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                 Tweede Klasse, Saison 06/07, 30.09.06                               

 

    0:1  

 

KV MechelenRoyal Antwerp F. C.

 

Mechelen, Achte De Kazerne Stadion (10.700 Zuschauer)

 

 

(Teil 4 der Tour!) Kurz vor dem Abpfiff in Mönchengladbach trafen die Mitfahrer Nr. 3 (Münsterland-Rene) und Nr. 4 (Professor), beide übrigens kleine Geißböckchen, ein. Bevor es dann auf die Bahn Richtung Belgien ging, haben wir noch feststellen müssen, dass der Teamchef nicht ausparken kann. 30 km südlich von Antwerpen verließen wir die Fernstraße an der Anschlussstelle Mechelen und nach ein paar Mal abbiegen, waren wir auch schon am Ziel – ein schönes Ziel übrigens. Der ursprüngliche Plan, das Erstligaspiel in Beerschot (Stadtteil von Antwerpen) zu besuchen, wurde dank der Empfehlung von Carsten („Bestes Spiel an diesem Wochenende im Land der Frittengesichter!“) schnell verworfen. Zwei Stunden vor dem Anpfiff war hier schon erstaunlich viel los und Parkplätze gab es nun gar nicht. Erst wies uns ein Parkplatzwächter in eine Lücke genau vor dem Stadion, dann wurden wir von seinem Chef wieder vertrieben. Aber halb so schlimm, ca. 5 Gehminuten entfernt haben wir noch eine kleine Lücke gefunden. Als Nächstes ging es zu den Kassen, welche kurz nach unserem Eintreffen auch öffneten. Dort gab es aber leider nur noch Stehplätze. War halt ein Derby und um es gleich mal vorweg zu nehmen, eins der Sorte megageil. Aber dazu gleich mehr. Eineinhalb Stunden vor dem Anstoß schritten wir durch die Pforte und bei der Sicherheitskontrolle wurde ich doch allen Ernstes gefragt, ob ich meine Kamera zum „aufs Spielfeld schmeißen“ dabei hätte. Jau, is klar – ich schmeiß mal eben ein paar hundert Euro inklusive meiner bereits gemachten Fotos durch die Gegend. Danach haben wir uns erst mal ausgiebig das Schmückstück von Stadion angeschaut, wo der Europokalsieger der Pokalsieger von 1988 seine Heimspiele austrägt.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

 

Bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff war das Stadion auf der Gegengeraden, wo beide Fangruppen nebeneinander untergebracht waren, proppenvoll. Beide Seiten sangen sich eindrucksvoll ein und wenn man es nicht besser wüsste, hätte man meinen können in einem englischen Stadion zu Gast sein. Kurz vor dem Kickoff präsentierte die Heimkurve eine kleine Choreo mit Blockfahne auf der „1904“ und das Vereinswappen zu sehen war. Darunter hing ein Banner mit der Aufschrift „Vanavond leeft Traditie!“. Auf der Hintertorseite wurde der Europapokal gezeigt, dazu eine große Pappe mit der Inschrift: „ Welkom bij de laatste ECII-Winnaar van Belgie“. Zum Anstoß blies dann ein Trompeter ins Horn und alle Zuschauer wurden um Ruhe gebeten, daran hielten sich aber die gut 2.500 Gästefans nicht und bekamen ein gellendes Pfeifkonzert zu hören. Lautstärke: laut, sehr laut. Kurz danach rollte endlich der Ball. Das Spiel in der ersten Halbzeit war vom feinsten, KV enorm druckvoll und beide Mannschaften kämpften um jeden Ball. Ein halbes Dutzend bester Torchancen für die Gastgeber, Antwerpen konnte nicht einmal einen vernünftigen Spielzug aufbauen. Selten habe ich ein so hohes Tempo wie im Spiel von KV gesehen, das Tor war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Dieses fiel aber nicht, gut für Antwerpen, schlecht für Mechelen. Angetan vom Spiel trieben die Zuschauer ihre Mannschaft kräftig an, alles ziemlich brachial und wie schon erwähnt sehr britisch. Eine gelungene Szene, und davon gab es im ersten Durchgang tonnenweise, und schon war die Hütte am Kochen. Die Gästefans hielten fleißig dagegen, alles noch ein bisschen britischer und noch lauter, dafür aber nicht so oft.

 

 

 

Zur Halbzeit wechselte ich meinen Platz von der Haupttribüne in den Stehplatzbereich (wo auch die drei Mitfahrer standen) unterhalb selbiger um dort die Atmosphäre aufnehmen zu können. Eine weise Entscheidung, wie sich später noch herausstellen sollte. Im zweiten Durchgang musste KV seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und so kamen die Gäste auch mal ins Spiel. Optisch überlegen blieben allerdings die Hausherren. Der Gästeanhang wurde jetzt noch lauter und so mancher Schlachtruf und Hassgesänge kamen noch brachialer rüber. Auffällig noch die unterschiedlichen Zaunfahnen im Gästeblock (u.a. Feyenoord Rotterdam, ManU und dazu zwei argentinische Nationalflaggen). Das Spiel blieb weiter spannend, beide Mannschaften kämpften um jeden Ball und der Schiedsrichter ließ die harte, aber ansonsten sehr faire Partie laufen. Selten wurde die Partie durch so profane Dinge wie Freistöße unterbrochen. In der 83. Minute, genau auf unserer Augenhöhe, passierte es dann. Ein Eierball flog orientierungslos durch den Strafraum und senkte sich ganz langsam ins Netz (geiles Tor für so ein Derby!). Was sich darauf abspielte ist eigentlich kaum zu beschreiben. Der Gästeblock bzw. die Gästeblöcke (es gab noch einen Sitzplatzblock hinter dem Tor unterhalb der VIP-Tribüne) war dermaßen am ausrasten, dass man meinen konnte hier sei gerade die Meisterschaft entschieden worden. Gerade die Meute hinter dem Tor flippte völlig aus – der Zaun komplett belegt mit jubelnden Antwerpenern und dabei mit richtig schön obszönen Gesten Richtung Heimanhang. Aber auch neben uns gab es vereinzelten Jubel und anschließend ein bisschen Haue. Derb viel „Potenzial“ unterwegs, wobei man enorme Schwierigkeiten hatte zu unterscheiden, ob dies nun Leute aus Mechelen, Antwerpen oder irgendwelche Holländer oder Englänger waren. Gerade letztere Gruppe war zahlreich im Stadion vertreten. In den letzten zehn Minuten berannte der KV blind das Tor und es gab noch etliche Aufreger im Strafraum der Gäste, inklusive feinster Rudelbildung, einer roten Karte und einiger Fast-Tore. Als der Schiedsrichter nach vier Minuten Nachspielzeit endlich in die Pfeife blies, gingen die ganzen Jubelorgien wieder von vorne los. Auch die erlebnisorientierten Jungs beider Seiten versuchten sich noch in der einer Ecke des Stadions nahe zu kommen. Gelang aber nicht!  Aber selbst den Spielern war die Freude über den Sieg deutlich anzusehen. Einer lief sogar mit einem Bengalo über den Platz.

Ich muss schon lange zurückdenken solch ein intensives Spiel gesehen zu haben wo einfach alles passte (Stadion, Atmosphäre und vor allem so ein rassiges Spiel).

Tor: 0:1 (83. Min.) Alexander Di Gregorio

 
 

 

 

Vereine:

 

Der KV Mechelen wurde 1904 gegründet und war viermal belgischer Meister (1943, 1946, 1948 und 1989) und einmal Pokalsieger (1987). Seinen größten Erfolg errang der Club unter Trainer Aad des Mos am 11. Mai 1988 in Straßbourg, als im Endspiel um den Europokal der Pokalsieger Ajax Amsterdam mit 1:0 bezwungen wurde. Im Jahre 2002 kam es für den KV ganz dicke, als auf einmal 20 Mio. Euro Schulden auf dem Verein lasteten. Aber die Streichung aus dem Vereinsregister konnte abgewendet werden und der KV brauchte nur in die dritte Liga zwangsabsteigen. Jetzt spielen sie wieder in der zweiten Liga.

Der Royal Antwerp F. C. (Spitzname „The Great Old“) ist der älteste Fußballverein Belgiens und wurde im Jahre 1880 gegründet. Viermal wurde der Verein belgischer Meister (1928, 1931, 1944 und 1957) und gewann zweimal den Pokal (1955 und 1992). 1993 erreichte der Verein sogar das Finale des Europapokals der Pokalsieger, verlor jedoch in London gegen Parma mit 1:3. Aus dem Royal Antwerp F. C. spalteten sich übrigens im Jahre 1900 nach internen Streitigkeiten ein paar Mitglieder ab, die anschließend den Konkurrenzklub Beerschot gründeten. Seitdem verbindet beide Clubs eine intensive Feindschaft. 1998 unterschrieb der Verein einen Kooperationsvertrag mit Manchester United mit dem Ziel, englische Talente in Belgien spielen zu lassen. Resultat dieser Zusammenarbeit war der Abstieg.

 

Stadion:

 

Das Stadion „Achte De Kazerne“ ist ein Stadion so ganz nach meinem Geschmack. Angefangen von der Lage inmitten eines Wohngebiets bis hin zu der engen Bauweise und der vier unterschiedlichen Tribünen. Die Haupttribüne bietet nur in der Mitte ein paar Schalensitze, während man rechts und links davon noch auf schönen alten Holzbänken Platz nehmen darf. Vor der Tribüne gibt es noch ein paar Stehplatzstufen. Hinter dem einen Tor gibt es eine recht schmale Doppelstocktribüne, die rein architektonisch sehr gewagt anmutet. Unten steht das Volk, oben sitzt es. Die Gegengerade ist eher klassisch, aber schön und funktionell. Dort befinden sich zum einen die einheimischen Supporter und zum anderen die Gästefans. Getrennt werden beide Lager nur durch einen Mini-Pufferblock. Hinter dem anderen Tor wurde ganz neu gebaut. Hier befindet sich die Geschäftsstelle, der Business-Club, deren Mitglieder das Spiel auf roten Polsterstühlen hinter einer Glaswand verfolgen können. Davor gibt es noch mal einen unüberdachten Sitzplatzblock, der aber wohl auch für die Gästefans reserviert scheint. Man stelle sich mal vor, die VIP und die Auswärtsschläger kommen sich mal ins Gehege.

 

 

 

 

 

Tageskilometer:               380 km mit dem KFZ von Mönchengladbach nach Mechelen und zurück nach Essen

Saisonkilometer:          7.990 km (5.946 km KFZ und 2.044 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an Carsten, Münsterland-Rene und den Professor

 

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