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Champions League, Saison 2010/2011, 14.09.2010

 

Olympique Lyonnais - FC Schalke 04

1:0

Lyon, Stade Municipal de Gerland (35.552 Zuschauer)

 

Eigentlich hätte es sich angeboten von Sinsheim direkt Richtung Süden zu reisen und nicht erst wieder zurück nach Berlin zu ballern. Aber alle sechs Fahrzeuginsassen hatten in den verbliebenen 2 ½ Tagen noch einige Dates in ihren prallgefüllte Terminkalender, so dass sich die Meute in leicht veränderter Besatzung (Nils, Freddy, Ronnie, Erklärbär et moi) exakt 54 Stunden nach der Rückkehr von der letzten Klatsche am gleichen Treffpunkt wieder einfand um am Montagmittag Richtung Frankreich zu starten. Trotz hohem Verkehrsaufkommen kamen wir zügig voran und überquerten am frühen Abend den Rhein bei Mulhouse. Dort erfolgte der Fahrerwechsel und die ersten zaghaften Wünsche nach Getränken mit erst anregender und später betäubender Wirkung wurden geäußert. Drum verließen wir die gebührenpflichtige Autobahn an der Ausfahrt Belfort und machten uns auf die Suche nach einem Kiosk oder Ähnlichem. Fündig wurden wir erst in der Stadt, direkt gegenüber des Bahnhofs, und nachdem wir gerade wieder ein neues Billet für die weitere Benutzung der Autobahn gezogen hatten, stellte der verantwortliche Einkäufer fest, dass die Einkaufsmenge deutlich unter der Bestellmenge lag. Die flüssigen Erquickungen reichten aber zumindest für die nächsten 100 Kilometer und so durften wir die wirklich hübsche Innenstadt von Besançon bei Nacht bewundern. Entlang der angestrahlten Stadtmauern fließt ein Fluss, der uns als Orientierung diente und schließlich zu einem Lebensmittelladen führte. Nachdem alle Besorgungen erledigt waren, drehten wir noch ein paar Runden durch die Stadt und danach wieder via Autobahn gen Lyon. Gegen Mitternacht erreichten wir schließlich unser F1-Motel direkt an der Autobahn in der Nähe von Macon und nach kurzer verbaler Reiberei wurden die Zimmer nach Suffies und Nicht-Suffies aufgeteilt.

Komischerweise war die Besatzung aus dem Zimmer Suff wesentlich früher auf den Beinen und so setzten wir unsere Reise bei schönstem Wetter fort. Diesmal allerdings über verschlungene Pfade und nicht über die Autoroute um noch ein bisschen Land und Leute zu beschnuppern. So gestalteten sich die gut zwei Stunden bis Lyon kurzweilig und pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir das Stade de Gerland zeitgleich mit den Bussen aus Gelsenkirchen, die um Mitternacht die schöne Stadt am Emscherstrand verlassen hatten. Innerhalb einer Stunde versammelten sich etwa 500 Blaue auf dem Parkplatz und diese latschten anschließend gut fünf Kilometer bis zum auserkorenen Treffpunkt am Place Bellacour in der Innenstadt. In den nächsten Stunden erkundeten wir die drittgrößte Stadt Frankreichs, die von uns einhellig mit dem Stempel „Absolut sehenswert“ versehen wurde. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen auf einer Insel (Presqu’Ile oder so) die, umschlossen von den Flüssen Saone und Rhone, mitten in der Stadt liegt. Gegen 17 Uhr vereinigten wir uns wieder mit den restlichen Gleichgesinnten am Place Bellour, direkt unter dem großen Reiterstandbild von Louis XIV. Eine halbe Stunde später brachen bis auf die üblichen Fußkranken alle geschlossen zum Stadion auf und wurden dabei von der martialisch aussehenden, aber doch ganz relaxten, Schutzmacht begleitet. Da der Marsch genau über die Peripherie verlief, braute sich im Feierabendverkehr ein kleines Verkehrschaos zusammen und ein Autofahrer bezahlte für seine neugierigen Blicke mit einem Frontalaufprall auf seinen Vordermann.  Nach über einer Stunde endete der Marsch natürlich am Stadion, ein anderes Ziel hätte auch wenig Sinn gemacht, und so blieb genug Zeit sich mit den im Kofferraum gelagerten Delikatessen zu versorgen. Eine Stunde vor dem Kickoff reihten wir uns schließlich in die um Einlass begehrende Schlange ein und nach intensiver, aber freundlicher Kontrolle erklommen wir den Aufgang zum Gästeblock. Das Stade de Gerland fasst offiziell 43.051 Besucher, allerdings waren an diesem Abend nur etwa 35.000 Zuschauer (darunter ca. 1.500 Gäste) zugegen. Erbaut wurde dieser recht ansehnliche Bau 1926 und zur WM 1998 gründlich renoviert. Neben einigen Vorrundenspielen fand hier das unrühmliche Viertelfinale Deutschland gegen Kroatien statt. Damals wurden die beiden zweistöckigen Hintertorseiten mit den hübschen welligen Dachkonstruktionen neu erbaut, während die beiden Tribünen (ebenfalls bestehend aus zwei Rängen) auf den Längsseiten noch älteren Baujahrs sind.

 
 
 
 
 
 
 

Pünktlich zum Anpfiff entrollten sowohl die Virage Nord als auch der Gästeblock ihre Choreographien. Auf der Heimseite bestand diese aus roten und blauen Papptafeln und dem Logo „OL 1950“ (1950 = offizielles Gründungsjahr). Kurz danach wurde das Gruppenbanner „Bad Gones – kop Virage nord“ (…) enthüllt, wobei der Lappen bei jedem Spiel hängt und sich somit die Frage nach dem Sinn der Enthüllung stellt.  Die Choreo im Gästeblock war zwar etwas kleiner, soll aber nach Aussagen der Kollegen von der Haupttribüne sehr gut ausgesehen haben (Bilder). Im Unterrang wurde ein Transparent mit der Eurofighter hochgezogen, flankiert mit blauen und weißen Pappen. Vom Oberrang wurde ein Bild mit einem Schalke-Bus auf Europapokaltour dargeboten, unterstützt von blauen Fähnchen.

Stimmungstechnisch schenkten sich beide Seiten nichts und es gab kaum Momente in denen nicht gesungen wurde. Das Spiel lief aus königsblauer Sicht leider nicht optimal, da nach ganz gutem Start ein individueller Fehler das bis dahin gar nicht mal so schlecht spielende Team in Rückstand brachte. Dabei hätte es auch nach gut zehn Minuten 1:0 für uns stehen können, aber Farfan scheiterte per Kopf leider am Keeper. Zehn Minuten später gab es dann wieder eine gute Möglichkeit für den S04, aber auch der Schuss von Moritz wurde pariert. Als kurz vor der Halbzeitpause der bis dahin beste Schalke Höwedes ungerechterweise des Feldes verwiesen wurde, waren die Chancen auf einen oder mehrere Punktgewinne dahin. Nun gut, die Niederlage hatte ich einkalkuliert, aber nach der anfänglich guten Leistung keimte zwischendurch doch noch Hoffnung auf. Aber viel wichtiger ist ohnehin das Derby am nächsten Sonntag.

Tor: 1:0 (21. Min.) Bastos

Nach der üblichen Blocksperre entschwanden wir als eines der ersten Fahrzeuge vom Parkplatz und erreichten nach zehnstündiger Fahrt und mehreren Fahrerwechseln fast ohne Zwischenfälle am nächsten Vormittag die Hauptstadt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                       2.460 km mit dem KFZ von Berlin nach Lyon und zurück

Saisonkilometer:                    21.703 km (1.478 km Flugzeug, 6.854 km KFZ, 13.371 km Bahn) 

zum Vergleich 09/10: 59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)