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2. deild, Saison 2008, 18.07.2008

 

   

Afturelding - ÍH

4:1

Mosfellsbær, Varmárvöllur (ca. 50 Zuschauer)

 

Irgendwo kurz vor Grönland dümpelt eine Insel im Atlantik rum, die mehr als dreimal so groß ist wie Belgien, auf der allerdings nur soviel Menschen leben wie Bielefeld Einwohner (ca. 300.000) zählt. Ein Zehntel davon soll übrigens aktiv Fußball spielen, womit elegant die Überleitung zum eigentlichen Motiv dieser Reise gelungen ist. Die Idee nach Island zureisen, hatte leider nicht ich, sondern der Kollege aus dem Tecklenburger Land, der mein Dilemma wie man die ergaunerten Flugmeilen am sinnvollsten einsetzt mit Eiland hoch im Norden löste. Für die Minimalzahl an Meilen und Übernahme der Gebühren (rund 80 Euro) buchte ich die Flüge erst zwei Wochen vorher, da es noch eine gescheite Alternative gab, die dann aber letztlich Island zum Opfer fiel.

Die Hauptstadt-Airline bietet die Flüge immer über Düsseldorf an (das auch nur zweimal die Woche: Donnerstag und Sonntag) und so ging es erstmal am frühabendlichen Donnerstag von Berlin in NRW’s Hauptstadt, die nebenbei bemerkt auch lange Zeit mal mein Domizil war. Nach drei Stunden Zwangsaufenthalt ging es um kurz vor 22 Uhr weiter Richtung Zielgebiet. Die Maschine war nur halb gefüllt und auch die Flugzeit von 3 ¼ Stunden sehr erträglich. Dank der Zeitumstellung war es erst 23 Uhr als ich die Gebäude des einzigen internationalen Flughafens Island in Keflavik (ca. 50 km westlich von Reykjavik) verließ. Die einzige Möglichkeit (zieht man Leihwagen und Taxi ab) vom Flughafen in die Hauptstadt oder sonst wohin zu kommen ist der Flybus, wo man am besten gleich die Rückfahrt mitbucht, weil billiger. 2.700 isländische Kröne (100 Kronen ~ ca. 80 Cent) kostet die Sparvariante (ca. 21 Euro). Das war zumindest schon mal ein Vorgeschmack auf das isländische Preisgefüge, welches Oslo und London noch mal übertrifft. In der Hauptstadt hält der Bus am (welch Wunder!) Busbahnhof, der etwas südlich der Innenstadt bzw. direkt am Inlandsflughafen liegt. Dort wird man kostenlos auf einen der zahlreichen Minibusse verfrachtet, der einen direkt zu seinem gewünschten Hotel kutschiert. Die Herberge meiner Wahl war das Gästehaus der Heilsarmee und damit die zweitbilligste Variante in Reykjavik, weil die preiswerteste Möglichkeit (Jugendherberge, etwas außerhalb direkt am Nationalstadion) schon ausgebucht war. Für 24 Euro die Nacht bekommt der Tourist einen Platz für seinen Schlafsack in einer Sammelunterkunft. Gegen halb zwei, die Sonne ging gerade ein bisschen unter, durfte ich dann meine Luxussuite in Augenschein nehmen. Glücklicherweise ein 4-Bett-Zimmer und die drei noch unbekannten Kollegen lagen schon in ihren Poofbeuteln. Trotz extremer Müdigkeit war an Schlaf nicht zu denken, weil zum einen die Heizung auf Hochdruck bollerte (auf die Idee, diese runterzudrehen bin ich erst einen Abend später gekommen) und zum anderen weil eine Gruppe Engländer im Nebenzimmer (getrennt durch hauchzarte Wändchen) bis in die frühen Morgenstunden rumlärmten. Da seit drei Uhr nachts auch schon wieder die Sonne am Himmel strahlte war der ganze innere Rhythmus total durcheinander und so wurde das Unterfangen Pennen um sieben Uhr morgens für beendet erklärt. Der nächste Schocker folgte in dem Zimmer mit dem Duschsymbol, wo es bestialisch nach alten Rohren roch. Später stellte sich heraus, dass das extrem schwefelhaltige Wasser Ursache für den absonderlichen Mief war.

Da das erste Spiel erst am Abend über die Bühne gehen sollte, wurde dieser Tag sinnvoll mit Sightseeing gefüllt wurden. Am zentralen Busbahnhof (also da wo auch der Flybus hält) starten täglich Touren zu diversen Zielen wie Wale gucken, Blaue Lagune oder Goldener Kreis. Meine Entscheidung fiel auf die letzt genannte Variante und gekostet hat der Spaß rund 70 Euro. Wahrlich kein Schnapper, aber der Besuch der Heißwasserfontäne Geysir und dem Wasserfall von Gullfoss ist ein absolutes Muss. Die Abwicklung vor Ort ist recht einfach organisiert, mag heißen man geht zum Schalter sucht sich eine Tour aus, bezahlt und wird in einen Bus gesetzt. Normalerweise rechnet man bei derlei organisierten Fahrten mit einem hohen Rentneranteil, aber weit gefehlt, ein großer Teil waren junge Leutchen, darunter auch mein Zimmergenosse aus Schweden. Zwar kommt man noch in den Genuss einer englischsprachigen (wahlweise auch schwedischen) Reiseführerin, die das Ding auch locker flockig runter moderierte, ansonsten aber auch nicht rumnervte. 7-8 Mal hält der Bus und man hat mindestens eine halbe Stunde Zeit, sich vor Ort frei zu bewegen. Nachdem der Bus die Hauptstadt hinter sich gelassen hat, taucht man gleich ein in die isländische Landschaft die von Kilometer zu Kilometer atemberaubender wurde. An den Augen zogen kleine Vulkanseen, Wasserfälle und im Hintergrund die Berge vorbei. Gegen Mittag erreichten wir Gullfoss, wo Islands berühmtester Wasserfall 32 Meter in die Tiefe fällt. Rückblickend das Highlight der Tour, was natürlich auch an dem Dauersonnenschein lag. Der wenige Kilometer entfernte Geysir, der heißes Wasser alle paar Minuten 80 Meter hoch in die Luft spuckt, war auch ein ganz nettes Schauspiel. Am Nachmittag ging es in den Nationalpark Thingvellir, der an Schönheit (nächstes Superlativ, war aber wirklich so) kaum zu überbieten ist und wo die Wikinger vor mehr als 1.000 Jahren das weltweit erste Parlament (Althing oder so) installierten. Hier treffen auch die Kontinentalplatten von Amerika und Eurasien aufeinander bzw. auseinander.

 

 

 

 

 

 

Nach fast acht Stunden genialster Landschaft ging dieser Ausflug am Busbahnhof in Reykjavik zu Ende und da aufgrund der hohen Preise dem Magen seit gestern Abend nix Nahrhaftes mehr (außer Kaffee und Lutschbonbons) zugeführt wurde, sollte ein Supermarkt hier Abhilfe schaffen. Die paar Lebensmittel zogen mir gleich den nächsten 1.000-Kronen-Schein aus der Tasche, aber manche Dinge müssen eben sein. Eher zufällig befand sich neben dem von mir auserkorenen Supermarkt gleich ein der nächste Busbahnhof (insgesamt gibt es drei, zwei normale und eben einer für die Fernreisen) und nach kurzem Studium der Fahrpläne sollte die Linie 15 bis nach Mosfellsbaer (ca. 20 km entfernt), der Heimat des Drittligisten Afturelding fahren. 280 Kronen kostet diese Fahrt, innerstädtische Verbindung (egal wie viel Haltestellen) dagegen nur 100. Der Bus hält übrigens direkt vor dem Stadion (müsste der dritte oder vierte Stopp in dem Ort sein) und gut eine Stunde vor dem Anpfiff konnte ich die heutige Spielstätte ins Auge nehmen. Das Resultat war ein ziemlich trostloser Kunstrasenplatz mit drei Grassstufen auf einer Seite. Daneben gibt es übrigens noch einen ganz brauchbaren Rasenplatz mit einer kleinen unüberdachten Minitribüne, die wohl auch für Fußball genutzt wird. Das erklärte mir zumindest der Platzwart, denn neben dem Männerfußball hat der Club noch eine ganz erfolgreiche Damenmannschaft (1. Liga), die in der Regel auch deutlich mehr Zuschauer anzieht. Demnach wird je nach Witterung entschieden, wer und ob überhaupt einer auf dem Rasen spielen darf. Heute und in den nächsten Wochen zumindest nicht, trotz Mega-Sonnenschein. Schade, aber die Erwartungen tendierten vor dem Spiel eh gegen Null.

500 Kronen Eintritt, ca. 50 Schaulistige (inklusive Kindersupporttruppe) vor Ort und 5 Tore waren das Ergebnis dieser Veranstaltung. Mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein, außer vielleicht noch, dass zum Vorprogramm Johnny Cash aus den Lautsprechern dröhnte. So muss das sein.

Tore: 1:0 (40. Min.) Þorsteinsson, 2:0 (63. Min.) Óskarsson, 2:1 (65. Min.) Einarsson, 3:1 (70. Min.) Clapson, 4:1 (90. Min.) Þorsteinsson

 

 
 
 

Tageskilometer:             2.690 km: 2.675 km von Berlin über Düsseldorf nach Reykjavik (Flug) und 15 von Reykjavik nach Mosfallbaer (Bus)   

Saisonkilometer:            2.690 km: 2.675 km von Berlin über Düsseldorf nach Reykjavik (Flug) und 15 von Reykjavik nach Mosfallbaer (Bus)   

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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