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          FA-Trophy, Saison 06/07, 13.01.07             

 

       0:1 

 

Exeter City F. C. Kidderminster Harriers F. C.

 

   Exeter, St. James´ Park (2.418 Zuschauer)

 

 

Nach vier Wochen Winterpause rollte der Ball endlich wieder und das war auch bitter nötig, hat man sich doch schon selbst ertappt - beim Eishockey. Die Flüge in die englische Hauptstadt habe ich diesmal extrem kurzfristig (im letzten Sommer) gebucht und dementsprechend war natürlich auch der Preis. Parallel zur Buchung ging auch die Selbsteinladung an Lee raus, damit er schon mal weitsichtigerweise die Couch räumen und den Kühlschrank füllen konnte.

Morgens ums fünf am Otto-Lilienthal-Flughafen in Berlin-Tegel war die Welt natürlich ob des frühen Aufstehens so gar nicht in Ordnung, aber dieses Schicksal musste ich nicht alleine tragen. Für das Teilstück Berlin International Airport – London Liverpool Street hatte ich Begleitung eines Leidensgenossen bzw. einer Leidensgenossin. Für eine Dame ist das Besuchen von internationalen Fußballspielen eher untypisch (sag ich jetzt mal so) und wenn dann trifft man sie nur in maskuliner Begleitung an. Und um den feministischen Flügel dieser Zunft zu stärken konnte ich ihr sogar bei der Kartenbeschaffung für das Spiel West Ham gegen Fulham behilflich sein und meine Chipkarte mit den gekreuzten Hämmern zur Verfügung stellen. Eine Viertelstunde nach sechs Uhr schwang sich der Vogel in die Lüfte und da die Airline die Hauptstadt im Namen trägt gab es sogar Verpflegung an Bord. Dank Zeitverschiebung setzten die quietschenden Reifen der Fokker eine halbe Stunde später auf englischem Boden auf. Dass England nicht gerade billig ist, dürfte sich mittlerweile auch in den entlegensten Gebieten unseres Planeten herumgesprochen haben und kaum hatten wir die Ankunftshalle verlassen, wollten uns die Banditen um je 25 Pfund für die Hin- und Rückfahrt vom Airport in die City erleichtern. Welch eine Relation zum Flugpreis! Da zahlt man für 120 Kilometer (also Hin- und Rück) ca. 38 Euro und dies entspricht ca. 32 Cent pro Kilometer. Der Flug, der ungefähr genauso teuer war, kostet dagegen nur 2 Cent pro Kilometer. Wir schlugen den Jungs von Wucher-Express allerdings ein Schnippchen und entschieden uns für den Bus, der „nur“ 14 Pfund (0,18 Euro/km) für die beiden Strecken kostete. Diese Variante ist allerdings nur bedingt zu empfehlen, da man länger unterwegs ist und zudem die Organisation nicht so ganz durchdacht wirkte. Aber da wir massig Zeit hatten war das schon in Ordnung. Die Hälfte der Busreisenden waren übrigens italienische Halbtagstouristen. Früh irgendwo in der Pampa weitab von Mailand gestartet und gegen zehn Uhr die City an der Station Liverpool Street erreicht, hatten sie exakt fünf Stunden Zeit ehe es wieder zurückging. Die ganze Aktion übrigens ohne ein Spiel gesehen zu haben – ich meine daher: Absolut Sinnfrei! Mit den Plappermäulchen aus Bella Italia erreichten wir Liverpool Street und hier trennten sich unsere Wege. Susen wollte noch dem 10-Pfund-Hostel einen Besuch abstatten und für mich ging es zum Treffpunkt nach Paddington Station. Dort nahm mich eine halbe Stunde vor Abfahrt unseres Zuges (1105 Plymouth) Lee in Empfang und gemeinsam traten wir dann die Reise in den Südwesten des Königreiches an. Ziel der Reise war Exeter, genauer der St. James’ Park um dort das Aufeinandertreffen des City Clubs und der Kidderminster Harriers zu verfolgen. Natürlich hätte es in London noch reichlich Spiele gegeben, aber da ich mit Lee ein Spiel besuchen wollte und er als Einheimischer nicht mehr allzu viele unbesuchte Stadien in den oberen Ligen auf seiner Liste hatte, lag es an mir zwischen Coventry, Hull, Sunderland und Exeter auszuwählen. Ich entschied mich dabei für den einzigen Non-League-Verein, da Hull und Sunderland (hätte man eh fliegen müssen) zu weit weg waren und der Neubau in Coventry nicht weglaufen wird. Aber auch der Gegner mit dem klangvollen Namen Kidderminster Harriers hatte es mir angetan und da morgen ja noch ein Spiel der höchsten Spielklasse auf dem Programm stand, fand ich die Mixtur mehr als gelungen. Im Zug gesellte sich noch ein Supporter vom Bury F. C. dazu, der auf dem Weg zum Tabellenletzten der Division Two (also vierthöchste Liga) Torquay war. Die gut zwei Stunden Fahrzeit vergingen daher ganz fix und nach einem kurzen Umstieg erreichten wir alsbald die Station St. James’ Park in Exeter. Von den Gleisen führte ein kleiner Weg nach oben und schon standen wir direkt vor dem Stadion und beim ersten Anblick waren wir uns einig, dass wir die richtige (Spiel-) Entscheidung getroffen hatten. Eine ziemlich gelungene Mischung aus alt und neu erblickten unsere Augen und da wir noch ein bisschen Zeit hatten, steuerten wir gleich die Stadionkneipe an, die zwar nicht im Stadion zu finden ist dafür aber in einer ehemaligen Schule direkt daneben. Fanshop und Geschäftsstelle befinden sich ebenfalls in dieser ehemaligen Lehranstalt. Nach einen obligatorischen Gebräu (Geschmack war so eine Sache) entschieden wir uns für einen Platz auf der bestuhlten Gegengeraden, wenngleich es heute für 10 Pfund freie Platzwahl gab. Sehr zu meinem Leidwesen gab es für den Vorzugspreis (Der Normalpreis bei Ligaspielen beträgt 16 Einheiten königlicher Währung) keine Eintrittskarte. Aber der gute Mann hinter dem Gitter versprach Abhilfe und während wir uns an den Darbietungen auf dem Rasen erfreuten, kam dieser um die Ecke und überreichte mir ein frisch ausgestelltes Billet. Herzlichen Dank dafür, wenn gleich mein Geschreibsel im Internetz den Südwesten (hoffentlich) nie erreichen wird.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Der FA-Trophy-Cup ist der Pokalwettbewerb für Non-League-Clubs und wird seit 1969 ausgespielt. Die Finalspiele wurden meist in Wembley ausgetragen und auch meist vor einer großen Zuschauerzahl. Der erste Titel ging an Macclesfield Town, die Telford United mit 2:0 vor 28.000 Zuschauern besiegten. Der Wettbewerb wird zwar schon ernst genommen, allerdings waren die Zuschauerzahlen bei den normalen Ligaspielen in Exeter immer höher. Beide Kontrahenten spielen in der gleichen Liga, dass heißt in der Conference, der fünfthöchsten (aber noch eingleisigen) Spielklasse. Erwartet hatten wir einen spannungsreichen Pokalfight, geboten wurde uns dieser aber nur in der ersten und in der letzten Viertelstunde. Dazwischen war der Kick sehr hart, aber auch sehr niveauarm. Das Tor des Tages fiel durch Christie, der nicht nur deshalb bester Mann auf dem Platz war. Als einzige Sturmspitze sorgte er für feinste Unterhaltung. Schöne Foulspiele, gelungene (aber leider etwas glücklose) Weitschüsse wechselten sich mit verbalen Einlagen ab. Stimmungstechnisch hatten die gut 200 Gästefans die Nase vorn. Genau genommen kann man hier auch von einem Dauersupport schreiben. Der einheimische Anhang war dagegen eher weniger zu hören. Unsere Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen, denn es war auch so ein richtiger netter Nachmittag.

Tor: 0:1 (31. Min.) Christie

 

 

Vereine:

 

Für britische Verhältnisse recht jung ist der Fußballclub Exeter City, der im Jahre 1904 aus der Fusion von Exeter United F. C. und St. Sidwell United F. C. entstand. Der Club spielte bis zur Einstellung des Spielbetriebs (1. Weltkrieg) 1915 drittklassig, und als man nach der vierjährigen Pause wieder mit dem Fußballspielen begann war Exeter City F. C. Gründungsmitglied der neuen 3. Liga. Die beste Platzierung gelang ihnen im Jahre 1933, als sie Zweiter wurden (damals stieg nur der Erstplatzierte auf). Zwischen 1939 und 1945 wurde der Spielbetrieb abermals eingestellt und auch nach dem Krieg spielten die „Griechen“ (so der Spitzname des Vereins) bis 1958 in der dritthöchsten Spielklasse. In dem Jahr stieg der Club zum ersten Mal ab, konnte aber 1964 den Aufstieg feiern. Nach zwei Spielzeiten ging es dann wieder zurück und 1977 schafften sie abermals den Aufstieg (3. Liga). Das Auf und Ab setzte sich aber in den 80er und 90er Jahren fort: 1984 Abstieg, 1991 Aufstieg (zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte konnte eine Staffel gewonnen werden) und 1994 wieder der Abstieg. Der letzte Abstieg war verbunden mit extremen finanziellen Schwierigkeiten. Die Schulden waren so hoch, dass der Verein sein Stadion an eineN Bauunternehmer verkaufen musste und Glück hatte, dass die Stadt es zwei Jahre später zurückkaufte und seitdem den St. James Park an den Verein vermietet. Bis 2003 spielte der Exeter City F. C. in der vierten Liga und nach 80 Jahren als „League-Club“ folgte der bittere Abstieg in die Conference (der höchsten Non-League-Spielklasse). Auch bei diesem Abstieg gab es wieder finanzielle Probleme und der Verein musste kurzzeitig vom Supporters Trust geleitet werden.

Die Kidderminster Harriers (F. C.) wurden im Jahre 1886 gegründet, wenngleich es den Verein schon seit 1877 gab, allerdings „nur“ als Rugby- und Leichtathletikverein. Nachdem sie lange in kleineren, lokalen Ligen spielten wechselten sie erst 1939 in die traditionsreiche Southern League. Aber nach exakt zwei Spielen wurde der Spielbetrieb aufgrund des 2. Weltkrieges für sechs lange Jahre eingestellt. Bis in die 90er Jahre  sorgten die Kidderminster Harriers nur im Pokal für Aufsehen. 1987 gewannen sie die FA-Trophy in zwei Spielen (das erste ging 0:0 aus) gegen Burton Albion und 1991 und 1995 erreichten sie jeweils das Finale, verloren aber beide Endspiele in Wembley (gegen Wycombe Wandereres und gegen Woking (vor 34.842 Zuschauern)). In der Liga (Conference) lief es dagegen weniger gut. Zwar gewannen die Harriers 1994 die Staffel, aber der Verband versagte ihnen den Aufstieg mit der Begründung, dass das Stadion nicht tauglich für „League-Fußball“ sei. 1997 fehlten nur noch Sekunden zum Aufstieg, doch Maccesfield gewann das Finish. Zwei Jahre später wurde Jan Molby, der ehemalige dänische Nationalspieler der auch lange für den Liverpool F. C. kickte, verpflichtet und ein Jahr später stiegen die Mannen auch auf. Molby blieb bis 2004 (kurz unterbrochen von einer Halbsaison bei Hull City) und ein Jahr später stiegen die Kidderminster Harriers wieder in die Conference ab.

 

 Stadion:

 

Exeter City F. C. spielt schon seit der Vereinsgründung – also 1904 – auf dem Rasen, der heute von Tribünen umgeben ist. Vor über hundert Jahren gab es nur hier eine grüne Wiese. Später wurde der Ground ausgebaut, allerdings fiel alles einem Brand im Jahre 1920 zum Opfer. Um das Stadion wieder herzurichten musste der Club seine besten Spieler verkaufen. Einer davon war Cliff Bastin, der später bei Arsenal zum Nationalspieler wurde. Heute ist eine Tribüne im St. James Park nach ihm benannt. Wie bereits oben schon erwähnt musste der Verein im Jahre 1994 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten das Stadion an einen Bauunternehmer verkaufen, doch die Stadt kaufte es ein paar Jahre später von ihm zurück und vermietete es dann an den Verein. Zur Jahrtausendwende wurde der St. James Park dann noch mal renoviert und erweitert. Die offizielle Kapazität liegt heute bei 9.036 Zuschauern und verteilt sich auf vier Seiten, wovon zwei relativ neu sind. Auf der Gegengeraden befinden sich nur Sitzplätze, während man auf der anderen neuen Seite nur stehen kann. Ein echtes Schmuckstück ist die wunderschöne alte Haupttribüne.

 

 

 

Tageskilometer:                 942 km Flug von Berlin nach Stansted und 334 mit der Bahn von Stansted nach Exeter

Saisonkilometer:           19.956 km (15.071 km KFZ und 3.943 km mit der Bahn und 942 km mit dem Flugzeug)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an Susan und Lee

 

 

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