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Erste Liga, Saison 09/10, 28.08.2009

 

FC Lustenau 1907 SC Austria Lustenau

1:2

Lustenau, Reichshofstadion (7.000 Zuschauer)

 

Der Wonnemonat August neigte sich nun langsam dem Ende und entgegen allen vorangegangen Spielbesuchen, die meist zufällig ausgewählt waren, stand hinter diesem Wochenende eine akribische Planung. Den Anfang machte das Lustenauer Derby im von mir hochgeschätzten Vorarlberg, wo sich neben einer schönen Landschaft auf engstem Raum ein paar ganz nette Clubs und Stadien konzentrieren. Bei der Zugverbindungsauswahl stand der Sicherheitsaspekt im Vordergrund und so fuhr der ICE-Sprinter (11 Euro Aufpreis, dafür ohne Halt bis Frankfurt) mit mir an Bord um kurz nach sechs Uhr gen Süden. Der Zug war gerade einmal zu einem Zehntel gefüllt und so konnte sich jeder der wollte lang machen und verpassten Schlaf nachholen. Gegen Mittag hieß es erst in Ulm, zwei Stunden später in Lindau am Bodensee umsteigen. Als dann die österreichische Bimmelbahn in Lustenau hielt, wollte ich schon wieder in den Zug zurückspringen, da hier a) keiner ausstieg und es b) keinen Bahnhof gab. Aber wo Lustenau draufsteht, muss auch wohl Lustenau drin sein! Einen kärglichen Bahnsteig mit drei Parkbänken nennt die 20.000 Einwohner zählende Marktgemeinde ihr Eigen. Der Bahnsteig liegt übrigens ganz im Norden der Stadt und von einem Fußweg ist dringend abzuraten. Dafür gibt es Busse die In- und Ausländer für schlanke 1,60 Euro bis ins Zentrum befördern. Der zentrale Punkt in Lustenau ist der Kirchpark (oder Kirchplatz), der von einem riesigen ungestütztem Dach halb überdeckt wird. Sieht zwar nicht sonderlich dolle aus, zumindest gab es aber eine Kneipe wo man schön draußen sitzen und sich beim Bierchen (Mohren-Bräu, ganz lecker) des Lebens erfreuen konnte. Trotz der frühen Stunde stolzierten Fangruppen beider Seiten (mehrheitlich allerdings blau-weiß) über den Kirchplatz, wobei viele der Jungs und Mädels noch nicht volljährig waren. Zwei Stunden vor dem Anpfiff ging es per pedes (keine zehn Minuten) vom zentralen Punkt zum Reichshofstadion, welches löblicherweise schon offen war (aber nicht die Kassen) und man so schon mal die Örtlichkeit genauer unter die Lupe nehmen konnte.

Das Reichshofstadion gibt es seit 1951 und der Name symbolisiert den Status den die Stadt, eben Reichshof, hatte. Als die Austria Ende der 90er Jahre ein paar Spielzeiten in der Bundesliga spielte, wurde das Stadion renoviert und u. a. mit den beiden Hintertorseiten ausgebaut. Die überdachte Seite gibt des Heimfans ein Zuhause, die Gäste müssen mit der unüberdachten Seite vorlieb nehmen. Seit 2004 muss bzw. darf der FC Lustenau hier spielen, sehr zum Unwillen beider Vereine. Da der FC-Sportplatz noch den Anforderungen für die höchste und zweithöchste Spielklasse Österreichs genügt, gibt es ständig Knatsch zwischen den Vereinen, die auch sonst nicht gerade freundschaftlich miteinander umgehen. Der FC muss für die Stadionuhr Miete zahlen und darf auch sonst so gut wie nix in der gemeindeeigenen Sportstätte, für die ausschließlich die Austria einen Pachtvertrag besitzt. Aber angeblich soll für den FC schon ein neues Stadion in Planung sein, welches dann in der Nähe der Rheinhalle (wo die einigermaßen bekannte EHC (Eishockey) und der HC (Handball) Lustenau beheimatet sind) gebaut werden. Schön anzusehen ist das Reichshofstadion aber allemal, gerade die überdachte Hintertorseite sieht irgendwie genial aus. Beim obligatorischen Rundgang machte ich Bekanntschaft mit einer Ordnerin, die mir ein paar Geschichtchen zum Derby erzählte (Grundtenor: FC-Fans sind alles Chaoten) und nach meiner Herkunft befragt, die allen Ernstes meinte, dass Berlin von den Muslimen regiert wird. Die Konversation mündete in einem Monolog ihrerseits und endete mit der Feststellung, dass die FPÖ Lustenau und bald auch den ganzen Vorarlberg regiert bzw. regieren wird. Dass es auch angenehme Menschen in Lustenau gibt, durfte ich kurz danach erfahren, als der Mann hinter dem Zapfhahn umständlich mit den Geräten hantierte und mich bat das Produkt seiner technologischen Errungenschaft zu probieren. Völlig selbstlos verbrachte ich die nächste Stunde damit die perfekte Einstellung der Zapfanlage herbeizuführen. Heijeijei… Als wir endlich fertig waren, konnte sich auch der Herausgeber des GH-Informers von den Mühen überzeugen.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Vor der Austria-Kurve (heute auf der für die Gäste vorgesehenen Tribüne) ging in Folge eines Böllerwurfes der Fanbeauftragte in die Knie und musste anschließend in Krankenhaus gebracht werden. Beide Seiten präsentierten anschließend ein kleines Intro und waren im weiteren Spielverlauf sehr um Support bemüht. Auf dem Platz ging auch gleich gut los und Lustenau ging früh in Führung. Bis zur Pause war die Austria das spielbestimmende Team, hatte aber kaum Torchancen. Dies änderte sich im zweiten Durchgang, als sie das Spiel innerhalb weniger Minuten drehten.

Tore: 1:0 (8. Min.) Mijatovic, 1:1 (68. Min.) Bolter, 1:2 (72. Min.) Salkic

Pünktlich zum Abpfiff trabten wir in hoher Schrittfrequenz dem Kirchplatz entgegen, wurden dort von einem mir namentlich unbekannten Bayernfahrer aus NRW begrüßt und entschwanden kurz danach mit dem Bus gen Bahnhof. Unterwegs stieg Jochen J. zu, der in Dornbirn weilte. Via Lindau und Ulm erreichten wir (der Bayernfahrer fuhr noch weiter) gegen Mitternacht Augsburg, wo wir alle die Nacht verbringen wollten. Während sich die Anderen ein Hotel direkt am Bahnhof buchten, musste ich noch rund einen Kilometer laufen bis ich nach einigen Schwierigkeiten meine Bleibe fand.

 
 
 
 
 

Tageskilometer:                   1.006 km Bahn von Berlin nach Lustenau

Saisonkilometer:               19.337 km KFZ (3.196 km Flug, 14.097 km Bahn, 2.044 km KFZ)

zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus)

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