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Champions League, Saison 2012/2013,18.09.2012

 

Olympiakos Piräus - FC Schalke 04

1:2

Piräus, Stadion Karaiskakis (30.922 Zuschauer )

„Weiße Rosen aus Athen, Sagen dir Auf Wiedersehn!“

 

Helsinski, Cluj, Nikosia, Haifa, Pilsen, Enschede und Bilbao hießen die Reiseziele in der letzten Saison, wo wir bekanntlich „nur“ im UEFA-Cup antraten. Jetzt spielt der kleine Arbeiterverein wieder in der Belle Etage des europäischen Fußballs und die Auslosung bescherte den Reisefreudigen im Grunde recht abwechslungsreiche Ziele. Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, findet man auch eins, Piräus im Dezember wäre optimal gewesen. So musste man doch recht kurzfristig und vergeblich nach einer günstigen Reisevariante suchen und obendrein ging es zeitlich eigentlich gar nicht. Wenn die zwei wichtiges Reiseparameter – Zeit UND Geld – knapp sind, wird es natürlich schwierig und nachdem ich im ersten Anflug des Wahnsinns stolz verkündete, dass ich Piräus jetzt mal auslasse, fand der Geist erst Ruhe, nachdem das Onlineflugticket in den elektronischen Briefkasten flatterte. Der Hinflug ging am Montagabend zunächst nach Zürich, wo sich einige andere blauen Nasen (und ein fränkisches Exemplar) schon tummelten und dann weiter nach Athen. Dort um kurz nach Mitternacht angekommen, brachte uns der Linienbus einigermaßen kostengünstig in die Innenstadt, wo wir uns dann auf die jeweiligen Hotels verteilten. 20 Euro kostete meine Butze und war für den Preis gerade noch annehmbar. In irgendeiner Spelunke wurde dem „Mythos“ gefrönt und viel zu spät begab man sich in die Horizontale. Hitze, Lärm sowie fast schon unmenschlicher Harndrang machte das Unterfangen Auspennen zunichte und so fand sich am Vormittag des Spieltages eine kleine, illustre Gruppe, um die griechische Hauptstadt ein wenig zu erkunden. Erst erklommen wir einen Berg, von dem man nicht nur eine schöne Aussicht hatte, sondern um die Erkenntnis reicher wurde, dass die Eurokrise tatsächlich in Griechenland angekommen ist. Das Areal auf dem Berg war früher ein Naherholungsgebiet, wo man sich als Stadtbürger von den Mühen des Alltages erholen sollte. Nun leben hier oben Menschen in Büschen, Kartons und in Hängematten. Schlimm anzusehen, auch wenn es vor der Eurokrise auch schon Obdachlose gab, aber im Februar 2007 prägten diese noch nicht das Stadtbild. Daneben ist die Stadt zugepflastert von gebrauchten Einwegspritzen und man sieht an jeder Ecke wie sich Leute einen Schuss setzen. Wenn man dann noch die Junkies sieht, die die öffentlichen Plätze absuchen und die Spritzen einsammeln, dann wird Athen bald die Hepatitis-C-Hauptstadt. Immer wenn die Politik versagt und man es den Bonzen allzu leicht macht, zahlt am Ende die breite und nicht wohlhabende Schicht die Zeche. Mit einer ordentlichen Portion Nachdenklichkeit setzten wir unseren Weg durch Athen fort und nach dem obligatorischen Besuch des alten Olympiastadions und der Akropolis fanden wir uns pünktlich am zentralen Treffpunkt, dem Syntagma-Platz ein. Die Stunde bis zur Abfahrt der Busse nach Piräus wurde mit netten Gesprächen und den letzten kühlen Bieren überbrückt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Viel zu früh erreichten die kostenlos zur Verfügung gestellten Transportmittel den Parkplatz vor dem Gästesektor und dann hieß es fast drei Stunden bis zum Anpfiff rumkriegen, was leidlich gelang. Am Ende waren rund 600 Gäste im Block, unterstützt von eigenen Leuten aus Skopje und dem Nürnberger, der genau genommen immer da ist. Als dann auch das Heimpublikum Platz genommen hatte, ging es los. Zu Beginn zeigten die beiden Hintertorseiten eine sehr hübsche rot-weiße Zettelchoreo mit Bannern  „Strength through Unity“ und „Unity through Faith“ unterlegt wurden, sowie einer Faust.  Ich bin der Meinung, dass der Spruch aus einem ziemlich geilen Comic ist, Kollege ist anderer Ansicht, wer es weiß kann sich bitte melden. Die richtige Lösung kriegt eine Fanta! Aber dies nur am Rande! Das Karaiskakis-Stadion ist zwar kein sonderlich imposanter Bau (er wurde 2006 gerneralüberholt), aber durch die Enge und dass nur rund 35.000 Zuschauer hier reinpassen, zumindest ein Stadion den Lärmpegel gut befeuert. Phasenweise war das schon brachial laut, was die Griechen da von sich ließen und für die paar Hansels im Gästeblock war es natürlich schwer dagegen anzukommen. Aber der Wille war da und gegen Ende der Partie müsste das mit dem Gehör verschaffen auch ganz gut geklappt haben. (Achtung, jetzt wird es neunmalklug!) Da darf man sich als gegnerisches Team nicht nervös machen lassen, der griechische Rekordmeister ist dank der Abgänge deutlich schwächer als in der Vorsaison und zudem haben sie eine Wurst im Tor. Die Wurst entpuppte sich als Oberwurst, nur sah das der Schiedsrichter leider nicht so. Da hätte Schalke früh in Führung gehen können, aber der glasklare Treffer wurde wegen angeblicher Torwartbehinderung nicht anerkannt. Aber Höwedes erzielte dann doch noch die verdiente Führung und damit war erst mal Ruhe im Karton. Nach gut einer Stunde überschlugen sich dann die Ereignisse, erst fiel der Ausgleich und das, obwohl die Blauen das Spiel eigentlich im Griff hatten. Der Torjubel war nicht von schlechten Eltern und in Richtung Gästeblock gab einige es obszöne Gesten. Aber als keine Minute später Huntelaar die eigenen Farben wieder in Führung schoss, war das Gejammer wieder mal groß. Kurz danach gab es sogar noch einen Elfer, den der Holländer aber formvollendet an den Pfosten setze. Die Stimmung bei Rot-Weiß war nun endlich dahin und so konnte die kleine Gästeschar den Sieg nach Hause singen. Nach der obligatorischen Blocksperre ging es zurück zum alten Olympiastadion, wo die Truppen noch mal bunt gemischt wurden, wir noch nach Mitternacht ein teures und schlechtes Gyros aßen und dann ging es auch schon gemächlich Richtung Flughafen und via Frankfurt zurück nach Berlin. Um 11 Uhr saß ich wieder am Schreibtisch und riss dann noch pflichtbewusst meine acht Stunden runter.

Tore: 0:1 (41. Min.) Höwedes, 1:1 (58. Min.) Abdoun, 1:2 (59. Min.) Huntelaar

 
 
 
 
 

Tageskilometer:                         4.550 km Flug von Berlin via Zürich bzw Frankfurt nach Athen und zurück nach Berlin   

Saisonkilometer:                     18.462 km: (6.206 km Flug, 11.120 km Bahn, 1.136 km KFZ)

zum Vergleich 10/11:           62.330 km: (24.867 km Flug, 21.630 km Bahn, 15.603 km KFZ, 220 km Bus)

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