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                 UEFA-Cup, Saison 06/07, 28.09.06                               

 

    3:1  

 

A. S. Nancy-LorraineFC Schalke 04

 

Nancy, Stade Marcel Picot (18.026 Zuschauer)

 

 

Juhu, UEFA-Coupe! Übrigens zum ersten Mal für die Schalker in Frankreich! Die Fahrt von sieben Stunden war aufgrund der fehlenden Mitfahrgelegenheit-Witzeclowns sowas von ereignislos, dass selbst diese Zeilen die reinste Verschwendung sind. Nancy wurde gegen 13 Uhr erreicht und nach fast einer Stunde auch das Stadion im Vorort Tomblaine gefunden. Da die Gegend um das Stade Marcel-Picot nicht sonderlich viele Sehenswürdigkeiten zu bieten hatte, ging es mit der einzigen Straßenbahn in die Innenstadt, genauer bis zur schönen Kathedrale und dann weiter bis zum wenige Meter entfernten Place Stanislas, wo unheimlich viel GEsindel anzutreffen war. Beim Kneipenlotto habe ich gleich mal den Hauptpreis gezogen und durfte für einen halben Liter Fürstenberg Blonde satte sechs Euro auf den runden Tisch legen. Nun gut, es blieb bei diesem einen Kaltgetränk und nach ein bisschen Schwätzchen hier und Schwätzchen da, ging es dann mit ca. 300 gleichGEsinnten zu Fuß zurück zum Stadion. Dies war vielleicht noch das schönste Erlebnis des Tages. Die 300 Blauen schmetterten so manche Liedchen durch die Gassen und bekamen zum Dank ungläubiges Staunen auf den Gesichtern der Einheimischen. Da man diesen Demonstrationszug bei den französischen Behörden nicht angemeldet hatte, blieb man auch von der Ordnungsmacht zunächst unbehelligt. Man mag es kaum glauben, aber alle Franzosen und deren Fensterscheiben überlebten diese Aktion. Fußballfans doch keine Verbrecher? Erst nach gut einer Viertelstunde wurde die Gruppe von einigen Polizeiwagen verfolgt, die dann aber auch nicht so richtig hinterher kamen. Später durften dann wenigstens zwei Polizeimotorräder die Straße für uns absperren. Kurz vor dem Einbiegen zum Stadion wurde erstmal ordentlich eingeklascht und als man dann um die Kurve kam, ein brachiales „Schalkeeeee“ zum Besten gegeben. Alle Gendarmen, die vorher noch lässig am Zaun rumlümmelten, sprangen auf wie aufgescheuchte Hühnchen und sperrten erst mal die Straße ab. Danach folgte dann das übliche Anstehen am Gästeeingang. Die Kontrollen waren penibel (jeder Doppelhalter wurde ausgerollt) aber freundlich.

 

 

Im Stadion gab es für die Schalker zweieinhalb Blöcke und das nur, weil die Verantwortlichen vom A. S. Nancy zu doof waren. Erst gab es nur 1.030 Karten und diese reichten nicht für all diejenigen aus, die mit nach Frankreich wollten. Das Geschrei und die Heulerei („Wer tauscht Mittlere Reife gegen einmal Gästeblock?“) war zunächst groß und als der gastgebende Verein merkte, dass die das Stadion gar nicht vollkriegen, gab es noch mal zwei Ladungen Karten und gleich wieder blau-weißes Geheule („Braucht noch einer Karten für Nancy?“). Kinders, entweder will ich fahren oder ich will nicht fahren! Totale Kack-Organisation, aber das konnten die Franzmänner bei der eigenen Weltmeisterschaft schon nicht.

 

 

Spiel:

 

Das 1:0 aus dem Hinspiel sollte gegen solch eine limitierte französische Truppe eigentlich reichen, sollte man zumindest meinen. Das Spiel fing für die Gäste auch gleich gut an, denn sowohl Hamit Altintop als auch Özil hatte zweimal die Möglichkeit der Führung auf dem Fuß. Danach stellten die Knappen für lange, lange Zeit das Fußball spielen ein und fingen sich gleich mal zwei Tore. So stand es 2:0 für die Hausherren und auf Schalker Seite fiel zwar auch noch ein Tor, welches aber aus unerfindlichen Gründen nicht gegeben wurde. Erst nach der Pause mit der Einwechslung von Asamoah (für den total schlechten Rafinha) kam wieder Schwung in die müde Truppe. Schalke machte Druck, konnte sich aber nicht eine einzige Tormöglichkeit erarbeiten. Zwanzig Minuten nach seiner Einwechslung sprang man Asamoah dann mustergültig in die Beine. Der Schiedsrichter belohnte diese knochenbrecherische Attacke immerhin mit der gelben Karte. Internationale Härte, ich lach mich tot. Kurz danach tanzten die Franzosen die Dreierkette (bis auf Bordon ein Totalausfall) aus und erhöhten auf 3:0. Mit der einzigen Torchance nach den ersten zehn Minuten verkürzte Bordon noch auf 1:3. Alles was danach kam, war an Planlosig- und Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Tore: 1:0 (18. Min.) Luiz, 2:0 (25. Min.) Curbelo, 3:0 (70. Min.) Dia, 3:1 (77. Min.) Bordon

Richtig ärgerlich ist das Ausscheiden, wenn sich die Mannschaften anschaut, die in die Gruppenphase eingezogen sind (Partizan Belgrad, AS Livorno, Besiktas Istanbul, Tottenham Hotspur, Glasgow Rangers, Feyenoord Rotterdam, Ajax Amsterdam oder die beiden Israelis Maccabi Haifa und Hapoel Tel Aviv). Da wäre mit Sicherheit eine schöne Reise drin gewesen – ihr Vollidioten.

 

 

Stimmung:

 

Trotz der peinlichen Vorstellung der Mannschaft war die Stimmung im Gästeblock top. Angetrieben von der UGE legte der Gästeblock eine flotte Support-Sohle aufs Parkett. Nach dem 0:3 war der Block zwar kurz geschockt und übte sich in Zynismus, aber nach dem Anschlusstreffer ging es gleich wieder von vorne los. Richtig komisch war die Stimmung nach dem Spiel. Kein richtiges Niederpfeifen, keine Aufmunterungen – es war eher ziemlich ruhig. Der heimische Anhang wusste auch zu gefallen. Zum Intro gab es eine Aktion mit bunten Pappen, ein bisschen Rauch und ab und an mal mit Support (könnte auch mehr gewesen sein, war allerdings auf der anderen Seite nicht zu hören). Später wurde dann auch noch ein Banner mit Schalke-Schweine geflaggt, aber die Idee kam wohl eher aus Saarbrücken (oder?). Richtig laut wurde es nach dem 3:0, als auch die beiden Längsseiten sich „freuten“.

 

 

 

Vereine:

 

„Association Sportive Nancy Lorraine“ wurde im Jahre 1910 als US Frontiere (Grenzland) gegründet. Wobei die Bezeichnung Grenzland auf die deutsche Vergangenheit der Stadt Nancy (Nanzig) zurückgeht, die von 1871-1918 zum deutschen Kaiserreich gehörte. 1928 benannte sich der Verein in AS Lorraine (französisch für Lothringen) um (ab 1967 A. S. Nancy-Lorraine). 1970 gelang dem Verein zum ersten Mal der Aufstieg in die erste Liga. Später folgten Ab- und Aufstiege (zuletzt 2005). Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war der Gewinn des nationalen Pokals im Jahre 1978 (gegen Nizza mit 1:0) mit dem wohl bekanntesten französischem Fußballspieler Michel Platini.

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

 

Stadion:

 

Das Stade Marcel-Picot wurde im Jahre 1922 noch unter dem Namen Parc des  Sports du Pont d’Essey errichtet. Damals gab es dort nur eine Tribüne und in den folgenden Jahren kamen noch Erdwälle und Stufen. Im Jahre 1963 wurden Flutlichter installiert und das Stadion nach Marcel Picot, der in den 20er Jahren die treibende Kraft für den Bau dieser Spielstätte war, benannt. Ende der 70er Jahre wurde das Stadion abermals aufgemöbelt und von der Laufbahn befreit, ehe man es im Jahre 1999 quasi neu baute. Heute ist leider nur noch ein recht fader Bau übrig, der sich nur minimal von anderen Stadien wie zum Beispiel in Holland unterscheidet. Heute hat es eine Kapazität von knapp 20.000 Zuschauern.

 

 

 

Tageskilometer:               835 km mit dem KFZ von Berlin nach Nancy

Saisonkilometer:          7.360 km (5.316 km KFZ und 2.044 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an Alle!

 

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