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           Verbandsliga Westfalen II, Saison 06/07, 10.12.2006           

        

 

       1:2 

 

DSC Wanne-EickelVorwärts Kornharpen

 

Herne, Stadion Wanne-Süd (400 Zuschauer)

 

 

…=> Die nächste Etappe von Mouscron nach Gent war erneut herrlich kurz, so dass wir allenfalls ein gutes Stündchen im aufgeheizten Kombi verbringen durften. In Gent trieb die Beschilderung wieder Schabernack mit uns und so mussten wir dreimal (allerdings vergebens) Anlauf nehmen, um die F1-Auberge zu finden. Erst ein Dönerbudenbesitzer und sein einziger Kunde erarbeiteten uns einen Plan der vom Feinsten war. Auf Einpackpapier zeichnete er uns den Weg auf, malte Bahnübergänge in Ermangelung sprachlicher Kenntnisse auf den Boden und machte uns mit all seinen Vieren deutlich, dass wir auf keinen Fall nach irgendeiner Ampel irgendwo unten drunter herfahren sollen. Herrlich! Das ganze Szenario dauerte ca.20 Minuten und so fanden wir unsere Hütte (fast) ohne weiteren Umweg. Das F1-Hotel war übrigens rappelvoll, denn der gesamte osteuropäische Autoschieberring hatte sich hier eingemietet. Es folgte das Übliche: die Herren pumpten fleißig (mit ordentlichem Druck) die Plörre aus der BRD in ihren Hals, während ich mich wieder meinen Magenkrämpfen widmete. Darüber muss ich wohl ohnmächtig geworden sein und erwachte erst wieder, als mich die beiden Bierfreunde wohl ärgern wollten. Das Licht war aus und einer simulierte Schnarchgeräusche, die einem fast das Trommelfell platzen ließen. Am besten ignorieren, so mein Plan. Aber als der Lärm auch nach einer halben Stunde nicht leiser wurde, entpuppte sich die vermeintliche Simulation als nackte Realität. Wenn der eine gerade fertig war, fing der andere an. Am nächsten Morgen, wieder war vom Tage noch nix zu sehen, fing dann die Autoschieberkonferenz im und um das Hotel herum an. Jetzt war auch alles egal, zumal man eh um 9 Uhr am Bahnhof von Gent sein wollte, damit der Schreiberling auch ja pünktlich an die Emscher kommt. Von Gent sollte es mit dem Zug erst nach Brüssel, dann mit dem Thalys nach Köln und dann weiter nach Gelsenkirchen gehen. Für mich als alten Eisenbahnfreund eine willkommene Gelegenheit erstmalig mit dem Hochgeschwindigkeitszug zu reisen, welcher allerdings mit dem Makel behaftet ist , die einfache Fahrt mit 41 Euro zu verbuchen. In Brüssel angekommen, konnte ich mich nach kurzem Aufenthalt in das Meisterwerk der Technik schwingen und wurde vom Interieur doch schwer enttäuscht. Die Sitze waren zwar schön rot und weich, allerdings der Platz doch sehr beengt. Nach zwei Stunden und zwanzig Minuten Fahrzeit wurde Köln erreicht, dort die Reviersport gekauft und der erst beste Zug ins Ruhrgebiet bestiegen. Beim Studium der Gazzetta fiel mir dann auch gleich die Partie des DSC Wanne-Eickel gegen die Bochumer von Vorwärts Kornharpen ins Auge. Kurz das Schwesterchen zum Essener Hbf beordert und pünktlich zum Anpfiff waren wir in Herne 2, ehemals Wanne-Eickel. Mit Benny-Hagen war dann auch ein bekanntes Gesicht zugegen.

Der einstige Zweitligist (2. Bundesliga Nord 1978-1980) wurde erst im Oktober 1969 praktisch im Alleingang vom Bauunternehmer Robert Heitkamp gegründet. Als Grund führte der steinreiche Mann an, dass man der „…deutschen Jugend, insbesondere den Studenten, von der Party- und Beat- über die Sexwelle bis hin zu den heutigen Krawallen an den Universitäten aus politischen Motiven und ihrer Einstellung der älteren Generation gegenüber…“ ein Heim in Forum eines Sportvereins geben wolle. Der Deutsche Sport-Club Wanne-Eickel war geboren. Damit man nicht ganz unten anfangen musste, verleibte man sich gleich den TB Eickel ein und durfte so als neuer Großverein direkt in der Verbandsliga (damals dritthöchste Spielklasse) antreten. Zunächst wurde der neue Club in der Stadt noch argwöhnisch betrachtet. Doch als aus Wanne-Eickel im Zuge der kommunalen Neugliederung in den 70er Jahren ein Stadtteil von Herne wurde, war der DSC über Nacht so was wie das gallische Dorf und Westfalia Herne der große Gegner. 1975 trafen beide Teams aufeinander und spielten um den Aufstieg, doch der Underdog erreichte nur ein Unentschieden und stieg nicht auf. Erst 1978 schafften sie es und spielten nur mit Amateuren zwei Spielzeiten (in der zweiten Bundesliga Nord (13. und 11. Platz), ehe sie sich freiwillig aufgrund der hohen Kosten wieder zurückzogen. Danach kickten sie 13 Jahre lang in der Amateuroberliga (dritthöchste Spielklasse), ehe sie 1993 in die Verbandsliga abstiegen. Im Jahre 2001 stand der Verein kurz vor der Pleite, konnte aber noch gerettet werden. Im Sommer stieg der DSC Wanne-Eickel zwar sportlich in die Oberliga auf, versäumte es aber, die Lizenzunterlagen fristgerecht einzureichen und verblieb deshalb in der Verbandsliga. Tragisch dabei war, dass der zuständige Mitarbeiter mit einer schweren Krankheit im Hospital lag und kein anderer daran dachte die Unterlagen für ihn abzugeben. Nutznießer war SF Oestrich, denen ein Jahr zuvor der Aufstieg aus ähnlichem Grund versagt blieb.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Der Zweite (34. Punkte) und der Vierte (29.) der Verbandsliga Westfalen II trafen sich heute im Sportpark Wanne-Süd und da beide Teams aufsteigen wollen, konnte man sich auf eine schöne Partie freuen. Es fing auch gut an, zumindest für die Hausherren, die sich nach fünf Minuten über ein Eigentor der Gäste freuen konnten. Danach hatten die Gäste mehr vom Spiel, der Deutsche Sport-Verein allerdings die besseren Möglichkeiten. Noch vor der Pause konnte Kornharpen per Elfmeter sehr zum Jubel der gut zwei Dutzend „mitgereisten“ Anhänger ausgleichen. Ein paar Minuten nach der Pause krönten die Gäste ihre starke Vorstellung mit dem Siegtreffer. Für ein wenig Stimmung im weiten Rund sorgten übrigens die Ultras Wanne-Eickel.

Tore: 1:0 (5. Min.) Niemyski (ET), 1:1 (30. Min.) Silberbach (FE), 1:2 (50. Min.) Mouelle

 

 

 Stadion:

 

Der Sportpark Wanne Süd wurde wohl erst nach dem zweiten Weltkrieg errichtet und später, als der DSC in die 2. Liga aufstieg, weiter ausgebaut. Die Form der Spielstätte ist durch die Laufbahn logischerweise oval und rundherum gibt es ausreichend Stehplatzstufen die von schwarz-gelben Wellenbrechern durchzogen sind. Auf einer Längsseite gibt es zudem noch eine überdachte Tribüne, die ein paar hundert Zuschauern Schutz vor den Widrigkeiten der Natur bietet.

 

 

 

 

Tageskilometer:                    80 km mit dem KFZ von Mouscron nach Gent und 324 mit der Bahn von Gent nach Essen

Saisonkilometer:           17.339 km (15.071 km KFZ und 2.368 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 

 

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