[zurück zur Übersicht]

 

Regionalliga Südwest, Saison 13/14, 18.08.2013

 

SG Sonnenhof Großaspach - SVN Zweibrücken

2:0

Großaspach, Arena (600 Zuschauer)

Dem Fiasko gestern in Augsburg musste mit einem Akt der Selbstbestrafung begegnet werden. Die Sportgemeinschaft Sonnenhof Großaspach klingt ja schon wie eine Tracht Prügel und sollte das probate Mittel sein. In Stuttgart sammelte ich Begleiter Jochen ein, damit wir unser autoaggressives Verhalten kollektiv ausüben konnten. Da weder Sonnenhof noch Großaspach über einen Bahnhof verfügen, ging es von Stuttgart mit der S-Bahn bis nach Backnang und von dort mit dem Bus weiter. Mitten in der Pampa war dann Endstation und obwohl Jochen hier schon mal war (sozusagen am alten Ground), verliefen wir uns im Gehölz. Erst liefen wir am Wald entlang, dann dort hinein und dann war guter Rat teuer. Erst als wir die Hütte eines Gesangsvereins sichteten, waren wir einer Art Zivilisation wieder nah und einen Abzweig später standen wir vor der nagelneuen Arena der Sportgemeinschaft Sonnenhof Großaspach. Bei diesem vor Tradition nur so strotzenden Verein lohnt sich ein kleiner Abriss zur Historie, denn hier wurde schon Fußball gespielt, da war Marcelo Bordon noch gar nicht geboren und der schwedische König noch nicht mit einer deutschen Ische verheiratet. Ein gewisser Uli F., Sohn eines Hoteliers (der Typ ist der personifizierte rote Faden in dieser Geschichte), gründete vor etlichen Dekaden eine Thekenmannschaft, aus der ein paar Jahre später ein richtiger Fußballverein wurde. Der FC Sonnenhof (noch) Kleinaspach war geboren und mischte seitdem die Freizeitliga auf. Als man dort alles gewann, was es zu gewinnen gab, wurde der Verein ordnungsgemäß am „richtigen“ Spielbetrieb beim württembergischen Fußballverband angemeldet und von da an ging so richtig die Pest ab. Aufstieg reihte sich an Aufstieg und aus dem FC Sonnenhof Kleinaspach wurde konsequenterweise die SG Sonnenhof Großaspach. Uli F. übernahm die Führung und zimmerte seinen Jungs ein kanadisches Blockhaus als Vereinsheim in die Pampa. Illustre Trainer (u. a. Uwe Wacholder Rapolder, Markus Gisdol und Jürgen Hartmann) gaben sich die Klinke in die Hand und irgendwann war der Club dann viertklassig. Aber Uli F. ist nicht nur Hotelier und Hobbyfunktionär, sondern auch Spielerberater, ein Beruf der in der Beliebtheitsskala zwischen Fußpfleger und Henker rangiert. Aber aus mir spricht nur der Neid, denn hätte ich so eine goldene Kuh namens Mario Gomez, für den ein Verein erst 30 und später ein anderer 15 Millionen bezahlte, dann würde ich mir von den Provisionen auch ein Stadion kaufen oder bauen lassen. Nur schöner als das der Sportgemeinschaft Sonnenhof-Großaspach und für weniger als 10 Millionen. Aber der umtriebige Uli F. hat es doch glatt geschafft, Familienmitglieder, Unwissende und Unfreie in einer Investorengruppe zu vereinigen, die ihre mühsam zusammengeraffte Kohle in dem Waldstück irgendwo im Nirgendwo versenkten. Zu diesen illusteren Investoren gehören neben der ganzen Sippe u.a.: Andrea Berg (Schlagertrulla und Gemahlin von Uli F.), Alexander Hleb und Mario Gomez. Naja, soll sich jeder selbst einen Reim draufmachen. Die Arena wurde direkt neben den Platz (der heute der Nebenplatz ist) gebaut und dabei das Vereinsheim in die Arena quasi reingefummelt. Denn wer zu den sehr wichtigen Personen auf die Haupttribüne möchte, muss einmal durch die Hütte durch. Und da wir zweifelsohne sehr wichtige Personen waren, nutzen wir die Gunst der Stunde. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Andrea Berg in der Hütte bzw. dem dort beherbergten Restaurant die sehr wichtigen Personen höchstpersönlich bedient und genau diesen Plan galt es zu verfolgen. Geplant war ein Interview (Marke: knallhart, schonungslos und an den Fakten vorbei), welches der Aufmacher dieser Postille sein sollte. Damit, so der Plan weiter, würde „Stadt der 1000 Feuer“ den „Dröhnbütel“ von Platz 1 unter den deutschsprachigen Lifestylemagazinen verdrängen und ein Leben ohne Sorgen und vor allen Dingen in Saus und Braus wäre garantiert gewesen. Zwei Haken hatte der Plan dann am Ende. Der schwerwiegendere von den beiden war, dass bei der Objektsuche für die neuen Redaktionsräume sich kein geeigneter Ort in Gelsenkirchen finden ließ, der dann der fast vierstelligen Belegschaft ein arbeitsfreundliches Umfeld hätte garantieren können. Eher bedeutungslos war der zweite Haken. Die gute Andrea Berg kellnert im gut drei Kilometer entfernten Sonnenhof Landhotel. Kann ja keine Sau wissen, dass es in dem Kaff gleich zwei Bumsbuden gibt. Das Leben in Saus und Braus wird daher erst mal zurückgestellt, aber eigene Ideen sind schon in der Konzeptphase. Bis dahin muss ich die Werte Leserschaft mit hirnrissigen Abhandlungen über langweilige Fußballspiele malträtieren. Das wichtigste gleich mal vorweg: Im Sonnenhof gibt es Ultras und genau genommen sogar zwei Gruppen: Die „Aspacher Jungs 2012“ und die „Ultras Aspach“, allerdings kann ich zur Gruppenstärke wenig Gehaltvolles beitragen, da alle (handgezählte 19) zusammenstanden. Eine Gruppe muss zwangsläufig über eine ungerade Mitgliederzahl und die andere über eine gerade Mitgliederzahl verfügen. Wobei etwaige Stubenarrestler und Stadionverbotler diese Theorie zunichtemachen würden. Ich vermute einfach mal, dass die „Ultras Aspach“ eher linksorientiert sind, weil sie dort standen. Wobei ich den Gruppennamen gar nicht mal schlecht finde, wenngleich ich eher etwas gewählt hätte, was die Orientierung und den regionalen Bezug in den Vordergrund gestellt hätte. So was schmissiges wie „Chaos Crew Corte d’Sole“ oder „Sole Corte Boyz“ (z im Gruppenname ist immer gut) oder Ultraz Cappello da Sole (heißt zwar Sonnenhut, aber auch egal). Da ist noch Potential, auch gerade gesanglich. Aber ich will ja nicht meckern, ist ja grundsätzlich unterstützenwert, wenn die Jugend noch ins Stadion (bzw. Arena) geht, anstatt sich zu betrinken. Aus Zweibrücken waren zwar Gäste angereist, die saßen aber vor uns auf der Tribüne und waren eher supportfaul. 2:0 und für mich war der Spuk bereits nach 85 Minuten zu Ende, sehr zum Unverständnis von Jochen, weil ich so noch den Zug erwischen konnte, der mich zwei Stunden eher in die Heia beförderte. Damit schließe ich das Kapitel „Sommer, Sonne und Bahnchaos 2013.“

 
 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

.

[zurück zur Übersicht]