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1. Bundesliga, Saison 09/10, 23.01.2010

 

VfL Bochum – FC Schalke 04

2:2

Bochum, Ruhrstadion (29.008 Zuschauer, nicht ausverkauft)

 
Pleiten, Pech und Pannen

Exakt sechs Wochen sind seit dem letzten Stadionbesuch vergangen und hätte das Wetter mitgespielt, gäbe es an dieser Stelle ein paar Zeilen von einer Pokalpartie aus dem elsässischen Colmar. Aber auch so wurde die Zeit einigermaßen passiv sportlich mit hoch- und unterklassigem Eishockey gefüllt (u. a. mit dem Länderpunkt Tschechien) genutzt. Eine gute Alternative, zumal die durchspielenden Nationen auch lausige Temperaturen bieten (Spanien, Italien) oder es dort mehr Spielausfälle (Vereinigtes Königreich) als Haare auf meinem Haupt gibt. Aber sechs Wochen Pause bieten auch mal wieder die Gelegenheit sich wie Bolle auf das nächste Spiel zu freuen. Und das trotz der zumindest im Osten unserer Republik vorherrschenden lausigen Temperaturen.

Die Deutsche Bahn nebst diversen Partnern übersät in diesen fiesen Tagen den Markt mit Fahrkarten. Neben dem schon bekannten LIDL-Ticket werden Milchschnitten-Fahrkarten ganz heiß gehandelt. Für lausige fünf Sammelpünktchen (hat einen ungefähren Gegenwert von vielleicht drei Euro) bekommt der potentielle Reisende einen Mitfahrergutschein und der Rest der Familie Karies sowie ordentlich was auf die Hüften. Man braucht halt nur Jemand der den Vollpreis zahlt und in der Lage ist den komplizierten Mitfahrwunsch zu begreifen. Soweit die Theorie, in der Praxis angewandt klappte es letztlich auch. Nachdem die Fahrgelegenheit (9:00 Uhr) verpennt sowie bei der Zweiten (10:00 Uhr) die U-Bahn verpasst  wurde, konnte wenigstens die dritte aller in Frage kommenden Möglichkeiten (11:00 Uhr) bestiegen werden. Die Clowns des Mobilitätsunternehmens schickten ihr Gefährt zwar pünktlich auf die Strecke, vergaßen aber den zweiten Teil des Zuges anzuhängen. So drängten sich doppelt so viele Passagiere auf engstem Raum und so machte ich gleich Bekanntschaft mit einer netten Dame aus Dinslaken die intelligent genug war mein Ansinnen mit diesem Ferrero-Billet zu verstehen (Rückfahrt war übrigens ebenfalls astrein). Bis Hannover stehend (danach endlich sitzend) galoppierte das Eiserne Pferd gen Westen und erreichte pünktlich Bochum Hbf. Schwesterherz war ebenfalls pünktlich zur Stelle und nach einer sehr kurzen Straßenbahnfahrt (Grüße an dieser Stelle nach Düsseldorf) erreichten wir das für mich immer noch schönste Bundesligastadion der Republik.

Das Pokalspiel zu Beginn dieser Spielzeit wurde beim vermeintlichen Angstgegner bekanntlich gewonnen. Vermeintlich deshalb, weil es im Ruhrstadion in den letzten Jahren einige unschöne Ergebnisse zu beklagen gab, aber die Auswärtsbilanz bei den Bochumern eine deutlichere Sprache spricht (13 Siegen stehen neun Niederlagen und sechs Unentschieden gegenüber). Um das Gesetz der Serie zu bemühen, müsste eigentlich die Heimelf wieder gewinnen (da das Cup-Match an uns ging) bzw. beschränkt auf die Bundesligaserie die Königsblauen die drei Punkte einsacken, da das Ding in der letzten Saison fürchterlich in die Hose ging. Ein Remis lag außerhalb der Möglichkeiten, da es in der Vergangenheit bei dieser Konstellation eher selten vorkam (zuletzt vor zehn Jahren, da traf noch ein gewisser Emile Mpenza, der übrigens gerade beim FC Sion unter Vertrag steht). Ma gucken.

Unser umtriebiger Spiritus Rector nutzte die Winterpause um einige kleinere Korrekturen im Kader vorzunehmen. Der (also der Kader, nicht der Felix) sieht jetzt aus wie ein gemästetes Schwein und ist für verlustreiche Schlachten gerüstet.

Man hatte sich mental noch gar nicht richtig auf die Partie eingestellt, da klingelte es schon auf der Gegenseite und man herzte seine Nachbarschaft. 15.000 Schalker feierten in Bochum und der Heimverein war nicht in der Lage den Rest des Stadions mit eigenen Leuten zu füllen. Peinlich! Schalke dominierte die erste Halbzeit und vom VfL war weder was zu sehen noch zu hören. Kurz vor der Pause drückte die Blase und als ich gerade die Treppe herunter stürzte bekam ich die volle Wucht der zweiten Jubelarie im Nacken zu spüren. Das Pinkeln im Ruhrstadion erinnerte noch an die gute alte Zeit als sich beim Urinieren die Netzhaut ablöste. Beim anschließenden Halbzeittalk berichteten die richtigen Allesfahrer vom Trainingslager in Spanien, das wohl alles Andere als pralle war. Die zweite Halbzeit begann unspektakulär, Bochum wollte konnte aber nicht, Schalke konnte wollte aber nicht. Dafür ging der Punk auf den Rängen ab und so manches Liedchen wurde in voller Länge, synchron und brachial laut gesungen. Die Punkte waren ab Mitte der zweiten Halbzeit längst im Sack, denn es gab einige Gelegenheiten zum 0:3 und nicht eine die zum Anschlusstreffer hätte führen können. Zehn Minuten vor dem Ende gab es eine der wenigen Ecken für die Bochumer und als der Ball motivationslos in den 16er segelte, guckten unsere Defensivspezialisten dabei zu wie ein Bochumer völlig unbedrängt aus kurzer Distanz auf 1:2 verkürzte. Dies war ärgerlich, aber kein Grund in Panik zu verfallen. Die Schalker besannen sich auf ihr Spiel und drückten auf die Vorentscheidung. Aber weder Höwedes, noch Edu und schon gar nicht Rakitic waren in der Lage für die Erlösung zu sorgen. Sein Volleyschuss wurde in der 91. Minute abgeblockt und in dem Moment wo der Ball den Bochumer 16er verließ ahnte ich was jetzt noch kommen möge. Der Ball segelte auf die Außenlinie, wurde bis an die Grundlinie weiter vorgedroschen, dann in den Strafraum befördert wo letztlich der Ball mit der letzten Aktion des Spiels im Tor landete. Oh nein! Wieder (gefühlt) hier verloren, während die Nasen die während des ganzen Spiels kaum ihr Maul aufbekamen, abgingen als hätten sie die Meisterschaft errungen und nicht einen Minipunkt gegen den Abstieg. Ärgerlich, aber solche Dinger sind in dieser Saison bislang noch eine Ausnahme und nicht wie in der Spielzeit 08/09 Regelmäßigkeit.

Tore: 0:1 (5. Min.) Sanchez, 0:2 (42. Min.) Kuranyi, 1:2 (82. Min.) Hashemian, 2:2 (90. Min.) Sestak.

 

Stadion:

Bevor an der Castroper Straße in Bochum das Ruhrstadion gebaut wurde, gab es an dieser Stelle bereits ein Stadion. Trotz der Kapazität von ca. 35.000 Zuschauern erfüllte das Städtische Stadion nicht mehr die Anforderungen für die Bundesliga. Der VfL musste für ein paar Spiele nach Herne umziehen und 1976 begann man mit dem Neubau. Zuerst wurde die Südtribüne, dann die Osttribüne  und schließlich die West- und Haupttribüne (1979) erbaut. Das Fassungsvermögen betrug nach der kompletten Fertigstellung 49.522 Plätze, davon 38.000 Stehplätze. Ausverkauft war es allerdings schon bei 42.000, aber diese Marke wurde nicht allzu oft erreicht. Im August 2003 wurde nach ein paar Monaten Bauzeit das neue Stadioncenter mit VIP-Logen, Umkleidekabinen, Fanshop und Geschäftsstelle am Ruhrstadion eröffnet. Heute liegt die Kapazität aufgrund der Versitzplatzung nur noch bei rund 31.000 Plätzen und auch der Name Ruhrstadion musste zugunsten eines Sponsors weichen.

 
 
 

Tageskilometer:                  1.040 km mit der Bahn von Berlin nach Bochum und zurück

Saisonkilometer:               30.858 km KFZ (3.196 km Flug, 16.712 km Bahn, 10.950 km KFZ)

zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus)

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