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Oberliga NOFV-Süd, Saison 10/11, 29.05.2011

 

FSV Zwickau - SC Borea Dresden

Spielabbruch

Zwickau, Westsachsenstadion (ca. 1.500 Zuschauer)

 

Zeltlager

Das Westsachsenstadion ist tot, es lebe das Westsachsenstadion. Einen nahtlosen Übergang wird es zwar nicht geben, aber zumindest wird der ganze (sympathische) Gammel mit Ausnahme des schon renovierten Stadionturms entfernt und mit allerlei Neubauteilen ausgestattet. In ferner Zukunft wird dann an dieser Stelle ein modernes 10.000 Zuschauer fassendes Stadion stehen. Das Westsachsenstadion ist in seiner heutigen Form zwar eine etwas zusammen gehämmerte Anlage, aber der typische Charakter von Radrennbahn mit Fußballplatz hat schon etwas, wobei Radrennen hier schon lange nicht mehr stattgefunden haben und über die alte Bahn Stahlrohrtribünen gestellt wurden. Erbaut wurde die Spielstätte unter dem Namen Südkampfbahn für den Planitzer SC, Vorfahre des FSV, während des zweiten Weltkrieges. Nach 1945 ging der Verein als SG Planitz ins Rennen und wurde 1948 erster Ostzonenmeister. Zwei Jahre später wurde das Stadion nach dem Kommunisten Georgi Dimitroff benannt und der Verein erst in ZSG Horch, später in BSG Horch, BSG Motor und 1968 BSG Sachenring Zwickau. Bis in die 80er Jahre spielte der Club in der höchsten Liga, gewann drei mal den FDGB-Pokal und schaffte es nach dem Ableben der DDR (als FSV Zwickau „wieder“ im Westsachsenstadion) sogar bis in die 2. Bundesliga. Danach mussten allerdings deutlich kleinere Brötchen gebacken werden und mit dem Neubau des Stadions will man offensichtlich die Weichen für eine sportlich rosigere Zukunft stellen.

Am letzten Spieltag ging es für den FSV nur noch um die goldene Ananas, während Borea Dresden (früher FV Dresden Nord) bei günstigen Ergebnissen auf den anderen Platzen und einem eigenen Erfolg dem Abstieg hätte entrinnen können. Vor dem Anstoß gab es noch eine kleine Abschiedsfeier für das Westsachsenstadion und einige ehemalige Größen (die ganz Großen sagten allerdings ab) durften in Erinnerungen schwelgen. Was fehlte war eine ordentliche Abschiedschoreographie der heimischen Fanszene, denn dazu fehlten wiederum die dafür zuständigen Protagonisten. Dafür waren ungewöhnlich viele Schutzmänner in Kampfmontur anwesend. Der Block blieb leer und allmählich machte die Info die Runde, dass es wohl gestern ein Zeltlager im Stadion gegeben hatte und die dafür notwendigen Utensilien nicht ordnungsgemäß weggeräumt worden waren. Daraufhin verfügten die Vasallen des örtlichen Staatsapparates den Block für die Leute zu sperren. Präventiv vermutete man wohl Waffen in den Ausrüstungsgegenständen mit denen die exakt null Gästeanhänger im weiteren Verlauf des Nachmittages malträtiert werden sollten. Das Spiel begann, Stimmung oder sonstige Emotionen waren Fehlanzeige und die sommerlichen Temperaturen konnten diesen Zustand nur leidlich kompensieren. Als man kurz davor war einzunicken kam auf einmal Leben in die Bude, als die etwa 50 Jungs in ihren Block wollten und die Staatsmacht dies zu verhindern versuchte. Es begann ein gut halbstündiges Katz- und Mausspiel inklusive Platzsturm. Als ein Zwickauer Spieler seine Wut via Beschallungsanlage freien Lauf ließ, wurde dieser Monolog mit einem schlichten Entreißen des Mikrophons unterbunden. Auffällig war dabei, dass fast alle Zuschauer auf der Seite der „so genannten Fans“ waren und ihrem Ummut über die polizeiliche Aktion freien Lauf ließen. Nur die Offiziellen des FSV waren über die Randale wenig amüsiert und bezogen etwas einseitig Stellung. Warum der Block ausgerechnet im letzten Heimspiel, dazu ohne Gästefans, gesperrt werden musste und dies dann auch noch mit Staatsgewalt umgesetzt wurde bleibt wohl ein Geheimnis einiger Weniger. Wie auch immer – das Spiel wurde nicht mehr angepfiffen! Die Punkte gehen wohl nach Dresden und die Zwickauer Fußballgeschichte ist um eine Anekdote reicher. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                           550 im mit der Bahn von Berlin nach Zwickau und zurück

Saisonkilometer:                    65.542 km: (19.473 km Flugzeug, 35.349 km Bahn, 10.547 km KFZ, 173 km Bus)

zum Vergleich 09/10:           59.940 km: (8.914 km Flugzeug, 24.610 km Bahn, 21.416 KFZ)

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