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Champions League, Saison 07/08, 09.04.08

 

 

F. C. Barcelona - FC Schalke 04

1:0

Barcelona, Camp Nou (72.113 Zuschauer)

 

Allen Unkenrufen zum Trotz wie „Barcelona ist dreckig, hässlich und teuer!“ und ungeachtet der fast aussichtslosen sportlichen Situation war die Vorfreude auf den letzten internationalen Auftritt der Blauen groß. Auslosung – Flugbuchung – Hotelreservierung wurde praktisch zeitgleich erledigt; von planungsähnlichen Aktivitäten gibt es somit nichts zu berichten. Dienstagmorgen – 06:30 Uhr – die Abflughalle in Berlin-Schönefeld erstrahlt im neumodischem Orange und ganz viele Menschen wollen dem tristen teutonischen Aprilwetter entfliehen. Darunter auch wir, namentlich der Genosse Jens von der Arbeitsfront und der Typ, der für diese unsinnige Aneinanderreihung der Buchstaben verantwortlich zeichnet. Nachdem die ersten bekannten Visagen im Warteraum begrüßt wurden, durften wir pünktlich das Fluggerät betreten und alsbald gen spanische Sonne starten.

Nach zwei ereignislosen Stunden über den Wolken landeten wir in Barcelona weit vor der Zeit und kaperten einen der Zubringer zum Flughafenbahnhof, wohin man auch laufen könnte, aber aus irgendeinem Grund doch wieder nicht (Bauarbeiten?). Der blaue Bus, von Weiberhand gesteuert (Fahrtzeit drei Minuten) ist ebenso kostenlos wie der Zug in die Stadt, ein weiteres Rätsel welches bis heute noch auf eine sinnige Lösung wartet. Wir bekamen die Tickets so in die Hand gedrückt und die Geschichte mit Gaul aufs Maul kennt ja jeder. Der Touristenschienentransporter braucht ungefähr eine halbe Stunde und fährt bis zum Estació de França (französischer Bahnhof), der übrigens ein ganz ein schöner ist, wie sich auf der Rückfahrt am Donnerstagmorgen herausstellte. Obwohl unser Hostel von dort nur zehn Minuten entfernt lag, verließen wir den Zug schon am Hauptbahnhof (Sants) und nach kurzer Orientierung der Sinne sowie U-Bahnfahrkartenkauf standen mit dem Placa Catalunya und dem oder den oder was weiß ich Ramblas die ersten wichtigen Besichtigungspunkte auf dem Programm. Auf dem 1,2 km langen Boulevard, der am Hafen endet, findet man Tagsüber Gaukler und Taschendiebe, abends hingegen Nutten und Taschendiebe. Als wir den Hafen erreichten hatten wir noch all unsere Wertsachen und bogen links ab um am Wasser entlang unserem Hostel entgegen zu schlendern. Da die zahlreichen auf dem Weg liegenden Restaurants zwar unsere Mägen, nicht aber unsere Portemonnaies ansprachen, durfte sich ein Supermarktbesitzer über ein paar Euro freuen. Zur Mittagszeit waren wir dann am Ziel unserer Alpträume (das wussten wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht) und durchschritten die Pforte der direkt am Strand liegenden Absteige. Für 80 Euro die Nacht bekamen wir vier Matratzen (Nr. 3 & 4 gingen an Freddy und Nils, die erst am Nachmittag ankommen sollten) in vier Metallgestellen in einem Siebenbettzimmer zur Verfügung gestellt. Nach kurzer Begutachtung der Lage nutzten wir die strategisch günstige Lage und legten unsere Astralkörper in feinen Sand am Meer, allgemein auch als Strand bekannt. Die Sonne brannte, die Damen waren leicht bis kaum bekleidet und Dosenbier perlte – braucht der primitive Einzeller mehr? Der Wind nahm den Sonnenstrahlen die Stärke und nach zwei Stunden intensivem Nichtstun hatte Kollege Jens sich dermaßen die Rübe verbrannt, dass es ratsam war sich künftig nur noch im Schatten aufzuhalten. Nach zwei schönen starken Käffchen nahmen wir die Sightseeing-Aktivitäten wieder auf und eierten von einem Spot zum nächsten. Es ist auffällig, wie viele Parkanlagen Barcelona hat und auch sonst wusste die Stadt wirklich zu gefallen. Satte fünf Stunden flanierten wir durch die Gegend, ehe wir Freddy und Nils aufgabelten um ihnen den Weg zum Hostel zuweisen und uns anschließend mit dem vorab verabredeten Rest zu vereinigen. Den Abend verbrachten wir dann stilecht zu acht in einer englischen Sportsbar um die möglichen Endspielgegner von der Insel unter die Lupe zu nehmen. Nach mächtig Mut ansaufen kamen wir zu vorgerückter Stunde einheilig zu der Ansicht: alle schlagbar! Prost!

 
 

Gegen Mitternacht löste sich die fröhliche Runde langsam in Richtung diverser Unterkünfte auf, nur das Jungvolk/Ultras Freddy und Nils musste sich ja unbedingt noch mit ihresgleichen treffen. Nach unruhiger Nacht, u. a. geweckt durch die beiden wild pubertierenden Jungs, kam es für uns knüppeldicke in Form des Morgengrauens. Und es war ein Grauen, denn unter der Schädeldecke tanzten die Module Pogo und die Mixtur aus nicht zu öffnenden Fenster und Ausdünstungen der Alkoholleichen drehten den Magen von links auf rechts. Kotzen oder Frühstücken gehen standen zur Wahl, Jens und ich entschieden uns für Letzteres, welches aber eher spanisch äääh spartanisch ausfiel. Morgenstund hat ja bekanntlich Gold im Mund, drum ließen wir den einzigen Schrankschlüssel in Freddys Schuh zurück und machten uns auf zur Besteigung des Montjuic. Nach eineinhalb Stunden Schweißproduktion hatten wir gerade mal die Hälfte des Weges zurückgelegt, was zum einen an dem etwas ungünstigen Kartenmaßstab und zum anderen an den teilweise recht steilen Anstiegen lag. Den Audi mit Gelsenkirchener Kennzeichen konnte nur der Himmel geschickt haben und ohne groß Nachzufragen schwitzen wir den Jungs die Rücksitze voll. Als Gegenleistung bekamen die Retter in der Not den richtigen Weg gewiesen. Außer einem klaren Kopp hat uns der Morgenspaziergang nicht viel gebracht, denn wir führten die Kollegen zum Hafen (und somit in die Nähe unseres Hotels), wo die Stadtverwaltung von Barcelona einen Fantreff für die Blauen eingerichtet hatte und die Busse folglich die Tagesfliegertouristen fleißig ausspuckten. Zehn Stunden vor dem Anpfiff das nächste Cerveza in die Rübe zuschrauben war uns immer noch zu billig, drum starteten wir den zweiten Versuch den Tag mit irgendetwas Sinnvollem zu füllen. Für dieses sinnvolle Tun musste die unvollendete Kirche Sagrada Familia herhalten, aber diese Idee hatten wir nicht exklusiv und so verzichteten wir generös, uns das Teil von innen anzusehen. Seit mehr als 120 Jahren wird an diesem sakralen Gebilde gebaut und eine Vollendung ist noch nicht in Sicht. Banal formuliert sieht sie wie eine von Hundertwasser geformte Sandburg aus, ist aber auf jeden Fall einen Abstecher wert. So, damit war es dann genug der Sehenswürdigkeiten und Zeit, sich langsam auf das Hauptereignis dieser Reise einzustimmen. Zunächst einmal mussten die Teenager mittels Mobiltelefon aus der Koje getrieben werden und höre da, sie waren sogar schon auf den Beinen, nur den Schlüssel im Schuh hatten sie nicht gefunden und sich wegen des Nichterreichens der sauberen Klamotten in die stinkigen Lumpen vom Vortag geworfen. Na fein, damit war der letzte verbliebene Schranköffner auch verschütt gegangen, nachdem ich das Duplikat bereits gestern irgendwo verloren hatte. Während Jens und ich darüber sinnierten, was wohl Bolzenschneider auf Spanisch (alternativ Englisch) heißen könnte, beklagte sich etwa zur gleichen Zeit ein paar Kilometer weiter Freddy darüber, dass er sich gerade eine fürchterliche Blase gelaufen hatte. Ein zweites Telefonat erlöste uns von unserem Übersetzungsproblem und ihn von seinen Schmerzen an der Ferse. Eine halbe Stunde später hatte sich dann wieder die gleiche Gruppe wie am Vorabend an der Kolumbussäule eingefunden um dort die Suche nach einer Pinte mit gescheiten Preisen und ordentlicher Musik zu starten. Die Mission war erfolgreich und um kurz vor knapp zog es das quietschvergnügte Oktett nach Umdichten aller bekannten Lieder („Ich habe noch einen Schlüssel im Schuh“) mittels Metro zur Station Collblanc. Dort lungerten schon die üblichen Verdächtigen (u. a. Tobi und auch wieder nüchtern) in den Seitenstraßen rum und taten das was sie am besten können. Jens und ich mussten vor der letzten Runde Bier noch bis 18:00 Uhr die Karten beim Fanbetreuer abholen und uns zuvor noch den Weg durch den Menschenauflauf bahnen, denn die nicht abgeholten Tickets sollten jetzt unter den Blauen, die ohne Karte angereist waren, aufgeteilt werden. Diese Drohung war zwar angekündigt, aber dass das Zeitkorsett so eng gesteckt war, überraschte uns dann doch. Nicht auszudenken, wenn wir fünf Minuten später gekommen wären. Egal, Tickets (übrigens 70 Schleifen) eingesackt und den flüssigen Rucksackvorrat bei den üblichen Konversationen (Grüße an dieser Stelle an die Sektion Coburg) gen Null gebracht. Um kurz nach acht hieß es dann: alle noch mal sammeln und dann ging es rein in den von außen betrachtet gar nicht so prächtigen Bau…

 
 
Spiel und Stimmung:
 

…welcher aber mit einem imposanten Innenausbau aufwarten konnte. Die Gästefans bekamen einige Blöcke im 4. Rang zur Verfügung gestellt, die natürlich zum Bersten voll waren. Spiel und vor allem Stimmung in der ersten Halbzeit waren richtig gut, mit ein bisschen mehr Glück oder Können wäre sogar ein Törchen drin gewesen, da Barca einen extrem schwachen Stiefel runterspielte. Kein Vergleich zum Hinspiel, als Schalke Barca erst mal spielen ließ. Von Anfang an ging es in die Offensive, die Räume im Mittelfeld wurden eng gemacht und die Defensivabteilung konnte mit Bordon und Neuer die Bude sauber halten. Das selten dämliche  Führungstor der Katalanen brachte dann die Wende im Spiel, denn in der zweiten Halbzeit zog Barca das Tempo an und Schalke konnte nur noch reagieren. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war es dann auch erstmal mit der Stimmung dahin, von Barca war eh kaum was zu hören (am lautesten noch irgendwelche Unmutsäußerungen bei einem Spielerwechsel) und die paar Männchen hinter dem Tor sah man nur mit Plastiklappen wedeln. Zum Ende, als die Niederlage besiegelt war, zog der Gästeblock an und so manche Lieder wurden in gut die Schüssel getragen. Das Beste folgte am Schluss, mag heißen während der extrem langen Blocksperrung, denn da wurde alles supportet was nicht niet- und nagelfest war – als Krönung sogar der Schlüssel im Schuh der dank der Sektion Münsterland weitere dankbare Abnehmer in der Kurve fand. Fazit: Entgegen  mancher Befürchtung war es doch ein sehr geiler Ausflug, der auch von den sportlichen Ereignissen nicht getrübt werden konnte.

1:0 (43. Min.) Touré   

 
 
 
Stadion:
 

Mit seinen fast 156.000 Vereinsmitgliedern dürfte der FC  Barcelona der größte Sportverein der Welt sein. Angefangen hat alles mit einem Fußballinteressierten Schweizer (Hans Gamper), der mit einer Kleinanzeige Gleichgesinnte suchte. Im November 1899 wurde dann der Club gegründet und gewann elf Jahre später den spanischen Pokal. Zwischen 1899 und 1928 gewann der FC Barcelona acht Mal den spanischen Pokal, dreizehn Mal die katalanische Meisterschaft und viermal den Pyrenäen Cup. 1929 wurde der FC Barcelona der erste Meister der neu gegründeten spanischen Liga, der Primera División. Während der Franko-Diktatur begann der Niedergang des Vereins, der von den Machthabern gestoppt wurde indem sie dem Verein seine kaltalanische Identität nahmen und auch den Vereinsnamen in Club de Fútbol Barcelona änderten. Neben Real Madrid und Athletic Bilbao ist der FC Barcelona der einzige Fußballklub in Spanien, der nie aus der ersten Liga, der Primera División, abgestiegen ist. Zwischen 1929 und 1941 gewann der FC Barcelona einmal die 1928 eingeführte spanische Meisterschaft und sechsmal die katalanische Meisterschaft. Die Aufzählung aller Titel sei hier geschenkt.

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

 
Stadion:
 

Das Stadion Camp Nou wurde am 24. September 1957 nach mehr als drei Jahren Bauzeit eröffnet. Im ersten Spiel, das im Camp Nou stattfand, standen sich der FC Barcelona und Legia Warschau gegenüber. Es bietet 98.787 Zuschauern Platz und ist damit das größte Stadion Europas. Das Stadion ist 48 Meter hoch, 250 Meter lang und 220 Meter breit und wurde von der UEFA als Fünf-Sterne-Stadion ausgezeichnet. Die Eröffnungszeremonie begann mit einer Messe und man segnete das Stadion im Namen der Heiligen Maria von Montserrat. Finanziert wurde das Stadion damals auch von den Fans, die sogenannte Penyes gründeten. Schon in den 40er Jahren organisierten ehemalige Spieler und Fans des FC Barcelona diese Gruppen und als die Kosten für das Stadion immer weiter stiegen, halfen die Penyes, es zu finanzieren. Seither haben die Fans ein gewisses Mitspracherecht in vereinsinternen Fragen. Zur WM 1982 wurde es 1980 noch einmal um einen Oberrang erweitert und fasste damals 120.000 Zuschauer. Sicherheitsbestimmungen der UEFA ließen die Kapazität aber wieder auf das derzeitige offizielle Fassungsvermögen schrumpfen. 1994 baute man die unteren Ränge aus.

 
 
 

Tageskilometer:              3.014 km Flug von Berlin nach Barcelona und zurück

Saisonkilometer:          51.498 km: (32.421 km Flugzeug, 9.022 km KFZ, 9.408 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

Grüße an Jens, Freddy, Nils, Stolle & Gang, Marc, Benny, die Coburger, Peter A. und den ganzen Rest

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