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Isthmian League North Division, Saison 13/14, 05.11.2013

 

Harlow Town FC - Dereham Town FC

2:2

Harlow Town, The Barrows Farm Ground (112 Zuschauer)

Direkt nach der Null-Europapokalfeeling-Tour beim FC Basel setzte ich mich an die Planung für den Ausflug nach London. So konnte es ja nicht weiter gehen, denn Chelsea bot die gleichen Voraussetzungen wie Basel: Stadion auch schon zweimal besucht, ein mäßig interessanter Gegner und kaum Möglichkeiten etwas drum herum zu bauen. Sämtliche Ligen wurden durchforstet und am Ende gab es sage und schreibe zwei Partien, die am Vorabend unseres Spiels in England stattfinden sollten. Man City gegen St. Petersburg und in der achten Ebene Harlow Town gegen Dereham Town. Da Manchester allein wegen der Geographie ausschied, schien Harlow Town wie gemalt für einen Abstecher, da das Kaff genau 14 Zugminuten von Stansted entfernt liegt. Bei der Suche nach einer Absteige offerierte Holiday Inn sogar ganz brauchbare Sparpreise für ein Doppelzimmer inklusive Frühstück. Nachdem fix in die virtuelle Runde gefragt wurde, wer Bock auf unterklassigen englischen Hafer hat, stand am Ende nur ein Mausklick vor der Buchung von vier Doppelzimmern in Harlow Town. Waghalsig wie man nun mal so ist, tippte der Finger auf dieses optische Gerät und nun hieß es noch 34mal Schlafen bis zum Kickoff. Ein Haken hatte die Sache allerdings. Die Zugtickets waren verdammt teuer (7.50 GBP plus 15.50 GBP nur für die Fahrten von Stansted nach Harlow und von Harlow nach London). Aber beim Hertha-Spiel konnte DJ das Problem zumindest halbieren, da der Fuchs herausgefunden hatte, dass es bei einer Vierfahrtenkarte einen Bonus von 50% gibt. Das passte ganz hervorragend und da unsere U19 am Nachmittag unseres Spiels noch in Aldershot (ca. eine Stunde südlich von London) antreten musste, ergaben sich völlig neue Möglichkeiten. Doch dazu später mehr. Erst mal stand der langweilige Flug von Berlin nach Stansted und von dort aus die kurze Bahnfahrt nach Harlow Town auf dem Zettel. Der erste Eindruck von der 80.000 Einwohner zählenden Stadt war schauerlich und so sehr wir uns auch in den nächsten 24 Stunden mühten, es wurde nicht besser. Eine klassische Londoner Vorstadt, die erst kurz nach dem zweiten Weltkrieg als sogenannte „New Town“ aus ein paar Dörfern und der Kleinstadt Harlow entstand. Harlow darf sich zumindest damit rühmen, die Stadt mit der ersten Fußgängerzone auf der Insel zu sein. Aber schön ist die Fußgängerzone deswegen noch lange nicht. Außerdem plumpste der britische Schlagerbarde Nick Kamen ("I Promised Myself") hier aus dem Bauch seiner Mutti. Vom Bahnhof mussten wir noch ca. eine halbe Stunde gemütlich laufen, ehe wir das Zentrum mit unserem Nobelhotel (erkennbar am Busbahnhof und eben dieser Fußgängerzone) erreichten. Die Zimmer waren allerdings noch nicht bezugsfertig und da wir alle Hüngerchen hatten, stürmten wir das erstbeste Diner, wo fett- und cholesterinarme Kost (Bohnen, Speck, Eier, Burger, Chips) den Weg in unsere Mägen fand. Da sich zudem der im Vorfeld ausbaldowerte Wetherspoons Pub namens „The William Aylmer“ direkt um die Ecke befand, galt es diesen anzutesten. Der entscheide Vorteil an dieser Kneipenkette sind die Preise, da die Pints für deutlich unter drei Pfund zu haben sind. Allerdings, und dass beziehe ich nicht nur auf die Pubs der Wetherspoonkette, gibt es trotz der großen Getränkeauswahl kaum englische Biere. Hauptsächliche kontinentaleuropäische und australische Marken werden offeriert und wenn es mal etwas Britisches gibt, dann ist es Ale. Versuch macht bekanntlich klug und nachdem ich einen Einheimischen am Tresen befragte, welches denn wohl am besten schmecken würde, orderte ich eins aus dem Hause Abbot. Ein ziemlich zähflüssiges Gesöff, welches zudem nicht eiskalt serviert wurde. Ist bei Ale auch nicht üblich, aber gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem. Da sich der Rest der Bande Cider in die Birnen schraubte, machte ich es ihnen gleich und das, obwohl ich den Apfelperlwein immer als Pussygesöff abgetan habe. Aber ich muss zugeben, so eisgekühlt aus dem Hahn und in einem schönen Pintglas serviert, schmeckte die Brause. Am Nachmittag wagten wir einen erneuten Versuch unsere Zimmer zu beziehen, was am Ende auch klappte. Zimmer top, nur die Betten etwas zu klein und zu weich. Danach mussten noch Vorbereitungen für den Abend getroffen werden und dazu war ein Besuch in einem „Off-Licenced-Shop“ notwendig. Wo jetzt genau der Unterschied zwischen einem Off-Licenced-Market und ein einem „normalen“ (On-Licenced-Shop?) ist, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Nach 23 Uhr gibt es keinen Suff für unterwegs, die Regel ist in England schon mal unumstößlich und jede Versuche dieses Gesetz zu lockern sind am Widerstand der Pubbesitzer, Behörden und vor allen Dingen Bullen gescheitert. Wir deckten uns zumindest ein und auch in unserem Market gab es nur die Standardplörre zu kaufen. Dusche und Waschbecken wurden zum Kühlschrank umfunktioniert und ein Horst hat doch tatsächlich beim Verlassen der Zimmer erst mal schön die Heizung angedreht. Next Stop - The Barrows Farm ground! So gut drei Kilometer war das Teil entfernt und lag irgendwo hinter einem Golfplatz. Zwischendurch liefen wir einfach Richtung Flutlicht und haben uns dann in einem Wohngebiet verfummelt. Aber Zeit war genug und nachdem wir stolze zehn Pfund für den Einlass abdrücken mussten, waren wir ein Teil der sage und schreibe 112 Zuschauer. Das Stadion ist relativ neu (der Engländer würde sagen „nothing special“) und der Belag ist Kunstrassen. Neben zwei überdachten Tribünen auf den Längsseiten gibt es noch das erforderliche Vereinsheim, wo das Cider für drei Pund gereicht wurde. Harlow Town FC, gegründet 1896, spielt in der Isthmian League, die auch unter dem Sponsoren Namen Ryman League bekannt ist. Ryman ist das englische Pendant zu McPaper. Das englische Ligasystem ist auf den ersten Blick unterhalb der sechsten Liga etwas verworren und ein Grund dafür sind die traditionellen Ligen, dass heißt die Ligen haben eine lange Tradition und verwalten sich im Prinzip selbst. Die Isthmian League (7. Level) gibt es schon seit 1905 und darunter gibt es noch eine North und eine South Division (8. Level). Zu Gast war an diesem Abend Dereham Town FC (liegt irgendwo bei Norwich) und die Partie war ganz ansehnlich, endete 2:2, wobei die Hausherren noch etliche gute Chancen hatten, als Gewinner vom Astroturf zu gehen. Aber viel schlimmer war, dass ich aufgrund der ganzen Cidersauferei einen Vitaminschock bekam, der dann in Sodbrennen mündete. Im Vereinsheim bekamen wir noch die brandheiße Info, dass unser Wheaterspoon nicht um 23 Uhr die Pforte schließen würde, sondern erst um ein Uhr in der Nacht. Sofort wurden zwei Taxen geordert, die die Meute für vier Pfund (bzw. acht Pfund) direkt an den Tresen beförderte. Aber das Bier und der Cider floss nur noch mäßig und anstatt wie üblich nur Scheiße zu labern, waren diesmal ernste Themen angesagt. War auch mal notwendig, auch wenn es zwei Leute wahrscheinlich gar nicht so lustig fanden. Als dann die Pinte zum Last Call läutete, setzte ein Teil den Abend an der Hotelbar fort und der Rest haute sich auf die Lauscher.

 
 
 
 

Tageskilometer:                             

Saisonkilometer:                    

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