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Landsbankadeild, Saison 2008, 20.07.2008

 

   

Knattspyrnudeild F. H. -   Knattspyrnudeild H.K.

4:0

Hafnarfjörður, Kaplakrikavöllur (ca. 800 Zuschauer)

 

Verlässt man die Haupttribüne des Vodafonevöllurinn steht man direkt in einer Turnhalle, wo sich die Protagonisten des freundschaftlichen Handballländervergleichs zwischen Island und Spanien einwarfen. Da sich die ersten Vorboten eines Sonnenbrandes (rote Fresse in Verbindung mit gespannter Schwarte) anmeldeten und ich auch sonst keine fixen Termine mehr hatte, wurde ich Zeuge eines 35:27 Sieges der Einheimischen.  Nach dieser doch etwas faden Veranstaltung (Handball ist nicht so mein Ding) ging es via Nationalstadion (nicht schlecht) wieder zurück in die Innenstadt, um dort noch einmal durch die Gässchen von Reykjavik zu schlendern. Am Abend rückten dann meine lauwarmen Holsten-Döschen und weitere edle Tropfen meiner Zimmergenossen in den Mittelpunkt des Geschehens. So wurde es dann am letzten Abend noch mal gesellig in lustiger Runde (ein Schwede, ein Franzose und ein Engländer (Bournemouth-Supporter)) und demzufolge fiel das Aufstehen am nächsten Morgen dann doch ein wenig schwer.

 

 
 

Zunächst einmal hieß es den Rucksack zu packen, denn in der Nacht von Sonntag auf Montag stand der Rückflug auf dem Programm und vor dem letzten Kick (Anstoß 19:15 Uhr Ortszeit) war noch massig Zeit. Eine der (oder die) wichtigsten Sehenswürdigkeiten Islands ist die Blaue Lagune, so was wie ein Freiluft-Schwimmbad in mitten einer Lava-Landschaft. Die Busse dorthin fahren (logischerweise wieder von meinen Stammbusbahnhof ab) stündlich und die Fahrt dauert so ca. eine Dreiviertelstunde. Unterwegs bekommt man fast nur Lava-Geröll zu Gesicht und auch am und im Schwimmbad sieht es nicht viel anders aus. Da ständig Dampf aus der Erde steigt ist, das schon ein ziemlich bizarres Schauspiel. Die Badeanstalt kann man sich auch auf Island als eine solche vorstellen, mag heißen man bezahlt Eintritt, stopft alles in einen viel zu kleinen Schrank und tummelt sich dann anschließend mit gefühlten 1 Millionen Konkurrenten um ein Plätzchen im kühlen Nass. Einziger Unterschied zu den herkömmlichen Varianten ist, dass das Nass hier nicht kühl sondern statte 38 Grad warm und das ganze Ambiente sehr vornehm ist. Gar nicht zu vergleichen mit dem öffentlichen Hallenbad in Bottrop-Kirchhellen. Das Besondere an der Blauen Lagune ist neben der nicht erfrischenden Temperatur die Farbe und die chemischen Zusätze des Wassers, denn es kommt ohne letzteres aus und sieht dazu milchig-blau aus. Algen, Kiesel und Schlamm runden das Angebot ab und angeblich soll man sich nach einem ausgiebigen Bad 10 Jahre jünger fühlen und auch noch so aussehen. Ein aufwendig durchgeführter Selbstversuch konnte diese These allerdings nicht bestätigen. Mein persönliches Resümee zu der Planscherei in der Mondlandschaft: Landschaftlich phantastisch, der Badespaß hält sich dagegen deutlich in Grenzen. Am Nachmittag ging es dann zurück Richtung Landeshauptstadt und da wir auf dem Hinweg durch den Ort (oder Stadt mit ca. 25.000 Einwohnern) Hafnarfjödur gefahren sind, bat ich den Busfahrer mich dort rauszulassen. Zu spät las ich im Lonely-Planet-Reiseführer, dass die Stadt bei schönen Sommertagen einen Abstecher wert sei, ansonsten steht das Örtchen für pure Langweile. Wie nicht anders zu erwarten, regnete es heute und außerdem pfiff ein Windchen, wie ihn der gemeine Mitteleuropäer nicht alle Tage erlebt. Ein Heimatmuseum und ein Café in einem Einkaufscenter nahmen zwei Stunden von der Uhr und frühzeitig ging es Richtung Kaplakrikavöllur am anderen Ende der Stadt.

 

 

Der Ground liegt ein wenig versteckt hinter einem Bretterzaun und glich eher einer Baustelle. Eine Stunde vor dem Anpfiff war hier so gut wie gar nix los und da der Orkan immer noch mächtig blies, keimten erste Befürchtungen einer Spielabsage auf. Aber der Isländer an sich ist hart im Nehmen und eine extrasteife Briese das tägliche Brot. Auch hier zahlt nur derjenige Eintritt, der spät kommt und man die richtige Pforte nimmt, ansonsten kommt auch auf anderen legalen Wegen ins Innere. Ich durfte mich dann noch nützlich machen und den Wagen des lokalen TV-Senders einweisen und um Dank schloss mir der Fernsehmann noch einen Container auf, der uns als Windschutz und Rucksackstellplatz diente. Ohne die Baustelle auf der einen Längsseite, hier wird wohl eine neue Haupttribüne gebaut ohne die alte abzureißen, wäre dies kein schlechter Ground. Auf zwei Seiten kann man unüberdacht sitzen, hinter einem Tor gibt es zudem noch ein paar spärliche Möglichkeiten das Spiel im Stehen zu verfolgen. FH Hafnarfjörður, dreimaliger Landesmeister (zuletzt 2006) und amtierender Pokalsieger spielte vor ein paar Jahren mal gegen Aachen international, belegt derzeit den zweiten Tabellenplatz. Die Gäste aus Kópavogur (liegt auch irgendwo im Dunstkreis der Hauptstadt) versuchen als Tabellenletzter das Feld von hinten aufzurollen. Somit ist die Frage nach dem Favoriten in diesem Match auch geklärt. Die Zuschauer (in Summe etwa 800) kamen wie auch am Vortag wieder auf den letzten Drücker und verteilten sich recht gleichmäßig auf den beiden Tribünenseiten. Die Baustelleseite wurde dabei von den Gästeanhängern frequentiert, während der Heimanhang auf der gegenüberliegenden Seite Platz nahm. Stimmung durchaus vorhanden, wenn gleich nicht das Niveau der gestrigen Partie bei Valur erreicht wurde. Das Spiel war nicht schlecht, war aber aufgrund der deutlichen spielerischen Überlegenheit der Hausherren ein wenig einseitig.

Tore: 1:0 (12. Min.) Guðmundsson, 2:0 (45. Min.) Fredsgaard Nielsen 3:0 (48. Min.) Guðmundsson, 4:0 (75. Min.) Björnsson  

Fazit: Der Besuch Islands war rein fußballerisch betrachtet nicht sehr ergiebig, man wird aber durch die ganzen Sehenswürdigkeiten mehr als entschädigt. Wenn hier nicht alles so arschteuer wäre, könnte man glatt ein- oder Wochen hier aushalten.

 

 
 
 
 

Tageskilometer:              2.715 km Flug von Reykjavik via Düsseldorf nach Berlin und  40 km Bus

Saisonkilometer:            5.420 km: 5.350 km Flugzeug, 70 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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