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Regionalliga Nordost, Saison 13/14, 11.08.2013

 

FSV Zwickau - Hertha BSC II

5:3

Zwickau, Sportforum "Sojus 31" (1.565 Zuschauer)

Gestern blieb die Fahrkarte aufgrund anderweitiger Verpflichtungen kalt und auch die Motivation, sich mitten in der Nacht aus dem muckeligen Bettchen zu pellen, war nicht sonderlich hoch. Da kam das Angebot von Jochen, dem alten Halunken, nach Zwickau zu eiern gerade recht. Nach einer seltsam entspannten Zugfahrt (einzige Aufregung war die Sichtung eines VfR-Aalen-Fans auf dem Weg nach Aue) erreichten wir den ausgestorbenen Bahnhof von Zwickau. Ich hab mich schon beim letzten Mal gefragt, warum Zwickau so einen großen Bahnhof (übrigens der alphabetische letzte Hauptbahnhof in dieser Republik) hat. Meine Vermutung, dass in den Zeiten, als der Trabant hier hergestellt wurde, einfach mal Leute die Bahn nutzten, war gar nicht mal so falsch. Aber nach Befragung der virtuellen Welt, muss dies relativiert werden. Der Bergbau war in dieser Region, was auch die beiden Bergsmanns-Denkmäler belegen, zu Hause. Menschen und Material wurden hier also einst in Massen produziert und transportiert. Heute gibt es in Zwickau weniger Arbeit und damit auch weniger Werktätige (Wahnsinn, welch kausale Zusammenhänge hier konstruiert werden). Kurz nach der Gründung der DDR hatte Zwickau fast 140.000 Einwohner, heute sind es nur noch knapp 93.000 Einwohner. Am Bahnhof wird dieser „Niedergang“ besonders deutlich. Er ist überdimensioniert, allein in der Eingangshalle gibt es acht Fahrkartenschalter, allerdings alle geschlossen. Ebenso wie das Mitropa-Restaurant, wo ich bei geöffneter Pforte garantiert aus nostalgischen Gründen eingekehrt wäre. Eine Besonderheit gibt es noch und danach ziehe ich einen Schlussstrich unter das Thema Zwickauer Hauptbahnhof: Er ist ein Keilbahnhof! Ja, ja! Der Experte weiß gleich Bescheid! Ein Keilbahnhof ist, ich zitiere: „…ein Bahnhof, dessen Gleisanlage sich vor dem Empfangsgebäude gabelt, das so in der Keilspitze liegt. Die Gleise führen beidseitig daran vorbei, ohne sich dahinter wieder zu vereinigen – im Gegensatz zum Inselbahnhof, bei dem die Gleise sich hinter dem Empfangsgebäude wieder vereinigen.“ Auf Zwickau übertragen bedeutet dies, dass die ersten vier Gleise Richtung Ost-West und die anderen vier Gleise in Richtung Nord-Süd liegen. Und dann gibt es noch einen Zug, der auf reanimierten alten Industriegleisen direkt vom Bahnhof in die Innenstadt fährt. Nur nicht an diesem Sonntag! Wir liefen die Strecke und da wir noch ein bisschen Zeit hatten, nutzen wir diese, um einen Happenpappen beim Chinamann einzuwerfen. Während man zum alten Westsachsenstadion hätte laufen können, war die Strecke bis zum Sportforum in Eckersbach doch arg lang. Aber die Tram, die fuhr! Ich schwöre, ich wollte die Terrorzelle hier komplett aussparen und Zwickau und seine Einwohner nicht auf dieses Trio reduzieren. Aber als wir gerade in der Bahn Platz nahmen, stand sie auf einmal vor mir – „Beate Zschäpe“, das ostdeutsche Landmädel, welches mit ihrem Rücken verzückt. Aber es kam noch schlimmer, die stand vor mir und sprach zu mir („Fahrkarten bitte!“). Was habe ich da nur wieder verpasst – Freispruch, Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit Hilfe der Zwickauer Verkehrsbetriebe innerhalb weniger Tage. Und was habe ich da nur verbrochen – ich (besser wir) hatten gar keinen Fahrschein. Aber andere Dokumente und die reichten in diesem Fall. Ich war sichtlich erleichtert, Jochen behauptete allerdings steif und fest, dass eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden war, aber es definitiv nicht die Beate „Diddl“ Zschäpe war. Am Ende habe ich sowieso wieder Recht, wenn gleich ich das Komplott noch nicht vollständig aufgearbeitet habe. Aber ich bleibe am Ball und habe so gerade einen galanten Übergang zum eigentlich Grund unseres Besuch gefunden. In Zwickau rollt der Ball im Sportforum „Sojus 31“ und wenn es nach dem Willen der Stadtoberen geht auch dauerhaft. Die selbst gebastelte Hütte ist kein Vergleich zum altehrwürdigen Westsachsenstadion, wo wohl nur noch der alte Turm steht und zukünftig Breitensport sein zu Hause findet. Es soll ein neues Stadion her, im von Plattenbauten dominierten Stadtteil Eckersbach. Kosten darf das Teil natürlich auch nix bis wenig und am Ende wird dann der FSV Zwickau in so einem Teil ähnlich der neuen Hütte in Halle spielen. So was ist natürlich Mist und auf der Rückfahrt hatten wir eine ganz interessante Diskussion über den zeitlichen Blickwinkel. Den Stadien, die in den letzten Jahren gebaut wurden, fehlt meist der Charme. Oft erinnert man sich voller Wehmut an das alte Parkstadion in Gelsenkirchen oder das Ludwigsparkstadion in Saarbrücken. Aber wie ging es den Zeitgenossen damals, als diese Stadien neu waren? Waren da auch alle neuen Stadien alle Kacke? Denn objektiv betrachtet, sahen die neuerrichteten oder komplett umgebauten Stadien einer Epoche auch irgendwie alle gleich auch. Meist überdachte Haupttribüne, Rasen in der Mitte, Laufbahn drum gezogen und daran anschließend Beton in ovaler Form. Oder hat sich früher keiner einen Kopp darüber gemacht? Fragen, die die Welt nicht braucht! Drum zurück zum Sportforum „Sojus 31“, welches übrigens nach einer Weltraummission benannt ist. Der Zusammenhang vom Weltraum und der westsächsischen Stadt ist nicht offensichtlich, lässt sich aber vermutlich damit erklären, dass bei dieser Mission (1978) der Generalmajor Siegmund Jähn mit an Bord war und er in der Nähe von Zwickau (in dem Örtchen Morgenröthe-Rautenkranz) das Licht der Welt erblickte. Nebenbei sei erwähnt, dass der schwachgelbe Kollege von groundhopping.de zwar den gleichen Zusammenhang vermutete, aber der Faden bei ihm am Ende doch lose ist. Blau-Weiß gegenüber Unblau mal wieder eine Nase voraus. Am Kassenhäuschen, eher Kassencontainer, mussten wir uns in die Schlange einreihen, um eines der begehrten Tickets (Vollzahler neun Euro) kaufen zu dürfen. Legt man noch einen Euro drauf, gibt es noch das informative Stadionmagazin Zwicker dazu. Dann durften wir es endlich betreten, das Campo Sportivo Provisorio! Stahlrohr soweit das Auge reichte, zumindest, wenn man nicht auf die gänzlich unausgebaute Gegengerade blickte. Auf der Hauptseite gibt es zwar eine ordentliche Anzahl an Stufen, aber darüber hat man auch gleich Stahlrohr gestülpt. Vermutlich damit der Anblick einheitlich wirkt. In der Heimkurve gibt es sogar drei dieser Konstruktionen, wobei eine davon etwas kleiner ist und wohl extra für die roten Chaoten gebaut wurde. Zumindest meine ich das irgendwo mal gelesen zu haben. Die standen aber im größeren Block und deren Support war ganz gut. In der ersten Halbzeit sogar richtig top, in der zweiten Halbzeit etwas schwächer. Auch optisch sah das ganz ordentlich aus. Mit viel „Zwickau schalalaa“ wurden die Spieler unterstützt und die spielten einen feinen Ball. Zwar ging Hertha etwas überraschend in Führung, doch wurde diese ein paar Minuten später egalisiert. Noch vor der Pause ging Zwickau durch ein sehr geiles Freistoßtor in Führung. In der zweiten Halbzeit baute Zwickau erst die Führung aus, Hertha verkürzte, ehe die Hausherren den Sack endgültig zu machten. Die 1.565 (davon 15 Gäste, davon vier Zugfahrer aus der Hauptstadt) waren sichtlich erfreut und brachten dies auch akustisch zum Ausdruck. Oder anders formuliert: Die Stimmung war gut.

 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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