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           Gouden Gids Divisie, Saison 06/07, 08.12.2006            

 

   1:2 

 

SC Fortuna Sittard - FC Omniworld

 

Sittard, Wagner & Partners Stadion (2.800 Zuschauer)

 

 

Da das Derby von den Spielplanterroristen des DFB auf den Sonntag gelegt wurde, öffnete sich ein kleines Zeitfenster, welches man mit brisanten und hochklassigen Benelux-Spielen füllen konnte. An der Tourenplanung konnte ich mich diesmal nur indirekt beteiligen, da die zwei Kollegen Zumsel und Jens Nonleague eh viel mehr Ahnung von der Materie hatten und zudem ein kleiner Virus mich vom Rechner fernhielt und stattdessen an Bett und Schüssel fesselte. Einzige Bedingung an die beiden Tourenplaner war, dass ich am Sonntag spätestens um 16:30 Uhr vor der 61.482 Zuschauerfassenden Mehrzweckturnhalle stehen muss. Wenn man sich verlässt, ist man ja meist verlassen – aber dazu später noch mehr. Freitagmittag – sogar ziemlich exakt Noon – war es dann doch endlich Zeit, die 500 km in den Westen anzugehen. Schließlich wollten wir um 16:00 Uhr gen Holland starten. Trotz zweier kleiner Staus erreichte ich den Treffpunkt einigermaßen unpünktlich (20 Minuten sind vertretbar, wie ich finde) und fand mich alsbald auf der Rückbank neben meinem neuen Freund wieder. Die 20 Einheiten Doofmunder Kronengebräu wurden sozusagen als die logistische Meisterleistung des Fahrzeugführers Zumsel angepriesen, mit dem Hinweis darauf, dass somit die allabendliche mühsame Suche nach einen Getränkeverkauf entfällt. Aufgrund des eingangs schon erwähnten Virus war mein Durst auch in den nächsten drei Tagen nicht sonderlich groß. Durch den ruhr- und rheinischen Feierabendverkehr quälten wir uns dann Richtung Niederlande, welches wir erstaunlicherweise auch fanden. Dies sei extra erwähnt, denn die zweite logistische Meisterleistung des Fahrers waren die Routenplanerausdrucke einer Software, die wahrscheinlich noch auf dem C64 lief. Auch sonstiges Kartenmaterial an Bord Fehlanzeige. So kann man dann eine schnöde Fahrt ins Land der Tulpen und Fritten noch künstlich aufpeppen. Gegen viertel vor sieben (Anstoß 20 Uhr) kamen wir in der Nähe von Sittard an, ließen unbewusst das Zentrum links liegen, um nach wenigen Kilometern zufällig das Stadion rechts zu finden. Die Flutlichter waren an, der Regen peitsche gegen die Windschutzscheibe und außerhalb des Fahrzeugs wehten orkanartige Winde. Menschen waren trotz intensiver Suche nicht zu finden. Spielausfall!? Glücklicherweise nicht, denn die Nachfrage in der Geschäftsstelle (wo es dann doch Menschen gab) vertrieben die schlimmsten Befürchtungen. Recht frühzeitig betraten wir dann das „Wagner & Partners Stadion“ und langweilten uns in der Stadiongaststätte bei harten und lauten Kirmestechnorhythmen dem Anpfiff entgegen.

Der gastgebende SC Fortuna Sittard spielte in den 90er Jahren unter Trainer Bert van Marwijk (richtig, der zukünftige Ex-Trainer der Gelb-Weißen östlich von Castrop-Rauxel) und mit dem Spieler van Bommel recht erfolgreich in der ersten Liga. Dann ging der Trainer und Sittard stieg ab (Vielleicht sollten sich die Vereinsbankrotteure an der B1 die Trainerfrage noch mal durch den Kopf gehen lassen, oder besser nicht). Später ging dem Verein dann das Geld aus, aber da ein Abstieg aus Hollands zweiter Liga ja bekanntlich nicht möglich ist, konnte sich man sich mit Hilfe von Jugendspielern und einem Lottogewinn über Wasser halten. Sittard rangiert derzeit auf dem viertletzten Tabellenplatz, was aber auch total egal ist. Der Gast aus Almare mit dem klangvollen und traditionsreichen Namen FC Omniworld ist auch nicht viel besser dran und findet sich zwei Plätzchen über dem heutigen Gegner wieder. Der FC Omniworld aus Almere hat eine lange Tradition, denn nur 22 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt wurde der Sportverein gegründet. Almere gibt es seit 1975 und das Land, auf dem das Städtchen liegt, auch nicht viel länger. Wenn man als sich als Staat flächenmäßig als zu klein empfindet, müsste man erst aufwändig Kriege führen um sich weiter auszubreiten oder alternativ eine Wiedervereinigung mit einem ähnlich sprechenden Volk durchführen. Die Geschichte zeigt allerdings, dass die Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen sind und daher haben unsere Nachbarn mit den Wohnwagen einen neuen (fast schon revolutionären) Weg eingeschlagen und solange Sand ins Meer kippten, bis man keine nassen Füße mehr bekam. Später hat man dann Häuser drauf gebaut und fertig war die Laube namens Almere. Wenn so ein Städtchen alles hat was man so braucht (Straßen, Kernkraftwerk, Kirchen etc.), dann verlangt die Einwohnerschaft nach Unterhaltung (jeder der schon mal SimCity gespielt hat, kann davon ein Liedchen singen). Ergo wurde ein Sportkomplex gebaut, dann ein Verein gegründet (1997) und nach ein paar Jahren wurde beim niederländischen Verband mal zart angefragt, ob man nicht auch in der zweiten Liga mitspielen kann. Diese sagten zwar erst nein (2004) und stimmten dann aber doch zu (2005). In der ersten Saison (05/06) belegte man gleich den vorletzten Platz (Letzter Fortuna Sittard). Der erste Sieg in der Vereinsgeschichte datiert vom 16.09.2005 (achter Spieltag) und jetzt darf ein Jeder mal raten gegen wen? Richtig, nicht nur gegen sondern auch bei Fortuna Sittard.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Nachdem die ganze Brisanz dieser Partie herausgearbeitet wurde, braucht man sich nicht über die offizielle Zuschauerzahl von 2.800 (davon grob 18 Gäste) zu wundern. Anscheinend gibt es im „Wagner & Partners Stadion“ unterirdische Tribünen, wo man die ganzen Zuschauermassen versteckt, denn bestenfalls mögen vielleicht 1.000 Zuschauer Zeuge dieser Partie gewesen sein. Egal, interessiert wahrscheinlich eh keinen. Für Unterhaltung sorgten die 23 Typen in kurzen Hosen nur in der ersten halben Stunde. Omniworld ging früh mit 2:0 und zwei schönen Toren in Führung, worauf einige Zuschauer schimpfend das Stadion verließen. Diese verpassten dann die letzte erwähnenswerte Szene des Tages, als der Gästekeeper die Sense rausholte und vom Platz flog. Sein Ersatzmann hielt zwar den Elfmeter, war allerdings beim Nachschuss chancenlos. In Überzahl und mit zunehmender Spieldauer wurden die Hausherren immer planloser. Die Gästefans freuten sich tonlos, die Handvoll Supporter für Fortuna Sittard vermochten nicht die restlichen im Stadion befindlichen Zuschauer aufzumuntern.

Tore: 0:1 (10. Min.) Haklander, 0:2 (20. Min.) Amrabat, 1:2 (30. Min.) Bouhadan (FE).

 

 

 Stadion:

 

Innen hui, außen pfui – ist man geneigt zu schreiben. Das Stadion steht irgendwo vor den Toren der Stadt auf plattem Land (ok, ist jetzt in Holland nix Besonderes) und Drumherum gibt es eigentlich nichts was das Herz begehrt. Innen sieht die Lage etwas besser aus, sprich vier überdachte Tribünen, die mit blauen Schalensitzen ausgestattet sind. Zwar letztlich doch wieder der übliche Einheitsbrei, aber halt größer und farblich dezenter.

 

 

 

Tageskilometer:                    569 km von Berlin über Dortmund nach Sittard

Saisonkilometer:            15.754 km (13.710 km KFZ und 2.044 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 

 

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