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          A´Ethniki Katigoria, Saison 06/07, 24.02.07                    

 

    1:0

 

Atromitos Athinon FCIonikos FC

 

Athina, Stadio Peristeriou (ca. 1.500 Zuschauer)

 

 

Mit einem Koffer voller Wachspapier starteten der bekloppte Schlachter aus Eicksfeld und ich gen Athen. Gebucht habe ich meinen Flug im Dezember, da an diesem Wochenende zwei Derbys (PAOK gegen Aris und AEK gegen Panathinaikos) angesetzt waren. Gleiches Programm hatten auch ein Herr aus dem Tecklenburger Land und der schönste Mann im hintersten Pommern auf dem Zettel und so wäre man eigentlich als Trio unterwegs gewesen. Der griechische Fußballverband meinte es aber besonders gut mit uns und tauschte kurzerhand die Spieltage, so dass die Derbys eine Woche vorher stattfanden (beide sollen übrigens nicht so pralle gewesen sein). Das Trio wurde daraufhin gesprengt, denn der eine flog eine Woche früher und der andere verzichtete ganz. Der bekloppte Schlachter buchte zwar auch, aber seine Buchung verfing sich irgendwo im Easyjetinternetnirvana. Ein paar Tage vor Abflug kam dann doch die Bestätigung und nach ereignislosem Flug landeten wir frisch rasiert (um sich optisch von der lokalen Damenwelt zu unterscheiden) in der griechischen Hauptstadt. Via Bus und Metro war unser erstes Ziel der citynahe Plata Omonias, wo unser vorgebuchtes Hotel lag. Direkt nach dem Abladen der Klamotten sondierten wir die touristische Lage und dem Abflanieren der Einkaufsstraßen Stadiou und Ermou standen wir alsbald am Fuße der Akropolis. Da es schon dunkel war verschoben wir die Besichtung auf den nächsten Morgen. Nach dem obligatorischen Gyros schlenderten wir zurück zum Hotel und entdeckten in einem Restaurant zwei Westtschechen aus Nordösterreich, die mit ihrem Betreuer Norbert unterwegs waren. Die Konversation mit den Typen aus Ostschwaben scheiterte allerdings kläglich, da sie nicht in der Lage waren ihre Laute für uns zu untertiteln. Nach ein paar Mythos-Bieren ging der erste Tag in Hellas zu Ende.

 

Dank König Otto (nicht Rehagel) aus dem Hause Wittelsbach, der das Reinheitsgebot in Griechenland einführte, erwachten wir am nächsten Morgen ohne Kater. Nach einem vor Olivenöl triefenden Frühstück, welches den Darmausgang für gleichgeschlechtliche Liebe kompetent vorbereitete, starteten wir unser Tagesprogramm. Als erstes begutachteten wir den hiesigen Fisch- und Fleischmarkt, wo jedem deutschen Ordnungsamt die Plomben ausgegangen wären. Etwas später stürmten wir voller Elan (und einigen Magenkrämpfen) hoch zur Akropolis, wo Athene ihre Häuschen hatte. Den Eintrittspreis von 12 Euro konnten wir zwar um 50% (also etwa die Hälfte) runterhandeln, dennoch war die Enttäuschung bei der Besichtigung groß. Der Ort entpuppte sich als ziemlich unaufgeräumt und so manches Gebäude schrie förmlich nach der Abrissbirne. Allerdings waren am Vortag die beiden Südfranken mit ihrem Pfleger hier und so könnte es sein, dass sie für das Chaos verantwortlich zeichneten. Da es auf dem Berg auch noch sehr zugig war, marschierten wir zum alten Olympiastadion (Panathenaikon), wo die ersten Spiele der Neuzeit ausgetragen wurden. Ein Kick fand leider nicht statt und da noch nicht mal Tore aufgebaut waren, gingen wir gleich weiter zum alten Stadion von Panathinaikos (Apostolos-Nikolaidis-Stadion bzw. Leoforos), welches auch noch zentrumsnah liegt. Eine sehr schöne Spielstätte die eingebettet in einem Wohngebiet liegt und vor allem durch die zahlreichen Graffitis sehr beeindruckt. Fußball gespielt wird nicht mehr, vielleicht noch mal in der nächsten Saison für ein paar Spiele, aber das weiß nur Zeus.

 

Nach soviel Latscherei gierten die Körper schon wieder nach Souvlaki und nach dem kleinen Imbiss war es dann endlich an der Zeit sich dem brisanten Derby zwischen Atromitos und Ionikos (Piräus) zu widmen. Mit der U-Bahn (Rote Linie) fuhren wir dann bis Agios Antonios in den Stadtteil Peristeri. Von da aus hätte man schon laufen können, wir entschieden uns aber für die Luxusvariante Bus (Nr. 821, Haltstelle liegt aber ein bisschen versteckt in einer Seitenstraße). Am Stadion angekommen trafen wir gleich einen ehemaligen griechischen Gastarbeiter, der wie nicht anders zu erwarten, vorzüglich deutsch sprach. Erwähnenswert noch, dass der Anteil der Englisch- bzw. Deutschsprechenden Bevölkerung verdammt hoch ist und daher der gemeine Tourist ganz gut durch die teilweise doch recht unübersichtliche Stadt kommt. Beim Ticketkauf entschieden wir uns für die Variante billigst und zu dieser Wahl beglückwünschte uns auch der Billetverkäufer. Auf der Karte stand Gate 6 und als wir uns dort ordnungsgemäß einfanden, waren wir so was wie die Hauptattraktion des Abends für das dortige Fanvolk. Es dauerte keine Minute bis uns der erste ansprach und wir daraufhin gleich mit einem halben Dutzend Anhänger ins Gespräch kamen. Die Supporter beschrieben sich als antirassistisch und links (das eine bedingt das andere ja nicht) und waren auch sonst sehr angenehme Zeitgenossen und gute Gastgeber, wie die uns geschenkten Aufkleber und Schals zeigten.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Der Neunte gegen den Tabellenletzten – na, wenn das mal kein Leckerbissen ist. Gästefans (obwohl Ionikos nur einen Steinwurf entfernt liegt) gleich gar nicht vor Ort oder verboten. Das Spiel passte sich den Rahmenbedingungen bestens an und so sorgte, den Göttern sei Dank, ein fragwürdiger Foulelfmeter für wenigstens einen Höhepunkt des Abends. Positiv hingegen die ca. 200 Supporter hinter dem Tor, die ungeachtet des Spielverlaufs einen kleinen, aber feinen Dauersupport inklusive einiger Bengalen aufs Parkett legten.

Tor: 1:0 (70. Min.) Luciano (FE)

 
 
 
 

Vereine:

 

In der letzten Saison qualifizierte sich Atromitos für den UEFA-Cup, aber der FC Sevilla verhinderte einen Vorstoß in die zweite Runde. Gegründet wurde der Club im Jahre 1923 und ging vor zwei Jahren mit Chalkidona zusammen.

Im Juni 1965 wurden durch den damaligen Präsidenten Alex Meraklidis die Clubs "Nikea Sport Union" und "Aris" zusammengeführt und fusionierten zum "IONIKOS F.C". Bereits im ersten Jahr des Bestehens schaffte man den Aufstieg in die 2. Griechische Liga durch eine sehr außergewöhnliche Leistung. 1989 stieg Ionikos in die 1. Liga auf, wo Nikos Kanellakis den Verein übernahm und neuer Präsident wurde (Quelle: http://www.hellenica.de).

 

 Stadion:

 

1970 wurde das Stadion von Atromitos im Stadtteil Peristeri gebaut und fasst derzeit ca. 9.000 Zuschauer. Alle Plätze sind Sitzplätze und eine Überdachung sucht man vergebens. Durch die Laufbahn ist der Zuschauer sehr weit weg vom Geschehen, dafür beginnen die Zuschauerränge auch erst in ca. drei Meter Höhe.

 
 

 

Tageskilometer:               1.800 km Flug von Berlin nach Athen

Saisonkilometer:           28.108 km (15.071 km KFZ und 6.553 km mit der Bahn und 5.484 km mit dem Flugzeug)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an Dimitros

 

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