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1. Bundesliga, Saison 08/09, 16.05.09

 

Hertha BSC - FC Schalke 04

0:0

Berlin, Olympiastadion (74.244 Zuschauer, ausverkauft)

 

Vorletzter Spieltag und es ging (mal wieder) um weniger als nix, zumindest für den geilsten Verein wo gibt. Dass der heutige Gastgeber auf dem dritten Tabellenplatz steht und womöglich in der nächsten Saison aus den ganz großen Fleischtöpfen fressen darf ist unbegreiflich, ja geradezu ein Skandal. Aber das war kein Grund sich die Laune vermiesen zu lassen, und so trafen am frühen Samstagmorgen zwei Dutzend wackere Königsblaue auf eine etwa gleichstarke Fraktion Unioner. Der Grund für diese heilvolle Zusammenkunft war eine gemeinsam geplante und dann auch umgesetzte Kuttertour quer durch die Hauptstadt. Die Musik dröhnte, die Spaziergänger staunten und das Bier floss reichlich. Zu reichlich für manch einen und nach mehr als vier Stunden gab es auf beiden Seiten die ersten Ausfälle zu beklagen. Die Unioner verließen den Kahn etwas früher (3. Liga-Anstoßzeit bekanntlich 14 Uhr) und der Rest vom Suffifest schipperte noch bis Charlottenburg. Der widerwärtige gastgebende Verein hatte sich an diesem Spieltag was ganz was dolles einfallen lassen: Alkoholkontrollen am Gästeeingang. Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm (wir machen das in der Regel allerdings andersrum) und betraten das im Volksmund liebevoll genannte „Oly“ durch einen neutralen Eingang. Unsere Taktik ging voll auf, die des Betreibers, also die ganzen Alkoholisierten außen vor zu lassen, dagegen gar nicht, da an diesen Einlässen noch fleißig Freibierbons verteilt wurden. Clever!

Auffällig viele staatliche Sicherheitskräfte verteilten sich um und im Stadion, was natürlich zu der ein oder andere „Diskussion“ führte. Die Stimmungsfraktion auf königsblauer Seite versammelte sich heute im Oberrang und brannte ein wahres Feuerwerk an Sangeskunst ab. Wobei zugegebenermaßen die Melodie und Teile des Textes bei der schräg gegenüberliegenden Kurve entliehen wurde. Die optisch und en vogue entsprechenden „Fotzen“-Kappen gaben auch ein sehr ansprechendes Bild ab. Auf dem Spielfeld passierte dagegen so gut wie gar nix und das war umso erstaunlicher, da es bei den Anderen noch um alles ging.

 
 
 
 

 

 

Stadion:

Die Geschichte des Olympiastadions Berlin beginnt schon vor der offiziellen Eröffnung 1936 mit dem 1913 an gleicher Stelle erbauten "Deutschem Stadion". Dieses wurde ursprünglich für die nie stattfindenden Olympischen Spiele im Jahre 1916 erbaut. 1931 erhielt Berlin den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1936. Geplant von Werner Marsch und überarbeitet von Albrecht Speer und Adolf Hitler entstand dieses Monumentalbauwerk. Beim Bau wurden wuchtige Natursteinblöcke verwendet und diese Bauweise war typisch für die Nazis. Das Stadion ist oval und unterteilt in einen Ober- (auf 136 Pfeilern) und einen Unterring. Das Oval ist nicht ganz geschlossen, in Richtung Westen ist das Marathontor, dort wo einst die olympische Flamme leuchtete. Im Jahre 1937 fand im Olympiastadion auch zum ersten Mal ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft statt, dass der FC Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:0 vor 101.000 Zuschauer (Stadionrekord - wahrscheinlich für die Ewigkeit) gewann. Im zweiten Weltkrieg teilweise als Munitionslager missbraucht, ist das Stadion auch bombardiert worden. Danach mehrere Jahre lang renoviert und nur sporadisch für Fußballspiele genutzt, zog im Jahre 1963 die Hertha ein (24.08.63 gegen den 1. FC Nürnberg). Zum Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln (1:0) kamen am 24. September 1969 88.075 Zuschauer, was bis heute als Bundesliga-Rekord gilt. Zwei Jahre zuvor wurden die vier Flutlichtmasten errichtet und zwar außerhalb des Stadions, weil dieses zu dieser Zeit schon unter Denkmalschutz stand. Die nächste größere Renovierung fand dann im Zuge der Weltmeisterschaft 1974 statt, als gut ein Drittel der Plätze überdacht wurden. In den 80er Jahren zog dann die Hertha ins Poststadion um, weil der Verein nur noch drittklassig war. Neben der Hertha spielten auch die Tasmania, Tennis Borussia und Blau-Weiß während ihrer Zeit im bezahlten Fußball in dem großen Rund.

Im August 2000 begannen die aufwendigen Sanierungsarbeiten die pünktlich im Juli 2004 abgeschlossen wurden. Lange hat es so ausgesehen, dass eine pünktliche Fertigstellung nicht möglich war, denn im Jahre 2001 mussten die Arbeiten für mehrere Monate unterbrochen, weil giftige Stoffe entdeckt wurden die erst aufwendig beseitigt werden mussten. Auch die veranschlagten 243 Mio. Euro wurden fast eingehalten und am Ende betrugen die Baukosten 250 Mio. Euro.

Von außen betrachtet fallen die Veränderungen kaum auf. „Lediglich“ das Dach aus Stahlträgern und weißen Membranen sind neu. Betrachtet man sich das Stadion von innen ändert sich der Eindruck sofort: Die Laufbahn ist blau eingefärbt und alle Sitzschalen sind grau. Komplett neu ist der Unterbau. Hier gibt ein Parkhaus, eine extra Einfahrt für die ganz wichtigen Besucher inklusiven exklusiven Lichthof und ein viergeschossiges Treppenhaus.

Völlig neu sind auch die hundert Logen, die alle mit dunklem Holz vertäfelt sind. In jeder Loge finden ca. 20 Leute Platz und jede ist mit Flachbildschirmen ausgestattet, die den Besuchern die Option offen halten, dass Spielgeschehen auch via TV zu verfolgen.

Eine besondere Schwierigkeit bei der Sanierung des Olympiastadion stellten die Auflagen des Denkmalschutzes dar. So mussten beispielsweise ca. 40.000 Platten und Blöcke aus Kalkstein aus der Fassadenverkleidung entfernt und später wieder an Ihren alten Platz montiert werden. In der Zwischenzeit wurden sie gereinigt und grobe Schäden beseitigt. Alle Steine mussten dafür katalogisiert werden. Die 1966 installierte Flutlichtanlage wurde im Übrigen komplett abgerissen und durch eine hochmoderne Lichtanlage, die sich am inneren Rand des neuen Daches befindet, ersetzt.

Jetzt fasst das Olympiastadion 75.000 Zuschauer.

 

Tageskilometer:               

Saisonkilometer:          53.069 km: 13.967 km Flugzeug, 28.061 km Bahn, 10.821 km KFZ, 220 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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