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Tweede Klasse, Saison 08/09, 15.02.2009

 

FC Molenbeek - Royal Antwerp F. C.

 1:0

Brüssel, Stadion Edmond Machtens (ca. 2.000 Zuschauer)

 

 

Pünktlich zum Schlusspfiff kehrten der Kölner und ich der Trauerveranstaltung den Rücken und trabten schnellen Fußes zurück zum Bahnhof um mit dem Zug nach Duisburg zu eiern. Dort pünktlich angekommen stürmten wir zum Vorderausgang raus um fünf Minuten später zu erfahren, dass unser Fahrer „Dormagen-Ingo“ bei den Taxis auf uns wartete. Weitere fünf Minuten später wurde dann endlich geklärt, dass der Vorderausgang vorne war und der Hintere hinten, und nicht wie vermutet, der hintere der Vordereingang war. Eine kostbare Viertelstunde verstrich, ohne dass wir uns unserem Ziel Lommel auch nur einen lausigen Meter näherten. Ohne Navi, ohne Karte und ohne viel Sinn für die Sehenswürdigkeiten rechts und links der Landstraße passierten wir die Stadt in Flandern und verloren weitere zehn Minuten wegen absoluter Orientierungslosigkeit. Die Uhr zeigte 20:15 Uhr (Anstoß 20:00) als wir endlich den Wagen direkt neben dem Stadion parken durften. Das hätte uns schon stutzig machen sollen, aber erst beim Blick auf die nicht angeschalteten Flutlichtmasten ging uns ein Licht auf. Falsches Stadion? Nein, viel besser – Match off. Die Verspätung wurde somit egalisiert und da wir schon mal vor Ort waren, konnte zumindest das Problem der Nahrungsaufnahme in Form von dreimal Diät-Fritten mit Diät-Mayo sowie lebensmittelähnlichen Fleischersatzprodukten gelöst werden.

Unverrichteter Dinge ging es also wieder zurück und die Leerfahrt nutzten wir um die Sonntagsplanung neu zu gestalten, da das ursprünglich ins Auge gefasste Spiel der NRW-Liga in Marl bereits abgesagt war. Sonderlich reich gedeckt war der Tisch nicht, aber der vermeintliche Knaller der 2. belgischen Division zwischen Molenbeek und meinem Lieblingsverein im Land der Frittengesichter, der FC Antwerpen, machte die Entscheidung leicht. Logistisch klug durfte ich mein Haupt in Ingos immobiler Errungenschaft ablegen, da eine Rückfahrt nach Essen nicht viel Sinn gemacht hätte. Zudem wollten wir vor dem Spiel noch ein bisschen Brüssel besichtigen und daher zeitig los. Nachdem der Kölner irgendwo in der Pampa entsorgt wurde, ging es schnurstracks nach Dormagen, einer der vielleicht schönsten Städte im Rhein-Kreis Neuss. Vor dem zu Bette gehen gab es das „Obligatorische“ und einigermaßen ausgeschlafen hieß es am nächsten Morgen Dormagen Lebewohl zusagen und den dritten und letzten Mitfahrer für unseren Ausflug in die sagenumwobene belgische Hauptstadt einzusammeln. Zwei Stündchen brauchte Ingo mit seiner defensiven Fahrweise und schon standen wir vor dem berühmtesten Bauwerk der Stadt, dem Atomium. Die langen Schlangen an den Kassen verhinderten allerdings die Besichtigung der zahlreichen Kugeln von innen und so machten wir uns frühzeitig daran, das laut Expertenmeinung nicht zu findende Stadion des Football Club Molenbeek Brussels Strombeek zu suchen. Gefunden haben wir es dann doch und zwar ganz ohne Schwierigkeiten.

Eine Stunde vor dem Anstoß gab es zarte Hinweise (mobiler Frittenwagen, kleinere Grüppchen vor Kneipen) die auf ein Fußballspiel hindeuteten, aber so richtig brannte die Luft nicht. Also sind wir erstmal zu den Kassenhäuschen gelatscht um die Einlassberechtigungsscheine käuflich zu erwerben. Dieser Willen war allerdings äußerst einseitig, mag heißen, es fehlte der Part des Verkäufers. Die Kassen waren geschlossen, sollten auch nicht mehr öffnen und der Grund für diese höchst seltsame Maßnahme blieb uns zunächst verschlossen. Nach einigen Nachforschereien stellte sich raus, dass dieses Gebaren gar nicht so unüblich war und eben diese Partie als Hochrisikospiel deklariert wurde. Diese Infos brachten uns zwar auch nicht ins Stadion, aber nach ein bisschen Rumjammerei beim Oberordner erhielten wir drei Freikarten. Das Stadion war eigentlich ganz schnuckelig, aber wenn sich gerade mal ca. 1.500 Heimanhänger auf zwei recht großen Tribünen verteilen, konnten wir schon an allen 30 Fingern abzählen, dass hier heute stimmungsmäßig nicht viel gehen würde. Ca. 500 Gästefans bevölkerten den dafür vorgesehenen Sektor, der aus einem kleinen Stehplatzblock direkt hinter dem Tor bestand. Die Zaunbeflaggung war noch ganz ordentlich, aber der Support war unter aller Kanone. Ein Grund mag die etwas enttäuschte Darbietung der Gäste auf dem Rasen gewesen sein. Der älteste Verein Belgiens (Spitzname „The Great Old“) und viermalige Landesmeister (zuletzt 1957) rangiert derzeit im oberen Mittelfeld und könnte noch die Aufstiegsrelegationsränge erreichen. Der FC Molenbeek Brüssel (Fusionsverein aus GWB Molenbeek und dem KFC Strombeek) hat ein Pünktchen mehr auf dem Konto und daher hatten wir noch Hoffnungen auf gutes und enges Spiel. Aber auch hier wurden wir enttäuscht, denn der Kick zog auch nicht die Wurst vom Tisch. Einzig der 30-Meter-Knaller und Tor des Tages war wirklich sehenswert. Ganz übel war die Blaskapelle über uns, die total nervte. Aber wenigstens erfolgte der Abpfiff pünktlich und die Rückfahrt in die BRD zügig, so dass ich noch vor der Rückfahrt nach Berlin in den Genuss der Eishockey-Eintritt-frei-Partie zwischen dem Duisburger Füchsen und den Tigern aus Straubing kam.

Tor: 1:0 (75. Min.) Le Postollec

 
 
 
 
 

Stadion:

Das nach einem ehemaligen Molenbeeker Bürgermeister benannte Edmond-Machtens-Stadion besteht aus zwei sehr wuchtigen Tribünen auf den Längsseiten und einem kleinen Stehplatzblock hinter einem Tor. Die gegenüberliegende Seite dient lediglich als Sponsorenschilderpark.

 
 
 

Tageskilometer:                 466 km KFZ Dormagen - Brüssel - Duisburg, 516 km Bahn von Duisburg nach Berlin

Saisonkilometer:          44.125 km: 13.967 km Flugzeug, 24.927 km Bahn, 5.011 km KFZ, 220 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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