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Landesliga Bayern Südost, Saison 13/14, 23.07.2013

 

TSV Eching - VfB Hallbergmoos-Goldach

2:1

Eching, Willi-Wildhopf-Stadion (420 Zuschauer)

Man macht sich ja schlau, wenn es irgendwo hingeht, so auch im Fall der Gemeinde Eching im Landkreis Freising. Außer dem Wikidingeseintrag, lohnt ein Blick auf die Homepage der Kommune. Neben den warmen Begrüßungsworten des Bürgermeisters findet man dort viele spannende Auskünfte. So kann die Gemeinde auf rund 4.000 Jahre nahezu kontinuierliche Besiedlung zurückblicken, wobei bei der persönlichen Überprüfung dieser Information anzumerken ist, dass somit in Eching jedes Jahr 3,3 neue Einwohner bzw. alle 110 Tage ein neuer Einwohner (evtl. auch Einwohnerin) dazu kommt. Diese Entwicklung sollte man aufmerksam beobachten, da in 416.000 Jahren Eching mehr Einwohner als München haben wird. Also, an die Immobilienspekulanten unter der werten Leserschaft: Jetzt investieren und in gut einer halben Million Jahren die Ernte einfahren, wenn Eching die Landeshauptstadt von Bayern wird. Erwähnenswert noch, dass es in Eching seit mehr als hundert Jahren Strom und Telefon gibt und dass durch den Bau der Autobahn (ab 1936, wann auch sonst) die Bevölkerungsstruktur Echings durch die zuwandernden Arbeiter sich stark verändert hat. Eching hat somit tiefe proletarische Wurzeln und dennoch stellt die CSU den Bürgermeister. Da ist noch viel zu tun. An das Verkehrsnetz ist Eching übrigens auch angeschlossen. Mit der S-Bahn von München in Richtung Freising kommt man unweigerlich dort vorbei. In meinem Fall sogar schon am Mittag, was meine Wirtin in arge Nöte brachte. Eine halbe Stunde vor meinem Eintreffen klingelte ich noch mal durch und eine halbe Stunde später trafen wir uns vor ihrer Pension. 25 Euro inklusive Frühstück wurde für das Zimmer aufgerufen und wird in der Regel von süd- und osteuropäischen Wanderarbeitern gerne gebucht. Das Preis- und Leistungsverhältnis stimmte und der Clou war nicht der nicht vorhandene Fernseher, sondern der Getränkeautomat im Gang. Fünf Fächer: Fach 1 – helles Bier, Fach 2 – helles Bier, Fach 3 – helles Bier, Fach 4 – helles Bier und Fach 5 – Spezi, übrigens ausverkauft. Fach 1 und 2 wurde direkt mal ausprobiert und für je 1,50 EUR gab es einen halben Liter Augustiner Edelstoff. Nach Verköstigung bin ich dann weg geschlummert und als ich die königsblauen Äugelein öffnete war es schon Nachmittag. Das Vorhaben die im Nachbarraum untergebrachte Dusche zu nutzen wurde fix in die Tat umgesetzt. Leider zu fix, da als die Tür meines Zimmer in das Schloss fiel, fielen mir auch die Worte der Wirtin ein, die da waren, dass ich auf meinen Schlüssel aufpassen solle, denn sie hat nur den einen. Schlüssel im Zimmer, Mobiltelefon im Zimmer und viel schlimmer – auch jedes Kleidungsstück. Nur mit einem etwas zu kleinen Handtuch bewaffnet ging es dann auf die Suche, leider erfolglos. Alles verfügbaren Türen abgekloppt und beim letzten Versuch öffnete mir eine Dame, übrigens auch nur mit einem Handtuch bekleidet, allerdings wesentlich größer als meins, die Tür. Die sprach nur ausländisch, ich nur inländisch und jetzt erklär der Tante mal den Sachverhalt. Nach zwanzig Minuten konnte ich mit einer Hand (die andere brauchte ich für das Halten meines Handtuches) endlich klar machen, dass sie die Wirtin anrufen solle, was sie auch tat. Erst jetzt stellte sich heraus, dass die Gute Italienerin war und von da an ging das mit der Kommunikation auch ein wenig besser. Die Wirtin kam dann, allerdings erst nach einer halben Stunde, weil sie den Zweitschlüssel irgendwo noch abholen musste und dann war ich endlich befreit aus meiner misslichen Lage. Nach dem Anziehen und einer weiteren Investitionen in Höhe von 1,50 Euro ging es dann ins ca. zwei Kilometer entfernte Willi-Wildhopf-Stadion. Zweieinhalb Stunden vor Anpfiff war die Kasse zu meinem Entsetzten schon besetzt und nach Bezahlung der sechs Euro war ich zu Gast beim Sagewirt in der Sportgaststätte. Die kilometerlange Speisekarte machte die Auswahl schwer und nach einigem Hin- und Her fiel die Wahl zugunsten des bayrischen Wurstsalates aus. Geschmacklich top, preislich fair – als Anti-Veganer hat man es leicht in Bayern. Der TSV Eching, gegründet 1947, verfügt auch über ein ganz nettes Stadion, welches neben der besagten Stadiongaststätte auch über eine überdachte Haupttribüne und ein paar Stufen auf der gegenüberliegenden Seite verfügt. An Zuschauern mangelte es auch nicht, wobei ich mit meiner Schätzung von 600 entweder etwas danebenlag, oder die offizielle Zuschauerzahl schlichtweg falsch angegeben wurde. Egal, eine Zuschauerin war mir zumindest bekannt: Die Margarete („gib mir die Knete“) aus Hannover. Für Unterhaltung war also gesorgt und auch das Spiel war alles andere als langweilig. Im Landkreisderby gingen die Akteure ordentlich zur Sache, wobei Eching entschlossener wirkte. Der Siegtreffer fiel durch einen herrlichen Distanzschuss erst kurz vor Schluss. Nach dem Schlusspfiff war es Zeit Abschied zu nehmen, Margarete zog es nach München, ich verfiel dem Lockruf des Bierautomaten. Gerade rechtzeitig schaffte ich es zurück in die Pension, denn Fach 1, 2 und 3 meldete bereits ausverkauft. Mit kühlem Augustiner Edelstoff ging dann der aufregende Tag zu Ende. Ein Hoch auf die bayrische Braukunst und den Automatenaufsteller.

 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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