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Verbandsliga Hessen Süd, Saison 13/14, 03.08.2013

 

VfR Bürstadt - FC Bensheim

1:0

Bürstadt, Robert-Kölsch-Stadion (700 Zuschauer)

Auf dem Weg von Schifferstadt via Mannheim nach Bürstadt passiert man nicht nur drei Bundesländer sondern auch so klangvolle Orte wie Limburghof, Ludwigshafen und Lampertheim. Wie der Zufall so wollte, plärrte der alte Gassenhauer „Provinz“ von der Walter Elf aus dem MP3-Player. Am Namen unschwer zu erkennen: Band aus Kaiserslautern mit Fußballbezug. Am Provinzbahnhof Bürstadt angekommen, bedurfte es noch eines kurzen Fußmarsches ehe das Robert-Kölsch-Stadion, gleich hinter dem Schwimmbad, am Wegesrand auftauchte. Das ehemalige Waldstadion erinnert noch an die Zeit, als der VfR (Oli) Bürstadt in der zweiten Liga spielte. Selbst die Bandenwerbung zieren noch Firmen, die es schon lange nicht mehr gibt. Die wunderbare Haupttribüne thront über der ganzen Anlage, zwar sind einige Bereiche mittlerweile vom Grass überwuchert und die Zusatztribünen stehen schon lange nicht mehr, aber der ganze Rest sieht einfach geil aus. Besonders angetan war ich neben der Tribüne von der alten manuellen Anzeigetafel. Der VfR Bürstadt wurde 1910 gegründet, stand dreimal im Finale der Amateurmeisterschaft (Titelgewinn 1974 gegen Victoria Hamburg) und war insgesamt vier Spielzeiten Zweitligist, wobei sie nur 1980 die Klasse halten konnten. Danach folgte ein stetiger Abstieg bis in die Kreisliga, aber seit ein paar Jahren geht es wieder bergauf. Als Aufsteiger mischt der VfR Bürstadt wieder in der Verbandsliga mit und konnte im ersten Spiel den ersten Dreier einfahren. Das Tor fiel erst spät, obwohl die Hausherren deutlich überlegen waren und ein Dutzend guter Chancen hatten. Aber der Bensheimer Torwart, der Teufelskerl, hielt seinen Kasten bis fünf Minuten vor dem Ende sauber. Stolze 700 Zuschauer sorgten zudem für eine ganz stattliche Kulisse, so dass ich auch nach Wochen beim Schreiben dieser Zeilen ganz begeistert war. So, eigentlich ein gutes Schlusswort, aber es gibt noch was von der Rückfahrt zu berichten, dank des Chaosclubs Deutsche Bahn. Dabei fing es ganz harmlos an: Der Zug von Bürstadt war pünktlich und der ICE von Mannheim auch, zumindest bis Frankfurt Flughafen. Dort stand allerdings ein anderer ICE am Gleis und war kaputt. Mein ICE sollte diesen nun ankuppeln und dann bis Köln vor sich herschieben. Der zweimalige Kuppelversuch scheiterte allerdings und am Ende waren zwei ICE’S kaputt. Während ich so im Gang stehend mir das hektische Treiben etwas amüsiert anschaute, rutschte ein Mann (vermutlich bei einem der erfolglosen Kuppelversuche) vom Pott. Nicht weiter schlimm, nur dass der arme Mann nun da lag und dabei die nach innen zu öffnende Tür versperrte. Die Zugbegleiter (altdeutsch Schaffner) waren total überfordert und riefen erst mal die Bullen. Jeder kennt sie und jeder weiß, dass da auch keine Hilfe zu erwarten war. Danach mussten sich die Notärzte einen Weg durch die Menschenmassen bahnen. Mittlerweile standen ja die Reisenden zweier kompletter Zuggarnituren auf dem Bahnsteig rum und gierten nach Informationen. Die Notärzte konnten allerdings auch nix ausrichten und Bewegung kam dann doch in die Szenerie, weil aus dem Nichts ein weiterer ICE am Nebengleich Richtung Köln auftauchte. Voller Panik stürmten mehrere hunderte verzweifelte Menschen in dieses Wunderwerk der Technik, ahnten wohl aber nicht, dass der mittlerweile heillos überfüllte ICE den längeren Weg (über Koblenz) nach Köln fuhr. Zehn Minuten später kam der nächste Reguläre, der nicht nur erfrischend leer war, sondern auch die schnelle Strecke fuhr. Das Letzte was ich noch von der Rettungsaktion mitbekam war die anrückende Feuerwehr mit ihrem schweren Gerät (Axt). Im Zug hatte ich dann das Vergnügen, neben dem Triebfahrzeugführer (altdeutsch Lokführer) sitzen zu dürfen, der mir technischem Laien die ganze Scheiße mit dem Koppeln erklären konnte. Da wird nämlich gar nicht mehr gekoppelt, so wie wir das alles glauben. Das geht alles elektronisch. Irgendwann kam der Schaffner, ääähh Zugbegleiter um die Ecke und der Triebwagenführer und ich erzählten dem Zugbegleiter das ganze Schlamassel mit dem armen alten Mann, der vom Pott gerutscht ist. Der Zugbegleiter deutete uns an, mal mit zum Pott zu kommen, zog einen Kugelschreiber aus dem Hemd, klappte so eine kleine Leiste beiseite, klickte mit seinem Stift zweimal und hob die Tür aus den Angeln. Und die Moral von der Geschicht: Es gibt gute Zugbegleiter, meistens aber nicht!

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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