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Liga haAl, Saison 2010/2011, 01.11.2010

 

Hapoel Haifa F. C. - Maccabi Tel Aviv F. C.

0:0

Haifa, Kiryat Eliezer Stadium (ca. 5.000 Zuschauer)

 

„Aber wir kommen wieder, keine Frage!“ war unser einstimmiges Fazit als wir am 22.02.2010 die letzte Passkontrolle am Ben-Gurion-Flughafen passierten und den Heimflug antraten. Dass zwischen dem Gesagten und dem Getanen keine neun Monate liegen würden, hätte ich mir auch nicht träumen lassen, aber so oder so – Hapoel Tel Aviv war das erhoffte Traumlos. Relativ zeitnah buchten wir unabhängig voneinander unsere Flüge um dann doch im gleichen Flieger zu sitzen, nur halt zu unterschiedlichen Preisen. Der Schnellste reiste am günstigsten und diejenigen die auf Rabatte spekulierten (und diese dann doch nicht bekamen) durften letztlich am tiefsten in die Tasche greifen. Am Sonntagabend traf sich dann die Meute (Ronnie, Freddy, Marc & Marc) am Flughafen Tegel, genauer am Schalter von Air Berlin. Um 23 Uhr entschwand die etwas in die Jahre gekommene Maschine in den Nachthimmel und nach ereignislosem Flug landete sie um 4:00 Uhr Ortszeit in Tel Aviv. Bis wir allerdings den freien Himmel über unseren Köpfchen verspüren sollten verging eine gute Stunde, die wir mit Rumlatschen, auf Gepäck warten und aufnehmen sowie Ausharren in der Warteschlage bei der Passkontrolle verbrachten. Mit dem Regionalexpress (sieht nicht nur aus wie unser, ist sogar einer) ging es anschließend in die Innenstadt und mit dem Bus die letzten Kilometer zur Strandpromenade, wo wir pünktlich zum Sonnenaufgang (6:00 Uhr zeigte der Chronometer) unsere bleichen Körper in den feinen Sand hauten und unsere Schweißmauken im herrlichen warmen Salzwasser versenkten. Da wir unseren Leihwagen für die Tour nach Akkon und Haifa erst für 10 Uhr gebucht hatten, hätten kluge Menschen den recht großzügigen Zeitpuffer zum dringend notwendigen Nachholen von Schlaf genutzt. Wir verschwendeten die Stunden allerdings mit unnützen Dingen wie Baden, Humuspaste essen, dumm quatschen und in einem Einzelfall mit Biertrinken. Obwohl die Autoverleihbude gerade einmal einen Kilometer von unserem Strand entfernt lag, war der Weg dorthin eine ziemliche Qual, die der fett von Himmel brennenden Sonne geschuldet war. Nachdem wir unseren Sechssitzer in Empfang genommen hatten, verstauten wir neben unserem Gepäck zusätzlich unsere Allesfahrerin aus der Schweiz und fuhren anschließend mit einem kleinen Umweg über unser Hostel Richtung Norden. Von Tel Aviv bis Akkon sind es gerade einmal 120 Kilometer und der Weg führt entlang der Küste über Haifa. Vor zwei Jahren hat es in der altehrwürdigen Hafenstadt mächtig zwischen Juden und Arabern geknallt, seitdem ist die Lage angespannt bis friedlich. Der touristisch interessante Teil ist die Altstadt und wo einst Richard Löwenherz, Saladin und Napoleon durch die Gassen streiften, reihten wir uns in die Liste der prominenten Besucher ein. Nachdem wir kreuz und quer die wirklich sehenswerte Stadt erkundet hatten, warfen wir noch ein kleines Mittagessen ein (Humuspaste in allen erdenklichen Kreationen für ca. 5 Euro die Portion). Auf dem Rückweg Richtung Haifa kamen wir am neuen und noch nicht fertig gestellten Stadion von Hapoel Acre F.C. vorbei, die ihre Erstligaspiele zurzeit noch in Nazareth austragen müssen. Haifa erreichten wir am Nachmittag und da es zu dieser Jahreszeit zwar noch mächtig warm war, macht die Sonne hier pünktlich Feierabend. So blieb nur noch Zeit für einen Besuch des „Schrein des Bab“ und den damit verbundenen hängenden Gärten. Von dort oben konnten wir sehr gut die Lage und den Ausbaugrad des lokalen Stadions erkennen und nachdem es endgültig zappenduster war, bewegten wir die Leihkarre in Richtung Sportstätte. Ein Parkplatz direkt vor einem Billigsupermarkt war schnell gefunden, ein akzeptabler Ort zum Verweilen allerdings nicht, da wir bei der Suche zunächst die falsche Richtung ansteuerten. Der zweite Versuch saß dann aber und so lungerten wir im Kollektiv auf irgendwelchen Parkbänken an einem ziemlich schmuddeligen Einkaufszentrum rum.

 
 
 
 
 
 

Etwa eine Stunde vor Anpfiff machten wir uns dann auf in Richtung Stadion, wo es Karten für die Haupttribüne zu 80 Schekel (ca. 16 Euro) bzw. 40 Schekel ermäßigt gab. Für die Heimseite gab es nur diese Karten und die einzige Alternative hätte darin bestanden sich auf der Gegenseite unter den Auswärtsmob zu mischen. Da bei den Einlasskontrollen penibel auf die Karten und die notwendigen Ermäßigungsdokumente geachtet wurde, blieb so mancher an dieser letzte Hürde hängen und musste daher ein weiteres Mal den Mann im Ticketoffice bemühen. Das 1956 erbaute Mehrzweckstadion ist auf drei Seiten ausgebaut und hat ein Fassungsvermögen von 14.000 Plätzen. Gesponsert wurde der Bau von der italienischen Gewerkschaft. Für den Ligabetrieb ist die Kapazität völlig ausreichend, für Spiele mit internationalem Charakter müssen die Vereine bzw. der Verein (Maccabi Haifa) ins Nationalstadion in Ramat Gan ausweichen. Angeblich ist ein Neubau der den UEFA-Normen genügt schon in Planung und soll 2012 eröffnet werden. Der gastgebende Hapoel Haifa FC (Meister 1999 und dreifacher Cupsieger) wurde 1924 als klassischer Arbeiterverein gegründet. Historisch waren die Fußballvereine an politische Organisationen angeschlossen, heute sind sie alle in Privatbesitz. Vereine mit Namen Maccabi (Kampfgeist) wurden meist vom zionistischen Bürgertum unterstützt, Beitar hat die Nationalisten hinter sich und Hapoel (Arbeiter) war der Verein der Sozialisten (Ma'arach-Partei), der Gewerkschaften (Histadrut) und der Kibbuze. Hapoel Haifa wurde Mitte der 90er Jahre von einem Privatmann übernommen und gewann 1999 die Meisterschaft (übriges unter Trainer Eli Guttman, der heute Hapoel Tel Aviv trainiert). Als der Clubbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten geriet, ereilte den Club das gleiche Schicksal woraufhin er in die 2. Liga verbannt wurde. Mittlerweile ist der Verein in die höchste israelische Spielklasse zurückgekehrt und rangiert zurzeit auf dem 9. Platz, während Maccabi Tel Aviv Zweiter ist. Unterstützt wurden die Gäste von ca. 2.000 Fans (insgesamt waren ca. 5.000 Zuschauer im Stadion) und beide Seiten legten während des gesamten Spiels eine ordentliche Sohle aufs Supportparkett. Gerade die sehr engagierte Heimseite zog einige Mal die ganze Haupttribüne mit. Das Spiel war, auch wenn es das Endergebnis nicht vermuten lässt, ganz unterhaltsam. In der Schlussphase hatte Hapoel einige hochkarätige Möglichkeiten die drei Punkte mitzunehmen, allerdings scheiterten sie am glänzend aufgelegten Gästekeeper.

Kaum war der Schlusspfiff erklungen, reihten wir uns artig in den Abfahrtstau ein und ballerten zurück nach Tel Aviv. Um zwei Uhr gingen dann die Lichter aus und es vergingen Sekunden bis der Letzte in den Tiefschlaf verfiel.

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                         3.119 km, davon 2.859 Flug - 240 km KFZ - 20 km Bahn

Saisonkilometer:                    30.528 km (4.337 km Flugzeug, 9.084 km KFZ, 17.107 km Bahn) 

zum Vergleich 09/10: 59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)