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          A´Ethniki Katigoria, Saison 06/07, 25.02.07                    

 

    3:1

 

Panionios NFC - Kerkyra FC

 

Athina, Stadio Neas Smirnis (ca. 2.500 Zuschauer)

 

 

Für den Sonntagmorgen stellten wir uns den Wecker. Nicht wegen des grandiosen Frühstücksbuffets, sondern weil sich Mike partout ein Vormittagsspiel ansehen wollte. Nur wo, wann und wer gegen wen waren die noch ungelösten Fragen. In Griechenland erscheinen täglich mindestens sechs Sportzeitschriften (kosten übrigens alle einen Euro und sonntags sind auch ganz viele nackte Weiber drin) und drei davon haben wir uns zugelegt. Zwar wussten wir nach dem Studium dieser Gazetten die Ergebnisse der ersten vier englischen Ligen, aber bis auf die drei bis vier Großvereine zeigt der Grieche anscheinend kein großes Interesse am einheimischen Fußball. Gefunden haben wir nämlich nix und sind dann auf gut Glück mit dem Taxi (Kostenpunkt 2,52 Euro!) zum Sportkomplex Dimou gefahren, weil sich dort einige Fußballplätze befinden sollten. Angekommen sind wir dort auch und nach ewig langer Suche haben wir dann den Eingang gefunden, wo auch prompt ein Spiel stattfand. Nur den Zugang zum Gehege fanden wir nicht, so dass wir halbillegal durch eine halbverschlossene Tür an den Spielfeldrand gelangten. Der Kunstrasenplatz verfügte zwar auf einer Seite über eine stattliche, aber keinesfalls beachtliche Stahlrohrtribüne und als ich mich gerade dem Willen meines Begleiters unterwerfen wollte, kam von irgendwo ein kleinwüchsiges und leicht cholerisches Männchen auf uns zu gerannt. Der Typ blökte wie blöd rum und wies uns den Weg auf dem wir gekommen sind. Wir keiften zwar unanständig zurück, legten dann aber doch den Rückwärtsgang ein. Da jetzt auch Mike keinen Bock mehr hatte einen anderen Eingang zu suchen, gab er auf und wir fuhren in Ermangelung gescheiter Alternativen nach Piräus. Dort schlenderten wir erstmal ein bisschen am Hafen rum und fuhren dann wieder mit dem Taxi zum Stadio Karaiskaki von Olympiacos. Der Taxifahrer war nicht nur nett sondern auch noch ganz pfiffig. Seine Frage, ob wir mit der U-Bahn gekommen waren, bejahten wir erstmal und ahnten schon was da jetzt kommen mag. Zumal ganz zufällig ein Handtuch über der Blende des Taxameters lag. Am Ziel angekommen rief er dann den Fahrpreis von 20 Euro auf. Großes Gelächter auf unserer Seite und als ich noch mal nachfragte meinte der Typ doch allen Ernstes zweimal zehn Euro. Hafenaufschlag, touristische Sehenswürdigkeiten und ein neues Auto waren dann die nächsten Argumente. Drei Euro hat er dann gekriegt und zum ersten Mal war ich dann nicht mehr „My friend!“. Den Ausflug zur neuen Heimat von Olympiacos kann man sich übrigens schenken, da das Teil total verrammelt war und von außen wie ein Einkaufszentrum aussieht.

Nach einem Kaffee kehrten wir Piräus den Rücken und fuhren zurück nach Athen in den Stadtteil Nea Smirni. Nea heißt übrigens neu und das alte Smirni (bzw. Smyrna) ist das heutige Izmir, wo auch der griechische Verein Panionios im Jahre 1890 gegründet wurde. Die Stadt war einmal griechisch, wurde aber von den Türken im Jahre 1922 erobert. Ein Feuer und anschießende Pogrome vertrieben oder töteten die Griechen. Seither ist Izmir türkisch und die Überlebenden flohen nach Athen. In die Schlagzeilen kam der Verein im Zuge des Wettskandals um Robert Hoyzer, der damals aussagte, dass seine kroatischen Wettgenossen gewussten hatten, dass Panionios gegen Tiflis in einem UEFA-Cup-Spiel zur Halbzeit zurückliegen würde um dann am Ende doch noch zugewinnen. So kam es dann auch (5:2 nach 0:1 Pausenstand), doch die Untersuchung durch die UEFA blieb erfolglos. Aber der Skandale nicht genug! Ewald „Zettel“ Lienen betreut die Mannschaft und seit Saisonbeginn verdienen sich die beiden Ex-Bundesligaspieler Marcelo Pletsch (Gladbach, Lautern) und Levan Tskitishvili (Freiburg, Wolfsburg) hier ihr Gnadenbrot.

Eineinhalb Stunden vor dem Kickoff waren wir am Panionios-Stadion, welches ebenfalls inmitten eines total unübersichtlichen Wohngebiets liegt. Auffällig hier das sehr große Polizeiaufgebot. Wir wussten zwar, dass es hier in der Vergangenheit auch schon mal ordentlich gescheppert hat, aber gegen den Insel-Club aus Korfu? Aufgrund mangelnder Alternativen setzten wir uns in ein Cafe, genossen die Nachmittagssonne und ließen alle Fünfe gerade sein. Rund 10 Minuten vor dem Anpfiff betraten wir den Ground durch eine Art Seiteneingang und nach wie schon am Vortag heftiger Leibesvisitation nahmen wir pünktlich zum Einlauf der Mannschaften neben dem einheimischen Fanblock Platz.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Das Niveau war zwar nicht besser als am Vortag, aber dafür fielen ein paar mehr Tore und auch Gästefans (ca. 150) saßen (zwar meist schweigend) im Gästeblock. Support seitens der Panionios-Anhänger ganz ok und auch hier wurde mit Bengalen nicht gegeizt. Recht ungewöhnlich übrigens deren Entsorgung. Die erste abgebrannte Fackel landet auf dem Kopf eines im Fanblock befindlichen Köters und eine andere in einem daneben liegenden Busch. Wenig später schlugen ein paar kleine Flammen und eine Menge Rauch daraus und spätestens jetzt wussten wir, dass Holz auch in Griechenland brennt.

Tore: 1:0 (20. Min.) Goundoulakis, 2:0 (45. Min.) Djebbour, 2:1 (50. Min.) Dakol, 3:1 (75. Min.) Berthe

 
 
 
 

Vereine:

 

Panionios NFC wurde im Jahre 1890 in Smyrna (heute Izmir) gegründet. Nach dem türkisch-griechischen Krieg und der damit verbundenen Vertreibung der Griechen gründeten die überlebenden Mitglieder ihren Verein in Athen neu.

AO Kerkyras entstand im Jahre 1967 aus der Fusion von Aris Kerkyras (gegründet 1924), Astereas Kerkyras (1926) und Helespontos (1924). Bis 1999 spielte der Verein aus Korfu keine Rolle im griechischen Fußball, aber dank dreier Aufstiege in wenigen Jahren spielte der Verein in der Saison 04/05 zum ersten Mal in Griechenlands höchster Liga.

 

 Stadion:

 

Nicht weit vom Zentrum entfernt befindet sich das Neas Smyrini Stadion. Es liegt inmitten eines Wohngebiets, hat eine ovale Form und ist auf drei Seiten ausgebaut. Allerdings sieht eine Hintertorseite sehr baufällig aus und war am heutigen Tage auch gesperrt. Es dominieren die Farben Blau und Rot (Schalensitze) und die Haupttribüne verfügt über eine Überdachung. Gebaut wurde das Stadion wohl erst nach dem 2. Weltkrieg, andere Quellen verweisen auf das Jahr 1931.

 
 
 

Tageskilometer:              

Saisonkilometer:           28.108 km (15.071 km KFZ und 6.553 km mit der Bahn und 5.484 km mit dem Flugzeug)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 

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