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SuperLiga, Saison 2012/2013, 01.12.2012

 

F.K. Radnicki Nis - F.K. Rad Beograd

1:1

Nis, Gradski Stadion Čair (ca. 3.000 Zuschauer )

Von drei Königsklassenauswärtspartien sollte mindestens eine mit einer etwas längeren Tour verknüpft werden und da sich die Spiele in Piräus und London aus vielfältigen Gründen nicht anboten, blieb nur das letzte Match auf dem europäischen Parkett in diesem Jahr übrig. Bulgarien lag zwar nicht so ganz auf der Route in Richtung Frankreich, aber bei den günstigen Flügen musste man einfach zuschlagen. Bei der Buchung vor zwei Monaten sollte noch ein kompletter Spieltag der beiden bulgarischen Topligen stattfinden, aber drei Wochen vor Antritt der Reise wurde dieser plötzlich auf unter die Woche verlegt. Tja, wieso, weshalb, warum - blieb lange unklar. Erst zehn Tage vor Abflug erhärtete sich der Verdacht, dass am anvisierten Termin ein paar Pokalspiele über die Bühne gehen sollten. Dabei war die vorherige Runde noch gar nicht ausgemurmelt und so stand erst bei Abflug fest, wer gegen wen wann spielen sollte. Es war also Flexibilität gefragt und zwar nicht nur für mich, sondern auch für den Kollegen von der wunderhübschen Insel westlich von Helgoland. Der hatte sich noch kurzfristig mit auf den Trip gebucht und so durften wir zu zweit die bulgarische Hauptstadt erkunden. Bei mir ging es Donnerstagnachmittag via Wien und mit Air Berlin (59 EUR) los, wobei die beiden Flüge dank der halbvollen Flieger und der kurzen Umstiegszeit in Wien ganz angenehm waren. Der Anflug auf die Hauptstadt fiel in die Phase, wo der Tag in die Nacht wechselte und der erste Eindruck war ein Meer an Plattenbauten. Am sehr übersichtlichen Flughafen (Terminal 2) mussten erst einmal ein paar Lew am Automaten gezogen werden. Der Umrechnungskurs ist recht einfach: grob sind ein Lew 50 Cent bzw. ein Euro zwei Lew und der Kurs ändert sich auch nicht. Der Grund ist denkbar simpel. Die bulgarische Regierung koppelte den Lew Ende der 90er Jahre an die Deutsche Mark und somit gab es nach der Einführung des Euro den gleichen Kurs. Zudem wird der Kurs nicht von Angebot und Nachfrage getrieben, sondern von der Regierung einfach festgelegt und ist seit 15 Jahren unverändert. Die Währung kam so nie unter Druck, das Resultat sind geordnete wirtschaftliche Verhältnisse, so dass Bulgarien auch keine Kredite benötigt. Der Staat spart seit Jahren, versucht die Ausgaben zu kürzen und die Einnahmen zu erhöhen. So wurde vor kurzem das Renteneintrittsalter um ein Jahr erhöht, und das Volk macht da (fast) klaglos mit. Zwar ist das Durchschnittseinkommen (ca. 370 EURO) sehr niedrig, dafür sind die Preissteigerungen seit Jahren unter dem EU-Durchschnitt. Die Folgen bekommt man im Stadtbild von Sofia zu Gesicht. Gefühlt gibt es hier weniger bettelarme Menschen als in anderen osteuropäischen Metropolen, dafür ist die Stadt auch nicht zugepflastert mit Luxusschlitten. Der zwar noch sehr bescheidene Wohlstand scheint sich hier auf deutlich mehr Schultern zu verteilen, als zum Beispiel in Russland. Mit ausreichend Lew im Portemonnaie ging es gleich in den nächsten Kiosk um das ein Euro teure Busticket in Richtung Innenstadt zu erwerben. Der Bus benötigte allerdings über eine Stunde, vermutlich weil halb Sofia gerade mitten im Feierabendverkehr steckte. Ausgestiegen bin ich dann da, wo fast alle den Bus verließen und bis heute weiß ich nicht so genau wo dass eigentlich war. Sich zu orientieren machte auch keinen so rechten Spaß, da es aus Kübeln schüttete und ich erstmal in einem Kaffee Unterschlupf suchte. Die erhoffte Wetterbesserung blieb aus und da ich keinen Schimmer hatte, wo ich gerade war bzw. wo genau die gebuchte Hütte lag, entschied ich mich nach einen kleinen Abstecher in einem Supermarkt. für ein Taxi. Nicht doof, hatte ich mir die Adresse in der kyrillischen Schrift aufgeschrieben und den durchweichten Zettel stolz dem Taxifahrer präsentiert. Resultat: Stirnrunzeln. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, den Straßennamen richtig auszusprechen kam ich auf die glorreiche Idee, das mobile Telefon in Verbindung mit Google Maps zu kombinieren. Resultat: Ah…Die Hütte lag etwa 8 km südlich der Innenstadt und die Straße war im Grunde gar keine richtige und das Hotel war auch kein Hotel, sondern eine Wohnung mit drei Schlafzimmern, zwei Badezimmern, einer Küche und einem recht großen Wohnzimmer. Hat für vier Tage und Nächte insgesamt 64 Euro gekostet, bzw. acht Euro pro Nacht und Nase. Da auch bis auf den Kollegen von der Insel keiner mehr kam, hatten wir die Butze für die vier Tage für uns allein. Der Rest des Abends verstrich mit so sinnlosen Tätigkeiten wie Bude heizen, kochen, essen und TV glotzen. In der Nacht klingelte mich dann der Engländer aus der Koje und nach ein, zwei Rutschen Bier verschwanden wir in den frühen Morgenstunden ins Bettchen. Das Wetter am nächsten Tag sah schon deutlich besser aus. Strahlender Sonnenschein trieb uns aus den Federn und für den Freitag hatten wir keine großen Pläne, außer Pläne schmieden für die kommenden Tage. Wir begannen den Tag mit einer Stadtbesichtigung und auf den zweiten Blick war Sofia schon eine ganz angenehme Stadt. Sehr beeindruckend fand ich die Berge ringsherum, so dass wir das Gefühl hatten in einem Tal zu sein und dass, obwohl Sofia wohl rund 600 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Berge gehören zum Witoscha-Gebirge, einem gerade im Winter stark frequentierten Naherholungsgebiet für die Hauptstädter und nah ist in diesem Fall ernst gemeint. Die Geschichte Sofias reicht bis zu den Römer zurück, was auch durch einige Bauten belegt wird (wie z. B. die Georogskirche nahe dem Sheraton Hotel). Denen folgten die Hunnen, Goten, Kreuzritter und sonstige Tunichtgute, die aber eher zerstörten als irgendwas aufbauten. Dauerhaft blieben nur die Osmanen, die erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die Russen vertrieben wurden. Sofia wurde danach wieder Hauptstadt Bulgarien und entwickelte sich schnell zu einer Großstadt. Während des zweiten Weltkrieges wurde Sofia stark bombardiert, 1944 wurden Bulgarien und Sofia von den Russen besetzt, wodurch sich das Stadtbild stark veränderte. Sofia hat ca. 1,2 Millionen Einwohner und ist das politische und kulturelle Zentrum des Landes (die zweitgrößte Stadt Bulgariens – Plovdiv – hat rund 380.000 Einwohner). Unser Startpunkt war das „Narodniyam dvorets na kulturata“ (kurz NKD), so was wie ein großer nationaler Kulturpalast mit einem großen Park und großen Statuen. Das im Kommunismus nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde, dafür war das ganze Areal ein typisches Beispiel. Wir schlenderten weiter zum  Vithosha Boulevard, der wohl populärsten Straße und Einkaufsmeile in Sofia. Die vielen Läden und Cafes nach westlichem Vorbild trafen zwar nicht so ganz unserem Geschmack, aber das haben wir auch nicht erwartet. Am Ende dieses Boulevards seht linker Hand das Gebäude der bulgarischen Zentralbank und rechter Hand die  Sveta Nedelya Kathedrale, wo sich bis vor ein paar Jahren das Grab eines serbischen Königs befand, bevor er an die Serben „zurückgegeben“ wurde. Etwas weiter den Boulevard Knjaginja Maria Luisa runter steht das Zentralkaufhaus ZUM und direkt gegenüber eine hübsche kleine Markthalle. Von innen haben wir uns nur Letztere angesehen und sie konnte überzeugen. Wir marschierten weiter in Richtung Norden und die Geschäfte waren nicht mehr so exklusiv, kein Wunder steuerten wir doch direkt auf den Bahnhof zu. Da die Pokalspiele in Bulgarien alle auf den Sonntag terminiert (mit Ausnahme von Lok Sofia, die sollten erst am Montag spielen) waren, war der Samstag für uns erstmal spielfrei. Daher war klar, dass wir uns in Richtung Serbien orientieren mussten, um der 2. Liga in Mazedonien aus dem Weg zu gehen. Die Ansetzungen in Serbien waren auch nicht sonderlich pralle und die Zugverbindung eher suboptimal, da nur am Abend ein Nachtzug in Richtung Belgrad fuhr und Retoure ebenfalls am nächsten Abend, was zwei Nächte in einem Nachtzug bedeutet hätte. So erhielt Radnicki Nis den Zuschlag, welches keine 200 km von Sofia entfernt liegt. Die Bahn konnte uns in diesem Fall auch nicht weiterhelfen, drum trotteten wir zum daneben liegenden und sehr edlen Busbahnhof, wo man uns allerdings wieder zurück zum Eisenbahnhof schickte, weil dort die Busse in Richtung Serbien fahren würden. Die Logik erschloss sich uns nicht ganz, stimmte aber. Ein kleiner Teil der Busse fährt von dort und in den zuständigen Büros, unseres hatte die Ordnungsnummer 96 (Matpu), konnten wir uns bei der zwar einsilbigen, aber auf ihre Weise doch ganz charmanten Matrone hinter dem Tresen zwei einfache Hinfahrten für je 12 Euro am nächsten Morgen sichern. Ankunft zwei Stunden vor dem Spiel, Rückfahrt zwei Stunden nach dem Spiel – sehr gut! Damit waren die organisatorischen Dinge geregelt und wir konnten uns endlich den milden Temperaturen hingeben. Jacke aus, Pullover aus, zwei Bierchen geordert und dann haben wir uns erstmal fett in die Sonne gehauen. Da wir in den letzten Jahren zwar immer in Kontakt standen, das letzte persönliche Treffen aber schon einige Jahre (Kinders, wie die Zeit vergeht) zurücklag, hatten wir einiges nachzuholen. Während bei mir in den letzten Jahren so gut wie nix passierte, hat Lee (Nottingham Forest Supporter) alles einmal auf links gedreht (Frau, Job, Haus etc.). Einzig der Fußballclub und die Mutter hat er noch gelassen, aber das Thema hatten wir ja schon mal. So verging die Zeit schneller als uns lieb war und erst als das wärmende Element langsam unterging, beendeten wir unsere Sitzung, testen noch zwei andere Läden aus, ehe wir dem Tipp aus Dinslaken (Besten Dank dafür) folgten und ein sehr feines Restaurant in der Nähe des Bahnhofs aufsuchten. Mit dem Namen kann ich jetzt leider nicht mehr dienen, aber mit dem Bahnhof im Rücken muss man den Maria Luisa Boulevard am besten auf der rechten Seite runter laufen und dann ist es die zweite Straße rechts rein, direkt das zweite Haus. Fast nur landestypische Gerichte, nicht all zu teuer, stilvolle Einrichtung, nur die Kapelle störte mich persönlich ein wenig. Gesamtwertung: Neun von möglichen zehn Punkten! Da wir am nächsten Morgen bereits um sechs Uhr aus den Federn mussten, packten wir noch ein paar Flaschen Bier ein (persönlich hat mir Zagorka am besten geschmeckt, am weit verbreitesten ist allerdings Kamenitza) und bestiegen ein Taxi zu unserer Butze. Hier wieder das gleiche Spiel wie am Vorabend, man redet auf den Fahrer ein, gab ihm Tipps und erst als wir mühsam das Smartphone mit der Adresse fütterten war dem Kollegen klar wo es hingehen sollte. Nach zwei Bierchen auf dem heimischen Sofa war Schicht im Schacht und die zweite Nacht unter bulgarischem Himmel ging zu Ende. 

 
 
 
 
 

Aufgrund unserer großzügigen Kalkulation waren wir bereits eine Stunde vor Abfahrt unseres Busses nach Serbien am zentralen Busbahnhof und überbrückten die Zeit mit so sinnlosen Sachen wie Frühstücken und doof an der Haltestelle rumstehen. Als der Bus dann endlich um die Ecke kam, stiegen rund 20 Leutchen ein (darunter ein paar Amis) und demzufolge stand der gemütliche Fahrt mit viel Beinfreiheit nix mehr im Wege. Bis zur Grenze verlief alles recht reibungslos, doch dann brach ein unverständliches Gewusel aus und der ganze Vorgang zog sich über eine Stunde hin. Warum? Keine Ahnung! Dann ging es wieder fix weiter und nach zwei Stunden durch die teilweise hübsche Gegend erreichten wir Nis, eine ca. 200.000 Einwohner großen Stadt in Zentralserbien. Während auf der ganzen Hinfahrt fast ununterbrochen die Sonne schien, setzte pünktlich mit unserer Ankunft der Regen ein und auch die Temperaturen waren alles andere als angenehm. War aber auch nicht zu ändern. Wir wechselten ein bisschen Kohle für die Rückfahrt, die Billets beim Fußball sowie einer kleinen Reserve für den Balkan Grill. Nach dem Kauf der Rückfahrtkarte (auch umgerechnet 12 Euro pro Person) spazierten wir über den Markt und an der Stadtmauer entlang. Aufgrund unserer geplanten Flexibilität (ich weiß, Widerspruch in sich) steuerten wir Nis ohne Vorabinformationen an und so blieben uns die Sehenswürdigkeiten erspart. Denn dort soll es wirklich sehr geile Ecken geben, wir hingegen bekamen nur die hässliche Seite von Nis zu sehen. Vom zentralen Marktplatz muss man einfach ca. zwei Kilometer die Straße runter laufen, bis man auf der rechten Seite die Flutlichtmasten erkennt. Das Stadion zu finden war nicht schwer, ein Kassenhäuschen dagegen sehr. Zum einen befand sich das Teil gerade im Umbau (zweiter Fehler, wussten wir nicht) und nach zweimaliger Umrundung der Sportstätte/Baustelle vermuteten wir den Billetverkauf in der danebenliegenden Sporthalle (wo gerade wohl eine Tennisveranstaltung stattfand). Da gab es die Teile aber auch nicht, aber zumindest den Hinweis, dass der silberne Kasten in Sichtweise das Objekt der Begierde war. 100, 300 oder 600 Dinar (etwa 1, 3 oder 6 Euro) wurden für dieses Spiel aufgerufen und wir entschieden uns natürlich für die Mitte. Ist ja meistens so, wenn man keine Ahnung hat. Eine dreiviertel Stunde vor dem Anpfiff war hier so gut wie gar nix los und als wir ein paar Bars und Cafes entdeckten, steuerten wir einen von diesen recht edlen Läden an und zischten holländische Bierchen (serbische Produkte gab es leider nicht) für einen schlanken Taler weg. Danach stürzten wir uns in das spärliche Getümmel und bezogen unsere Plätze auf der halbfertigen (da kommt wohl noch ein Dach drauf) und teilweise noch im Rohbau befindlichen Gegengerade. Insgesamt taten sich ca. 1.500 Zuschauer den Kick an, die sich wie folgt verteilten: Heimkurve ca. 500, davon die Hälfte Supportaktive, ca. 500 auf der Haupttribüne, ca. 150 Leute im Gästeblock und der Rest auf unserer Gegengeraden. Dies müsste der Saisonminusrekord gewesen. Gegen die beiden „großen“ Belgrader Vereine kommen weit über 10.000 Zuschauer, wenngleich dem gastgebende FK Radnički nach etlichen Jahren in der zweiten und dritten Liga, die „großen“ Spiele gefehlt haben. FK Radnički (=Arbeiter) Niš wurde 1923 gegründet und erreichte 1982 das Halbfinale des UEFA-Pokals, wo man allerdings nach einem knappen Hinspielerfolg gegen den Hamburger SV im Rückspiel mit 1:5 unterging. Im Sommer schaffte der Klub den Aufstieg in die belle Etage des serbischen Oberhauses und die führende (und einzige?) Ultragruppe ist wohl Meraklije, die auch eine ganz hübsche und vielleicht auch informative (wenn man die Sprache beherrscht) Webseite haben. Im Gästeblock fiel vor allen Dingen die UF 87 (United Force) Fahne auf. Die Gruppe soll eher antilinks sein und befindet sich wohl ständig im Clinch mit der Vereinsführung. Aber nix genaues weiß man. Das Spiel begann und auf den Rängen herrschte Totenstille. Erst dachten wir, wir sind hier im falschen Film, denn auf beiden Seiten schwiegen die Leute. Erst nach rund 15 Minuten begann der Support. Auf der Heimseite machten ca. 200 Leute durchgängig mit. Die Lieder bzw. das Lied wurde laut vorgetragen, allerdings wirkte dies auf die Dauer doch recht eintönig. Ein paar Fackeln wurden auch gezündet, anschließend von der Feuerwehr entsorgt und ein Vereinsoffizieller ermahnte die Jungs verzweifelt. Die Gästekurve hingegen stand geschlossen zusammen und war auch einige Mal gut zu hören. Auch hier wurde im zweiten Abschnitt etwas gezündelt. Zu Beginn der zweiten Hälfte brüllten beide Gruppen einen gemeinsamen Schlachtruf, allerdings habe ich keine Ahnung was dies zu bedeuten hatte. Das Treiben in den Kurven war ganz gefällig und obwohl wir hier wohl einen absoluten Graupenkick beiwohnten, war das eigentlich ganz ok. Dass sich die Blicke eher auf die Ränge als auf das Spielfeld richteten, war übrigens eher den schauderhaften Darbietungen auf dem Rasen zuzuschreiben. Puh, das war schon ganz harte Kost und so wunderten wir uns auch nicht, dass die serbischen Klubs auf europäischer Ebene seit Jahren nix mehr auf die Kette kriegen. Dubiose Funktionäre, Wettskandale, Nationalismus und vor allen Dingen das Abwandern der Talente ins Ausland sind einer gesunden Entwicklung eben hinderlich. Dabei war Serbien bzw. Jugoslawien mal eine echte Fußballgroßmacht und nach dem Zerfall in die ganzen Teilrepubliken war dann Schluss mit lustig. Im Mai 1990 explodierte die Gewalt vom blinden Nationalismus geprägt beim Spiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern. Zwar konnte Letzter ein Jahr später den Europapokal der Landesmeister in Bari gegen Olympique Marseille gewinnen (und wurde ein paar Monate später in Tokio Weltpokalsieger gegen Colo-Colo), aber nach 12 Monaten kehrten alle Spieler, die noch in Bari auf dem Platz standen, Jugoslawien den Rücken. Einzig die Nationalmannschaft schafft es noch, auf internationalem Parkett mitzuhalten. Aber zurück zum Spiel – die Gastgeber hatten mehr vom Spiel und hielten lange die knappe Führung, ehe Rad kurz vor Schluss der Ausgleich gelang. Das Spiel und das ganze Drumherum war sicherlich kein Höhepunkt, aber aufgrund der ganzen Kurvengeschehnisse auch nicht schlecht. Das optische Highlight war die alte verranzte Haupttribüne im Gradski Stadion Čair, die aber wohl auch bald der Abrissbirne zum Opfer fallen wird, da das Stadion komplett in eine Arena verwandelt wird. Uns blieben jetzt noch zwei Stunden bis zur Abfahrt unseres Busses zurück nach Sofia und wenn man schon auf dem Balkan ist, geht man logischerweise in einen Balkan Grill. Wir wählten einen Schuppen namens „Balkan-Grill“ an dem zentralen Platz mit dem Denkmal von 1918. Ich mache es kurz, selten so eine schimmelige Bude erlebte und der Fraß war ungenießbar, völliger Griff ins Klo. Die letzten serbischen Dinar tauschten wir am Busbahnhof in Jelen Pivo, ein sehr wohlschmeckendes, nationales Bier. Mit dem gleichen Bus und Busfahrer wie hinwärts ging es dann zurück nach Sofia, allerdings in nur drei Stunden, da an der Grenze alle direkt aussteigen durften, kurz die Pässe den Grenzbeamten unter die Nase gehalten wurde und dann mahnte der Kutscher auch schon zur Eile. In Sofia am Busbahnhof angekommen, steuerten wir das nur wenige hundert Meter entfernte Restaurant von gestern an. Speis und Trank war wieder ganz hervorragend und das Publikum diesmal größtenteils sehr international. Ein paar Typen vom Nebentisch lösten das Rätsel: In dem großen Hotel neben unseren Wirtshaus fand gerade die Amateur Snooker Weltmeisterschaft statt. Schade, hätten wir uns an unserem spielfreien Freitag durchaus gegeben. Gewonnen hat das Turnier übrigens der Pakistani Muhammad Asif gegen den Engländer (10:8) Gary Wilson. Nach dem Essen schlenderten wir noch ein bisschen durch die Gassen und testeten zwei Bars/Clus in der Nähe der Alexander Nevski Kathedrale an und befanden diese für durchaus chillig.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                          1.672 km (1.352 km Flug Berlin - Wien - Sofia 320 km Bus Sofia - Nis - Sofia)

Saisonkilometer:                     29.410 km: (9.456 km Flug, 15.104 km Bahn, 4.530 km KFZ, 330 km Bus)

zum Vergleich 10/11:           62.330 km: (24.867 km Flug, 21.630 km Bahn, 15.603 km KFZ, 220 km Bus)

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