partie gegen Tasmania Berlin mit 6:0 gewonnen. Als nach der Saison 73/74 die zweite Bundesliga eingeführt wurde, war der FC Bayern Hof mit dabei. Bis zum Sommer 1978 spielten die Hofer dort mit. Der letzte Showdown im bezahlten Fußball gestalteten die Mannen des FC Bayern Hof erfolgreich und gewannen mit 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg (der eigentlich fast immer an der Grünen Au verlor). Da jedoch der KSV Baunatal zeitgleich mit 2:1 gegen Kickers Offenbach gewann, durften die Hessen bleiben, der FC Bayern Hof musste dafür aber ab in die Bayernliga. Nur zwei Jahre nach dem Sturz in die Drittklassigkeit folgte der Absturz in die Viertklassigkeit, namentlich Landesliga. 1982 schaffte der FC Bayern Hof, unter Trainer Günther Köstner, den Aufstieg zurück in die Bayernliga. Dort konnten sie sich aber nur ein Jahr halten und kehrten erst 1988 wieder in die dritthöchste Spielklasse zurück, aber das Intermezzo Bayernliga dauerte nur zwei Jahre. 1994 schafften die Hofer zwar noch mal den Aufstieg in die Bayernliga, jedoch war diese Liga durch die Einführung der Regionalliga zur vierten Liga verkommen. 2005 fusionierte der FC Bayern Hof mit der SpVgg Hof zur SpVgg Bayern Hof.

 

Stadion:

 

Das städtische Stadion in Bayreuth wurde 2002 in Hans-Walter-Wild-Stadion umbenannt, weil sich der ehemalige Oberbürgermeister als großer Förderer des Sports in Bayreuth verdient gemacht hatte. Erbaut wurde die Spielstätte 1967 und 1974 die Haupttribüne eingeweiht. Es ist ein klassisches Mehrzweckstadion für den Fußball- und Leichtathletiksport. Besonders schön ist das Dach der Haupttribüne mit seinen geschwungen Bögen. Die Sitze sind ganz in orange gehalten. Die restliche Anlage besteht rundherum aus Stehplätzen, wobei diese nicht sonderlich hoch gebaut sind.

 

 

Tageskilometer:           355 km mit dem KFZ von Berlin nach Bayreuth

Saisonkilometer:          431 km (431 km KFZ)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 
 

Grüße an alle...insbesondere aber Schlammbeisser-Thomas und Anhang...

 

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