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Bulgaria Cup, Saison 2012/2013, 02.12.2012

 

P. F. K. Slavia Sofia – F. K. Botev Plovdiv

3:0

Sofia, Stadion Slavija (Ovha Kupel) (ca. 1.500 Zuschauer )

Am Sonntag stand erstmal Auspennen auf dem Programm, da unser erster Kick erst um 13 Uhr angepfiffen werden sollte. Da zudem das Slavija Stadion in Fußmarschweite lag, warfen wir noch ein köstliches Frühstück in einem französischen (!) Cafe auf der Strecke ein. Und als wir gerade die Backen mit Croissants voll hatten, sinnierten wir über die Frage wie viele Gästefans heute wohl kommen würden. Der Kollege aus Rheda-Wiedenbrück war vor ein  paar Jahren bei exakt der gleichen Ansetzung und damals wohnten 1.500 Zuschauer, davon 30 Gäste, dem Spiel bei. Ergo tippte ich aufgrund des schlechten Wetters und der Pokalansetzung auf 300 Zuschauer und null Gästefans. Kaum hatte ich die Vorhersage ausgesprochen, fuhr eine Bullenwanne gefolgt von sechs, sieben Bussen aus Plovdiv an uns vorbei. Um das schon mal vorweg zu nehmen – am Ende waren rund 1.500 Zuschauer im Stadion, davon fast 1.000 Gäste. Das Stadion von Slavia liegt südwestlich der Innenstadt und verfügt über eine wirklich imposante Haupttribüne, wo sich auf zwei Ränge verteilt, schwarze und weiße Sitzschalen befinden. Auch der unüberdachte Rest kann sich sehen lassen, wenngleich die Kurven bis auf den Abschnitt für die Gäste aufgrund von Gammel dauerhaft gesperrt sein dürften. 10 Einheiten bulgarischen Geldes (etwa fünf Euro) durften wir an der Kasse entrichten, ehe wir die letzten Stufen zur Haupttribüne erklommen. Schöner Ground und bei Sonnenschein würde dieser noch besser wirken. Slavia Sofia ist der älteste Verein Bulgariens und wurde 1913 unter dem Namen Botev gegründet und zwei Jahre später in Slavia (bzw. Slawija oder Slawija) umbenannt. Der bürgerliche Klub ist im Stadtteil Ovha Kupel beheimatet und war bis zum Ende des zweiten Weltkrieges der erfolgreichste Verein (sechsmal Landesmeister) des Landes. Da Bulgarien sich ab 1945 sehr eng mit der Sowjetunion verband, wurden zwar viele Stadien gebaut, aber auch viele Traditionsvereine umbenannt und unter die Obhut irgendwelcher Trägerbetriebe gestellt, wie z. B. Slavia der Baugewerkschaft. Den Namen Slavia gab es lange nicht und als Höhepunkt wurde der Klub mit Lokomotive Sofia zwangsvereint.  Erst nach 1990 bekam der Verein seine wahre Identität zurück und 1996 holte er überraschend seinen siebten Meistertitel. Etwa zwei Dutzend Ultras unterstützen den Verein mit Hingabe, wenngleich der Support unter der ständigen Pöbelei in Richtung Gästeblock leidet. Eine eindeutig politische Positionierung ist nicht zu finden, dafür ziert eine Zaunfahne das Banner von Young Boys Bern. Als uns ein Bulgare in einem sehr guten Englisch ansprach, interessierte ihn zwar mehr Details um das Ligaspiel zwischen den MK Dons und Wimbledon, aber zumindest konnten wir noch die Frage nach dem Hintergrund dieser „Fanfreundschaft“ platzieren. Der Kapo lebte (oder lebt) in Bern und war dort auch sehr aktiv. Im Gästeblock war die auffälligste Zaunfahne die der Aufschrift „Bultra“ (mit einer 12 in der Mitte), wobei dies wohl der Name ist unter dem sich die einzelnen Gruppen (z. B. Rebel North, Izgrev Boys)  sammeln. Die Gruppen sollen auch nicht für Gewaltverzicht bekannt sein und gerade wenn es gegen Levski geht, entzündet sich schnell der Funke. Die 12 steht im Übrigen für das Gründungsjahr des Vereins und dieser nimmt auch für sich in Anspruch der älteste Verein Bulgariens zu sein. Die Quellen widersprechen sich irgendwie. Ganz interessant ist noch die Geschichte mit dem Vereinslogo, da dieses dem von Rapid Wien sehr ähnlich sieht. Und siehe da, selbst Wikipedia kann dazu einige Informationen liefern: „…die Vereinsstruktur komplett von den damals populären österreichischen Vereinen übernommen wurde und die Farben für die Flagge Österreich-Ungarns (ebenfalls gelb-schwarz) stehen. Das erste Vereinslogo war eine Kopie des Wappens des österreichischen Klubs SK Rapid Wien.“ Die Gelb-Schwarzen (bzw. Unblauen) legten mit einem ganz ordentlichen Support los, aber mit zunehmender Spieldauer waren immer weniger Leutchen motiviert, das eigene Team in die nächste Pokalrunde zu supporten (wenngleich der bulgarische Pokalwettbewerb aus Hin- und Rückspiel besteht). Slavia dominierte die Partie, war auch deutlich kampfbereiter und führte bereits zur Pause mit 2:0. Danach hätte sich das Blatt noch wenden können, als ein Slavia-Spieler nach einem Foul in der gegnerischen Hälfte vom Platz gestellt wurde. Ein selten dämliches Foul und obendrein wurde der Dummkopf von den „Massen“ noch gefeiert. Aber als der sehenswerte Treffer zum 3:0 fiel war das Ding hier auch gegessen. Viel Zeit zum Feiern blieb nicht, denn wir hatten genau 50 Minuten Zeit um einmal quer die Stadt zum nächsten Spiel zu kommen…

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                         

Saisonkilometer:                     29.410 km: (9.456 km Flug, 15.104 km Bahn, 4.530 km KFZ, 330 km Bus)

zum Vergleich 10/11:           62.330 km: (24.867 km Flug, 21.630 km Bahn, 15.603 km KFZ, 220 km Bus)

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