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Bulgaria Cup, Saison 2012/2013, 02.12.2012

 

P. F. K. Levski Sofia - P. F. K. Cherno More Varna

4:0

Sofia, Stadion Georgi Asparoukhov (ca. 3.000 Zuschauer)

…was unter zu Hilfenahme von 12 Lew (6 Euro) für ein Taxi gelang. Das Stadion Georgi Asparoukhov liegt nordöstlich (etwa in Richtung Flughafen) und ist benannt nach einen ehemaligen Levski Spieler der 1971 bei einem Autounfall ums Lebens kam und an dessen Beerdigung eine halbe Million Menschen teilnahmen. Levski war bzw. ist der Klub des Volkes, gleiches gilt eigentlich auch für CSKA, allerdings sollte dieser Klub den Massen aufgezwängt worden. Den „Roten“ wurden die jungen und talentierten Spieler zugeführt und so war der Klub zwischen 1948 bis 1990 fast immer Meister. Noch heute ist CSKA der wohl beliebteste Klub in Bulgarien, in Sofia ist Levski die unangefochtene Nummer Eins. Benannt ist er nach dem Freiheitskämpfer Vasil Levski (genau wie das Nationalstadion) und wurde im Jahre 1914 gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Verein dem Innenministerium unterstellt und schimpfte sich Dinamo, ehe er später über den Umweg Levski-Spartak (Fusion) wieder zu seinem ursprünglichen Namen zurückfand. Während des Pokalfinals 1985 gab es zwischen den Spielern von CSKA und Levski handfeste Auseinandersetzungen, worauf etliche Spieler gesperrt wurden, und in einer ersten überstürzten Reaktion  beide Vereine verboten wurden. Letztlich änderten sich nur die Namen, die Roten durften unter dem Namen Sredec (alter Name von Sofia) und die Blauen als Vitosha (Gebirge um Sofia rum) weitermachen. 1990 kehrten dann beide Klubs zu ihren ursprünglichen Namen zurück, wobei gemessen an den Meistertiteln Levski nun die sportliche Nr. 1 in Bulgarien ist. Später wurde der Klub von einem Griechen gekauft und 1993 durfte sich auch ein Schalker kurzzeitig sich als Trainer verdingen. Rüdiger Abramczik, allerdings nur für ein paar Spiele in der Saison 2001/2002. Trotz ansehnlicher Erfolge wurde der Abi nach kurzer Zeit entlassen. In dieser Spielzeit saßen fünf verschiedene Trainer auf der Bank und am Ende der Saison wurde Levski Meister. Neben dem Kassenhäuschen (eher Kassenbunker) hingen steckbriefähnliche Bilder junger Menschen. Keine Ahnung was dies zu bedeuten hatte, wir vermuteten, dass dies Stadionverbotler waren. Die Eintrittspreise waren noch niedriger als bei Slavia und wir wählten die überdachte Gegengerade, da der Regen wieder heftiger wurde. Am Eingang gab es ein paar Probleme aufgrund der wuchtigen Kamera von Lee, die wohl den ganzen Bullen zu professionell erschien. Der einfache Ordner fragte den Ordner mit einem Stern auf der Schulter um Rat, der funkte wild um sich, bis der Ordner mit drei Sternen und ein paar Bullen im Schlepptau das Teil genauer unter die Lupe nahm. Am Ende brachte die Nummer mit dem englischen Tourist den nötigen Erfolg und so ging es rein in gute Stube. Diese war zwar spärlich gefüllt, aber das Stadion ist schon ein Augenschmaus. Etwa 45.000 Plätze, bis auf den Gästeblock alle mit gelben und blauen Schalensitze ausgestattet, gibt es hier. Eine überdachte Seite, auf der anderen Seite dürfen nur die VIP’s und die Verbrecher von der Presse überdacht und hinter Glas sitzen. Nimmt man das Teil genauer die Lupe, erkennt man an allen Ecken und Enden Gammel. Der Gast aus Varna wurde von exakt sieben Fans unterstützt. Zumindest mental, da die Jungs nicht ein einziges Mal so was Ähnliches wie Support fabrizierten.  P. F. K. Cherno More (steht für Schwarzmeer) Varna ist auch einer der vielen ältesten Vereine Bulgariens und durfte sich vor ein paar Jahren mit dem VfB Stuttgart im UEFA-Pokal messen. Das Hinspiel wurde damals im Nationalstadion ausgetragen vor gerade einmal 2.000 Zuschauern, davon 100 Gästen. Aber dies nur am Rande. Die Heimkurve füllte sich bis Mitte der ersten Halbzeit ganz ordentlich und von Anfang an gab es einen durchgängigen und teilweise auch ganz lauten Support. In der zweiten Halbzeit wurden einige Fackeln gezündet und noch ein Banner in Richtung CSKA hochgehalten. So einseitig wie der Support war auch das Spiel – Levski dominierte die Partie und gewann am Ende verdient mit 4:0. Die ersten beiden Tore erzielte ein Holländer namens Mulder, der wohl eigentlich beim FC Everton unter Vertrag steht und aktuell nach Levski ausgeliehen ist. Die Treffer drei und vier (Elfemter) erzielte ein Portugiese namens João Silva, der im Sommer ebenfalls von Everton zu Levski wechselte. Das Highlight des Spiels war aber das Foul welches zum Elfmeter führte. Ein Gästespieler foulte im eigenen Strafraum seinen Gegner und als der Schiedsrichter in den 16er rannte um auf den Punkt zu zeigen, stand der Foulende auf und checkte den Referee zu Boden (bewegte Bilder dazu hier). Als Konsequenz gab es die rote Karte, sechs Spiele Sperre und 1.300 Euro Geldstrafe. Nach dem Abpfiff waren wir ordentlich durchgefroren und außerdem hatten wir mittlerweile ordentlich Hüngerchen. Was fehlte war natürlich der obligatorische Abstecher in der „Szene“bekannten Absteige mit dem klangvollen Happy Bar & Grill. Die Experten sprechen auch von Systemgastronomie und ich habe mir den Laden schimmeliger vorgestellt. War aber sehr sauber und für meinen Geschmack zu edel, aber die Bedienungen mit ihren adretten Uniformen war schnell und höflich. Die Auswahl war sehr vielfältig, dass Essen hat geschmeckt und das Bier war gut gekühlt. Aber wenn ich noch einmal nach Sofia kommen sollte, werde ich wohl wieder in das zuvor besuchte Restaurant gehen. Da Lee seinen Rückflug am sehr frühen nächsten Morgen antreten durfte, ging es für uns recht zeitig zurück in die gute Stube. Um kurz nach Mitternacht verabschiedeten wir uns erst persönlich und dann in die Nacht. Als ich am nächsten Morgen von der Sonne wach gekitzelt wurde, war der Tommie schon wieder auf seiner Insel und für mich gab es auch keinen guten Grund mehr in der Butze unnütz Zeit zu vertrödeln. Mit gepacktem Rucksack sollte zunächst die eigentlich in der Nähe befindliche Boyana Kirche besichtigt werden. In der Nähe war natürlich relativ, da die Kirche sich irgendwo in den Bergen befand und das ein ganz schöner Aufstieg war. Gefunden habe ich sie auch nicht gleich, erst die Männer von der Sofiaer Stadtreinigung konnten mir den Weg weisen. Zu allem Überfluss hatte das Teil an diesem Montagvormittag auch noch geschlossen und daher war die ganze Mühe für die Katz. Bergab ging es schneller und das kulturelle Highlight habe ich mir dann bis (fast) zum Schluss aufgehoben – die Alexander-Newski-Kathedrale, die zwar nicht sonderlich alt, dafür aber von außen und innen sehr beeindruckend ist. Diese wurde zu Ehren Alexander II. errichtet, der einst (1878) die Bulgaren von den Osmanen befreite. Ein halbes Jahrtausend war Bulgarien und damit auch Sofia osmanisch und es etwa ein Zehntel der Bevölkerung (meist sogenannte Bulgarien-Türken) sind heute muslimisch, der Rest sind orthodoxe Christen. Diese prachtvolle Kirche kann man ohne Eintritt auch von innen besichtigen und auffällig waren die wenigen Besucher. Lohnt aber in jedem Fall. Nach diesem Abstecher sollte es eigentlich noch per Pedes weiter gehen, aber nachdem der Sonnenschein recht schnell von einem eisigen Regen abgelöst wurde, ging es erstmal in ein Cafe und anschließend wieder in Richtung Stadion Georgi Asparoukhov. Gegen 14 Uhr sollte nämlich noch das Pokalspiel Lokomotiv Sofia gegen Chernomorets Burgas angepfiffen werden. Die Verbandsseite meldete das Stadion von Levski als Spielort, drei andere Quellen hingegen das Slavia-Stadion, wo sie eigentlich immer spielen. Letzteres hätte für mich keinen Sinn gemacht bzw. nur eine Halbzeit bedeutet, dass Stadion Georgi Asparoukhov hingegen schon, weil der Flughafen in nur rund 15 Minuten mit dem Taxi entfernt lag. Gespielt wurde hier aber nicht und warum Lok nicht in ihrem ansehnlichen Ground kicken darf, ist mir noch ein Rätsel. Viel schlimmer als das Stadion von Slavia sieht es auf den Bildern nicht aus. Egal, Taxi – Flughafen – Terminal 2 – wo es außer einem Kaffeeautomaten für die gut 2 ½ Stunden bis zum Abflug nix gab. Terminal 1 war zu weit weg und durch Zufall entdeckte ich ein Gebäude, wo am Eingang die drei magischen Buchstaben V I P prangten. Also reinspaziert und hinter dem Tresen saßen drei uniformierte und attraktive Grazien, die meine Frage nach einer Tasse Kaffee mit einem Fragezeichen auf der Stirn und einem Handzeichen in übergroßes Wohnzimmer beantworteten. Das Bier gab es für zwei Lew am Tresen zu ersteigern und da ich noch genau 10 Einheiten davon hatte, ging die Rechnung voll auf. Der ganze Raum stand mir exklusiv zur Verfügung und auch das Wegrücken des ca. zwei Tonnen schweren Sofas um an die dahinterliegende Steckdose zu kommen, störte niemand weil von niemandem gesehen. Außerdem reichte mir die Fee hinter dem Tresen ständig Nüsschen, Chips oder sonstiges ungesundes Zeug und damit war das Problem der Nahrungsaufnahme auch gelöst. Kurz gesagt, absoluter Volltreffer dieser VIP-Club. Als dann die Uhr zum Aufbruch mahnte, kam die Chefin auf einmal reingeschneit und fragte mich, mit welchem VIP-Flug ist denn fliegen würde. WIZZ-Air Paris war meine Antwort, worauf sie ziemlich ungehalten wurde und mich aus dem Laden schmiss. Draußen hatte sich der Regen in Schnee verwandelt und daher fix die Sicherheitskontrolle genommen und die restlichen 30 Minuten aus dem Wartebereich die Wetterkapriolen verfolgt. Als das Boarding begann und sich die Massen in Richtung der Busse bewegten lag schon eine ordentliche Schneedecke auf der Piste. Nach einer weiteren halbe Stunde im Bus hieß es plötzlich, alle wieder raus. Mit einem ganz netten Bulgaren der auf Malta arbeitet, vertrieb ich mir die Zeit mit der Suche nach einem Örtchen, wo man ungestört ein Kippchen rauchen konnte. Fanden wir bzw. wir funktionierten das Damenklo zur Raucherzone um. Schlecht für die Damen, aber gut für uns. Nach zwei Stunden musste man übrigens ne Marke ziehen um in den von Nikotin geschwängerten Bereich zu gelangen. Um es kurz zu machen, mit dreieinhalb Stunden Verspätung ging es dann doch los und mit vier Stunden Verzögerung landeten wir natürlich nicht in Paris, sondern in Beauvis, einem Flughafen für Billigflieger etwa 100 km nördlich der Hauptstadt. Ich habe mich schon auf eine Nacht am Flughafen eingestellt, da Züge und Busse nicht mehr fahren sollten. Ein Bus fuhr dann aber doch noch (15 EURO) und so erreichte ivh Paris um kurz vor Eins. Die letzte Metro fuhr mir noch vor der Nase weg, aber die drei anderen Berliner Jungs wiesen mir den richtigen Weg mit dem Nachtbus zum Hotel.  Eigentlich war geplant, dass wir alle zeitgleich in Paris ankommen und noch lecker ein Entrecout mit einem Liter Rotwein runterspülen. Aber der Premi legte noch zwei Dosen für mich zurück und nach kurzer Berichterstattung hieß es Licht aus, Augen zu.

 
 
 
 
 
 
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Tageskilometer:                         2.635 km von Sofia nach Montpellier (2.550 km Flug, 750 km Bahn und 85 km Bus)

Saisonkilometer:                     32.045 km: (11.256 km Flug, 15.854 km Bahn, 4.530 km KFZ, 405 km Bus)

zum Vergleich 10/11:           62.330 km: (24.867 km Flug, 21.630 km Bahn, 15.603 km KFZ, 220 km Bus)

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