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Superligaen, Saison 2012/2013, 20.05.2013

 

FC Kobenhaven - Sonderjysk Elitesport

1:1

Kopenhagen, Parken (ca. 38.000 Zuschauer, nicht ausverkauft)

Geschichten mit „Eigentlich“ anzufangen, zeigt im Grunde, dass man entweder zu blöde ist irgendwas zu planen oder man zu blöde war sich an die Pläne zu halten. Als guter Gastgeber stellte ich den Besuchern für die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges frei: Gemütlich einen Trinken gehen und dann langsam am frühen Morgen zum Hauptbahnhof gleiten, um dort den Zug in Richtung Skandinavien zu besteigen. Oder sich noch ein paar Stündchen aufs Ohr hauen. Geplant war Letzteres, umgesetzt wurde Erstes. Irgendwo in den Tiefen Berlins standen wir um kurz nach drei Uhr in der Nacht rum und mussten uns aufteilen. Kirsche und Ossi sollten sich alleine in Richtung Hauptbahnhof durchschlagen, dort ihre Rücksäcke auslösen, um dort dann den Zug zu besteigen. Ich schnappte mir den Pfundskerl Premi, ballerte mit dem Taxi nach Hause, packte meinen Rucksack und….dann pennten wir fatalerweise kurz ein. Premi auf dem Sofa, ich im Sitzen am Schreibtisch. Um kurz vor knapp musste dann wieder ein Taxi herhalten und mit dem letzten Hechtsprung konnte der Zug in Richtung Norden noch erreicht werden. Am Ende waren die beiden Taxifahrten teuer als das Zugticket nach Malmö (36 Euro). Nach kurzer Verschnaufpause machte mich der obligatorische Blick aufs Handy stutzig. Ca. 500 Anrufe in Abwesenheit! Nach Rückruf war klar, die beiden Nasen irrten immer noch am Hauptbahnhof rum. Nachlösen war die Lösung und neuer Treffpunkt war dann am Abend Malmö Central. Aber wenigstens saß dann der Buchungskünstler Nils (gebuchte Strecke Freiburg – Berlin (mit 14 Stunden Aufenthalt) – Malmö für unwesentlich mehr Kohle als unsere Tickets) im Zug und gemeinsam dösten wir den ersten Umsteigebahnhof in Bad Kleinen entgegen. In Bad Kleinen, wo 1993 Wolfgang Grams ermordet wurde, wollten wir nach Lübeck umsteigen und befolgten den Gleiswechsel (von 1 nach 4), wo aber bis auf ein paar Reisende nix auf eine pünktliche Weiterfahrt hinwies. Ergo checkten wir kurz den Fahrplanaushang und auch hier wurde uns angezeigt, dass wir richtig waren. Als dann auf Gleis 2 ein Zug in Richtung Lübeck davon tuckerte, verriet uns eine Reinigungskraft, dass am Wochenende (und an Feiertagen) der Zug immer von Gleis 2 abfahren würde und dass die Bahn seit Jahren es nicht geschafft hat, die Fahrpläne zu ändern. Tolle Wurst! Das hieß nicht nur eine Stunde weiter in Bad Kleinen rumlungern, sondern damit konnte ich mir auch gleich den 2.Liga-Kick bei AB København von der Backe putzen. Doofe Bahn. Nach einer Stunde ging es dann per Bummelzug weiter, dort durften wir dann noch eine Stunde rum asseln und uns nebenbei noch die Zugbindung aufheben lassen. Um kurz nach zehn Uhr rollte dann der Diesel-ICE mit den zwei Versprengten der Nacht ein. Die direkte Fahrt nach Kopenhagen wurde dann noch mal in Puttgarden unterbrochen, als der ICE im Bauch des Fährschiffes verschwand. Für die Dauer der Überfahrt (45 Minuten) mussten wir den Zug verlassen, nutzen diese Zeit zum Sonnenbaden auf Deck und mit Einkaufen im zollfreien Shop, um die hohen Bierpreise für die nächsten zwei Tage und Nächte zu umgehen. Um kurz nach zwei Uhr erreichten wir dann schließlich Kopenhagen, wo drei Mann in Richtung Malmö bzw. Helsingborg umstiegen. Ich blieb in Kopenhagen und verplemperte meine Zeit mit den Schließfächern, deren Handhabe noch komplizierter war als die Bailey-Borwein-Plouffe-Formel. Aber irgendwann überlistete ich den Automaten und nachdem Büchsenbier und der Rucksack verstaut waren, ging es per pedes in Richtung Parken. Ein gutes Stündchen bei gemütlicher Gangart inklusive ein paar kurzen Päuschen dauerte der Marsch, war aber dank der Sonne und der teilweise ganz hübschen Baracken genau die richtige Wahl. Das Parken war kaum zu übersehen, zudem wiesen die zahlreichen gut gelaunten Anhänger den Weg. Ein mögliches Ticketproblem umging ich mit der Buchung einer scheiß Druckzuhause-Eintrittskarte. Vor Ort hätte es allerdings noch ausreichend Billets gegeben. Um 17 Uhr sollte der Anpfiff erfolgen, allerdings durfte man erst rund 50 Minuten vorher ins Stadion. Am Fanhaus wurden auch gleich ein paar teutonische Prachtexemplare gesichtet: CFHH, die bekanntlich mit der Urban Crew freundschaftlich verbunden sind und  mit ca. 50 Mann an den Meisterfeierlichkeiten teilnahmen. Als dann endlich die Ordner den Weg frei gaben, ließen sich die Dänen trotzdem noch massig Zeit das Stadion zu betreten. Die Bude ist zwar erst zwanzig Jahre alt und daher eher ein Neubau, aber dadurch dass alle Seiten über eine unterschiedliche Bauweise verfügen, ist sie halt auch kein 08/15-Bau. Mein Platz lag auf der linken Seite der Gegengerade, also ziemlich nah an der Heimkurve. Letzter Spieltag in Dänemarks Topliga und der FCK steht schon seit einigen Runden als Meister fest. Der zehnte Meistertitel seit der Vereinsgründung im Jahre 1992. In fast allen Quellen die zum FCK zu finden sind, wird kolportiert, das der Verein aus der Fusion vom Boldklub (immerhin schon 1876 gegründet) und B1903 entstand. Beide Vereine existieren aber noch und B1903 nimmt auch noch am Ligabetrieb teil (KB hingegen „nur“ noch mit Jugendmannschaften). Vielmehr legten beide Vereine ihre Kampfmannschaften unter einem neuen Dach zusammen. Im Prinzip brachte B1903 die Spieler und den Platz in der ersten Liga ein, während vom KB die Fans und die Sponsoren kamen. Die Vereinsfarben sind ebenfalls von KB und das Wappen ist nur deshalb ein Löwe, weil dieses Tier kein anderer Verein im Logo führt. Durch diese Bündelung fand das frisch gebaute Parken Stadion auch einen Dauermieter und mittlerweile ist der FCK die Nr. 1 in Dänemark, vor dem ungeliebten Bröndby IF, der aktuell unter finanziellen Schwierigkeiten leidet und sich erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sicherte. Eine sportliche Brisanz war somit nicht mehr gegeben und man konnte sich ganz den Feierlichkeiten hingeben. Im kompletten Unterrang der Haupttribüne wurden pünktlich zum Einlauf der Mannschaften zwei Choreos präsentiert: Die erste war für (und von) der Urban Crew (2003) und die zweite sah fast identisch aus, hatte aber den dänischen Meistertitel zum Inhalt. Beide Präsentationen waren äußerst gelungen. Das Spiel wurde eher als Randnotiz wahrgenommen. Viele Zuschauer waren mit Bier hin- und herschleppen beschäftigt oder hatten anderweitig Spaß. Beim Einlass habe ich mir noch gedacht, dass etliche Zuschauer direkt vom Strand oder aus dem Schwimmbad zum Stadion kamen. Jeder Zweite hatte irgendwelche aufblasbaren Teile wie Flugzeuge, Krokodile, Sessel etc. unter dem Arm. Später wurden diese dann wild durch den Block gefeuert. Welchen Sinn das nun hatte, keine Ahnung! War auf jeden Fall lustig, auch wenn man ständig irgendwas vor die Omme bekam. Als dann endlich die 90 Minuten vorüber waren, ging die Meisterfeier los. So richtig euphorisch war das nicht, alles sah sehr geplant aus, selbst als die Fackeln im Heimblock gezündet wurden. Aber nach der zehnten Meisterschaft hat der FCK wahrscheinlich schon etwas Routine bei derlei Abläufen. Aber schön bei einer Meisterfeier auch mal dabei gewesen zu sein, erlebe ich mit dem eigenen Verein zu wohl Lebzeiten nicht mehr. Nach einer Viertelstunde wurde es dann aber langweilig, drum fix den Bus bestiegen und zurück zum Bahnhof gefahren. Dort aus dem Schließfach den Rucksack und das Büchsenbier ausgelöst und schon ging die Reise weiter….

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             610 km (585 km Bahn, 25 km Schiff) von Berlin nach Kopenhagen

Saisonkilometer:                     46.574 km: (17.150 km Flug, 18.886 km Bahn, 10.023 km KFZ, 490 km Bus, 25 km Schiff)

zum Vergleich 10/11:           62.330 km: (24.867 km Flug, 21.630 km Bahn, 15.603 km KFZ, 220 km Bus)

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