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Tweede Klasse, Saison 09/10, 03.02.2010

 

Royal Antwerp F. C. – F. C. V. Dender EH

1:3

Antwerpen, Bousuilstadion (ca. 2.500 Zuschauer)

 

Ein paar überzählige Schokomitfahrertickets brachten mich fast kostenneutral in den goldenen Westen wenngleich ein Fußballspielchen nicht auf dem Programm stand. Der amtierende und zukünftige deutsche Eishockeymeister gastierte unter der Woche in Krefeld und war so das primäre Ziel der Bahnfahrten. Einen Tag später sollte es eigentlich in die Eissporthalle in Kassel (gegen Hannover) gehen, aber da in Belgiens zweithöchster Fußballdivision ein kompletter Nachholspieltag auf dem Programm stand wurde der Kassel-Besuch auf einen zukünftigen und unbestimmten Zeitpunkt  verschoben. Die erste Teiletappe bis Düsseldorf war dank des Lifts (bzw. Fahrkarteninhaberin) recht kurzweilig und für die letzten paar Minuten bis Krefeld lohnte es sich gar nicht erst hinzusetzen. Die neue Eishalle liegt bekanntlich direkt gegenüber der Rheinlandhalle (wo heute noch der Nachwuchs spielt) und auffällig an diesem Abend war die recht übersichtliche Szenerie vor dem Dingsbumspalast. Gerade einmal 2.700 Zuschauer sahen dabei einen nicht unverdienten Heimsieg nach Penaltyschießen.

 
 

Der nächste Tag begann mit einer wilden Kommunikationsorgie zwischen vier Parteien, wovon zwei unbedingt nach Wetteren (gegen Waasland) wollten, ich aber unerlässlich wegen einer schon am Vorabend getroffenen Verabredung nach Antwerpen und Meister Zumsel alles egal war (Hauptsache genug Pils). Am Ende einigten wir uns darauf, dass man erst mal nach Belgien fahren und unser Tun von der Verkehrs- und Wetterlage bestimmen lassen sollten. Nils (Fahrer), Zumsel, Dormagen-Ingo und ich benetzten äh besetzten das sprit- und platzsparende Automobil und steuerten westwärts. Gegen 18:30 Uhr erreichten wir den Antwerpener Ring, waren damit zeitlich voll im Soll und so warf uns (Zumsel konnte doch noch überredet werden) Nils an der ersten und besten Ausfahrt raus. Die topographischen Daten hatte ich dermaßen gut in meinem Hirn abgespeichert, dass wir nach über einer Stunde und diversen Richtungswechseln das Bosuilstadion erreichten. In 20 Minuten hätte man die Strecke auch gemütlich zurücklegen können, allerdings nur wenn man schnurstracks geradeaus gelaufen wäre. Egal, Rudi von der „Federatie Antwerp Supporters Clubs“ erwartete uns am Fanshop und moderierte uns durch den Abend.

Wir hätten uns einen schlechten Zeitpunkt für den schon längst überfälligen Besuch des Bosuil Stadion ausgesucht, da die Mannschaft aktuell einen extrem schlechten Ball spielt und es zudem Knatsch zwischen Vorstand und den Anhängern gäbe. Aber wer seinen Augen die Partie Emstekerfeld gegen SVG Aurich vor 150 Zuschauern antut, für dessen Pupillen wird ein vermeintlich schnöder Zweitligakick in Antwerpen  ein feiner LSD-Trip sein. Zumal das Äußere und später auch das Innere optisch zu überzeugen wusste. Vier unterschiedliche Tribünen und die beiden sich auf der Längsseite befindlichen sehen aus wie einst  (erbaut wurde das Stadion Anfang der 20er Jahre) und machen die Wettkampfstätte des Royal F. C. zu einem echten Augenschmaus. Einzig die beiden Hintertorseiten sind neueren Baujahrs – auf der einen Seite die obligatorische Tribüne inklusive Glasfront  für die VIP’s und auf der anderen Seite eine recht schlichte überdachte Sitzplatztribüne. Wie lange es diesen Kultground noch geben wird ist ungewiss, da es in Antwerpen aktuell Bestrebungen gibt ein neues Stadion außerhalb der Stadt (Arbeitstitel: „The Port of Antwerp Stadium“) und dort die beiden Stadtrivalen Royal und Germinal Beerschot unterzubringen. Da der Verein total klamm ist und die Provinz keine Kohle mehr in die marode Stätte stecken will ist der Stadionneubau schon fast beschlossene Sache. Zumal sich Holland und Belgien als WM-Ausrichter (2022) bewerben und es damit noch zusätzlich Munition für dieses Projekt gibt.

Ungefähr zweieinhalbtausend Zuschauer konnten sich für dieses Duell zweier Teams aus dem Mittelfeld erwärmen und bereuten mehrheitlich im Nachhinein ihr Kommen. Angetrieben von den heimischen Supportern auf der Gegengerade, die ihr Team zu Beginn akustisch brachial laut zum Siegen aufforderten (optisch unterlegt von ein paar Bengalen), offenbarte die Truppe von Anfang an ihre technischen Unzulänglichkeiten. Nach vorne lief nicht viel, außer wenn der Spieler mit der Nummer sieben (Eigengewächs Kevin Baert) die Offensivaktivitäten über die Außenbahn initiierte, und hinten gab es riesige Lücken im Deckungsverband. Daher gingen die Gäste Mitte der ersten Halbzeit in Führung und bauten diese kurz nach Beginn des zweiten Durchgangs aus. 20 Minuten vor dem Ende keimte dann noch einmal kurz Hoffnung auf und plötzlich waren die Zuschauer auch wieder da und feuerten ihr Team frenetisch an. Als allerdings kurz danach Dender einen der vielen Konter erfolgreich abschloss war die Partei auch durch.

Der Royal Antwerp F. C. dümpelt damit weiter im Mittelfeld der zweiten Liga rum und laut unseres Begleiters wird die Zukunft auch nicht rosiger aussehen. 1993 stand der Club noch im Finale des Europapokals der Pokalsieger (in London 1:3 gegen Parma). Er ist (Spitzname „The Great Old“) der älteste Fußballverein Belgiens und wurde im Jahre 1880 gegründet. Viermal war der Verein belgischer Meister (1928, 1931, 1944 und 1957) und gewann zweimal den Pokal (1955 und 1992). Aus dem Royal Antwerp F. C. spalteten sich übrigens im Jahre 1900 nach internen Streitigkeiten ein paar Mitglieder ab, die anschließend den Konkurrenzklub Beerschot gründeten. Seitdem verbindet beide Clubs eine intensive Feindschaft  und eben diese beiden sollen sich irgendwann mal ein Stadion teilen. Da der Club finanziell nicht auf Rosen gebettet ist und zudem nicht gerade über eine positive Reputation verfügt, wird er wohl noch ein paar Jährchen gegen solche Knallergegner wie Wetteren oder Waasland spielen müssen.

Tore: 0:1 (25. Min.) Munyaneza, 0:2 (50. Min.) De Meersman, 1:2 (70. Min.) Setti, 1:3 (80. Min.)  Munyaneza.

 
 
 
 
 
Grüße und Dank an Rudi
 

Tageskilometer:                  1.442 km (370 km KFZ & 1.072 km Bahn) Berlin - Antwerpen - Berlin

Saisonkilometer:               32.300 km KFZ (3.196 km Flug, 17.784 km Bahn, 11.320 km KFZ)

zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus)

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